Im Verzug

Das Pendeln zwischen den Hauptbahnhöfen Köln und Düsseldorf ist ein besonderes. Weil ein RE – laut Fahrplan – „nur“ zehn/elf Minuten länger braucht als ein IC oder ICE (33 zu 23/24 Min.), nehme ich oft den langsameren Regionalzug und bin trotzdem schneller zuhause. Je nachdem, wann ich am Bahnhof ankomme. Theoretisch. In der Praxis sieht das so oder so aus:

  1. Ich erreiche Gleis 16, der RE1, der eigentlich um 18:39 Uhr Abfahrt hat, fährt ein um 18:42 Uhr. Ich steige nicht ein, denn für 18:48 Uhr steht ein ICE im Fahrplan – und laut Anzeige am Bahnsteig ist er pünktlich. Also lasse ich den überfüllten RE stehen, um eine Zigarettenlänge auf den ICE mit quasi Sitzplatzgarantie zu warten. Ich zünde mir eine Kippe an, die Türen des Regional-Express’ schließen sich und just in diesem Moment – der RE hat sich gerade in Bewegung gesetzt – ertönt die Durchsage, „wegen Verzögerungen im Betriebsablauf hat der ICE nach München über Köln und Frankfurt aktuell etwa 20 Minuten Verspätung.“
  2. Ich bin pünktlich am Gleis 16 für den IC um 19:21 Uhr, der wie üblich Ankunfts- mit Abfahrtszeit verwechelt. Solche Verspätungen um zwei bis drei Minuten werden nicht einmal erwähnt. Noch bevor ich einsteigen kann, fährt der ICE für 19:27 Uhr überpünktlich ein. Welcher der beiden Züge wird wohl schneller in Köln sein? Das Bahnpersonal kann die Frage nicht beantworten, mehr als ein „Der IC fährt zuerst ab“ bekommt man nicht heraus. Also einsteigen, zügig abfahren, dann im Schneckentempo durch Deutz gondeln – und schließlich kurz vor dem Hauptbahnhof auf der Hohenzollernbrücke zum Stehen kommen. Während der Durchsage „Weil unser Ankunftsgleis noch belegt ist, verzögert sich unsere Einfahrt noch wenig“ sehe ich den vorhin abgewägten ICE an mir vorbeifahren.

Meinten Sie: Opfer-Passage

Das sind wirklich keine Sonderfälle, irgendwas ist immer – Personen im Gleis, Stellwerksschaden, technische Störungen, Polizei- oder Noteinsatz am Gleis, verzögerte Bereitstellung des Zuges, Verspätung durch einen vorausfahrenden Zug oder meine Lieblingsdurchsage: „Verspätung im Ausland“. Dabei sind die Durchsagen mit holländischem Akzent im ICE International von bzw. nach Amsterdam die besten.

Aber es vergeht keine Woche ohne Zwischenfälle und Komplikationen. Und wenn bei der DB alles glatt läuft, dann hakt es entweder bei der Rheinbahn oder der KVB.

Verbindungsaufbauspiel

t3n vermeldet: Deutsche Bahn stattet erste ICEs mit Gratis-WLAN in der 2. Klasse aus.

Praktischerweise gibt es zumindest derzeit keinen Umweg über eine Anmeldeseite, auf der die Reisenden Informationen über sich hinterlassen müssen. Ob das auch nach Beendigung der Testphase so bleibt, lässt sich derzeit allerdings schwer abschätzen.

Noch in diesem Jahr, also bis Ende 2016 soll die Technik in allen zwischenstädtischen Schnellzügen angeboten werden. Ich setze 10 Euro darauf, daß es dann bei der DB genauso schlimm wird, wie sich in einen Hotspot der Deutschen Telekom einzuklinken. Meine arbeitstägliche Fahrt von Köln nach Düsseldorf dauert laut Fahrplan 22 Minuten. Wovon ich sicherlich nicht jedes Mal fünf Minuten mit Eincheckboxen und Mailadressenangebertum verbringen möchte.

Are friends electric?

Selbst dann nicht, wenn das WLAN schneller als in der 1. Klasse sein soll.* Aber man soll ja nicht immer meckern. Besser als nix.