Ein ströerischer Esel

BuzzFeed News berichtet, wie die Firma »Ströer Millionen Facebook-Fans heimlich für Werbung benutzt«, indem sie auf ehemals leidlich beliebten Pages wie »Unnützes Wissen oder Kinder der 90er« Links zu zahlenden Kunden postet, ohne diese als »Anzeige« zu kennzeichnen. Von über 60 Pages und mehr als 50 Mio Fans ist die Rede – wobei das nicht lange so bleiben wird, denn diesen dermaßen gemolkenen Communities laufen die Likes in Scharen davon.

Mindestens 33 Facebook-Seiten in Ströers Portfolio haben nach Berechnungen von BuzzFeed News eine Interaktionsrate von 0.00%. (…) Zu den Kunden von Ströers Klick-Seiten zählen große deutsche Medienunternehmen wie Axel Springer, Burda, Gruner und Jahr, RTL und der Spiegel Verlag.

Von BuzzFeed darauf aufmerksam gemacht, beeilen sich viele dieser Kunden um eine Distanzierung vom Gebaren Ströers. Und in der Tat dachte ich hier zuerst an eine perfide Doppelstrategie des »Werbegiganten«: Denn die »Ströer Social Publishing GmbH bezeichnet sich selbst als ‚führenden Online Social Publisher in Deutschland’« mit einem durchaus nicht unerheblichen Eigenangebot an Content.

D.h. Ströer liefert seinen Werbekunden nicht nur mitunter fragliche Klicks, die langfristig auf das Image von Seiten wie Bento abfärben könnten. Gleichzeitig gibt sie selbst nämlich Konkurrenzangebote wie watson.de (Ströer Next Publishing GmbH), giga.de (Ströer Media Brands GmbH) oder das notorische t-online.de (Ströer Digital Publishing GmbH) heraus. Und es muß doch einen Grund geben, warum diese Plattformen den hauseigenen Werbedienstleister nicht in »Anspruch« nehmen, dachte ich mir.

Ströer zerstört mit diesem Vorgehen nicht nur einen Teil der deutschen Facebook-Kultur, sondern rückt auch die Verlagskunden in ein schlechtes Licht.

»…deutsche Facebook-Kultur zerströert…«

Ich habe ja keine Ahnung, die W&V klärt mich zum Glück auf:

Gerade bei Kunden aus dem Medienbereich dürfte sich das ein oder andere Gegengeschäft unter den verlinkten Lesetipps finden. Immerhin ist auch das noch junge Portal Watson.de aus dem Hause Ströer auf der Suche nach Usern. Ein Link für Bento bei Unnützes Wissen auf Facebook, im Gegenzug ein Post für Watson.de im Bento-Reich – ein nicht unüblicher Deal im Medienbereich. Bei dem kein Geld fließen muss.

Fragt mich nicht, wer hier am Ende was verdient. Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg hat jetzt zumindest ein Verfahren gegen die Ströer-Tochter wegen des Verdachts auf Schleichwerbung eingeleitet.

Lösch Dich, Mark Z.

Facebook hat vor drei Tagen einige Änderungen an seiner API bekanntgegeben. Das hat wohl eher mit den Raktionen auf den Cambridge Analytica „Skandal“ als mit DSGVO oder so. Das betrifft auch mich. Siehe folgenden Absatz aus New Facebook Platform Product Changes and Policy Updates – Facebook for Developers:

„The publish_actions permission will be deprecated. This permission granted apps access to publish posts to Facebook as the logged in user. Apps created from today onwards will not have access to this permission. Apps created before today that have been previously approved to request publish_actions can continue to do so until August 1, 2018. No further apps will be approved to use publish_actions via app review.“

Sowohl drikkes.com als auch drikk.es greifen bislang auf Techniken des IndieWeb zurück. Ich selbst brauche das gar nicht zu verstehen, aber der für das halbautomatische Crossposten zu Facebook und das vollautomatiasche Einholen der dortigen Reaktionen benötigte Service Bridgy wird demnächt eines Großteils seiner Funktion beraubt, wenn sich nicht noch ein Workaround dafür findet.

(sadface) Als ob mir FB noch nicht genug auf die Nerven geht…

Quitter

Der @assbach hat mir diesen Link in die Timeline getwittert: Here’s why people actually delete social media. Alles irgendwie nachvollziehbar, was die Leute bei Mashable da so für Gründe anführen. Das tollste Zitat musste ich auch gleich als Reply zurückschicken.

Es gibt allerdings noch Argumente, die in dem Artikel unerwähnt bleiben:

  • So können sie besser ignorieren, was ihre „echten Freunde“ für homophobe, rassistische und misogyne Typen sind.
  • Sie können die klischeetriefenden Stockphotos aus den Previews der überall verlinkten Artikel nicht mehr ertragen.

Ich selbst bin nun schon seit mehr als anderthalb Jahren bei Instagram raus. Zuviel Werbung und das Ende der chronologischen Timeline waren damals die Gründe. Und bei Facebook spiele ich hin und wieder mit dem Gedanken, zumindest die App vom iPhone zu löschen. Bisher hat es allerdings nur mit dem Verschieben auf einen der hinteren Homescreens geklappt. In Verbindung mit dem Abstellen sämtlicher FB-Notifications reicht das aber eigentlich auch.

social ascii

Gerade auf thenextweb.com/ gelesen, daß Facebook automatisch von jedem öffentlich geposteten Bild auch eine ASCII-Version generiert. Dafür muß man nur die eigentliche Bild-URL nehmen und hinter die Endung .jpg noch ein .html dranklatschen.

Kann ich nicht wirklich ausprobieren, da ich kaum nativ auf FB gepostete, öffentliche Photos habe. Das funktioniert aber auch mit Instagrams und sieht dann zum Beispiel so aus.

Screenshot 2016-01-29 22.52.35

Um an die URL zu kommen, reicht ein Rechtsklick auf die Einzelansicht. Seitenquelltext anzeigen lasssen und etwa nach der Hälfte findet man sie, kopiert diese in die Adresszeile des Browsers, Endung dran. Fertig.

Und wenn die Adresse mit .txt statt .html vervollständigt, bekommt man eine pixeligere Schwarzweißvariante.

Screenshot 2016-01-29 22.54.15

Probiert das mal aus. (via @assbach)

gedrillt

Wundesbehr

An irgendetwas erinnert mich die neue Werbekampagne der Bundeswehr mit ihren Dreiecksflächen in verschiedenen Grün- und Brauntönen. Wenn ich nur wüßte, woran…?

Dafür ist auf den verschiedenen Motiven der unsägliche Claim nicht mehr drauf. Zu der stattdessen angepriesenen, schick polierten Landingpage werde ich hier trotzdem nicht verlinken. Wohl aber auf diesen Geistesblitzkrieg hinweisen.

Davon ab, daß »Wir. Dienen. Deiner Mudda.« auf der BW-FB-Seite dann doch wieder gespielt wird: Gar kein schlechter Zug, um ein paar Mörder imagemäßig besser dastehen zu lassen, oder?