Ladenzeile für Ladenzeile

Ich habe keine Ahnung, wie lange es den Zigarren Günther auf der Mero bereits gibt. Es sind mit Sicherheit deutlich mehr als die zehn Jahre, die ich nun schon in der Südstadt lebe.

Günther

Das erkennt man natürlich vor allem am Namen selbst. Und an der Außenwerbung des Ladens kann man ganz gut seine Geschichte ablesen. Wo lagen zu welchen Zeiten die Verkaufsschwerpunkte dieses Geschäfts? Nach zuerst Tabakwaren sind Zeitungen und Zeitschriften immer wichtiger geworden. Schließlich dominiert jetzt das Branding als Postfiliale und besonders DHL-PaketShop – dem Onlinehandel sei Dank.

Günther

Ich frage mich allerdings, wann man auf die Idee gekommen ist, den Laden laut Schild „Genuss Company“ zu nennen.

Werbung & Wahrheit

Gabriel ist die Wahnsinnigkeit eines eingeschränkten Angebotsversprechens aufgefallen. In einer neueren Version dieses TVCs nämlich fällt gegen Ende der denkwürdige Satz:

„Endless shrimp is not forever.“

Das hat mich an ein Photo erinnert, welches ich bereits vor längerer Zeit von einem 18/1-Plakat gemacht habe und das seitdem in meiner Camera Roll geschlummert hat.

Das Leben ist tödlich.

Zu schön. In der Headline „tobt das Leben“, während unter dem Motiv der rechtlich notwendige Warnhinweis prangt, Rauchen könne „tödlich sein“. Ob das meinem werten Kollegen nicht aufgefallen ist oder die Firma es offensiv genau so haben wollte?

gedrillt

Wundesbehr

An irgendetwas erinnert mich die neue Werbekampagne der Bundeswehr mit ihren Dreiecksflächen in verschiedenen Grün- und Brauntönen. Wenn ich nur wüßte, woran…?

Dafür ist auf den verschiedenen Motiven der unsägliche Claim nicht mehr drauf. Zu der stattdessen angepriesenen, schick polierten Landingpage werde ich hier trotzdem nicht verlinken. Wohl aber auf diesen Geistesblitzkrieg hinweisen.

Davon ab, daß »Wir. Dienen. Deiner Mudda.« auf der BW-FB-Seite dann doch wieder gespielt wird: Gar kein schlechter Zug, um ein paar Mörder imagemäßig besser dastehen zu lassen, oder?

streuverlust

Das Bild hier habe ich vor ein paar Tagen bereits getwittert und daß ich es jetzt noch einmal in einem eigenen Blogpost thematisiere, ist wohl weniger der Tatsache geschuldet, daß dieses Plakat so einen großen Eindruck auf alle Rezipienten macht, sondern liegt eher an meinem Beruf. Ich bin Werbetexter. Außerdem hängen die Dinger derzeit überall in der Stadt, man kommt nicht an ihnen vorbei. Mediadruck, Masse statt Klasse.

Ich bin nicht „jeder“. Nicht alle nutzen zum Beispiel wie ich den Öffentlichen Personennahverkehr. Wie sollen sie da 18/1 oder CLPs in U-Bahnhaltestellen zu Gesicht bekommen? Und so gibt die zur Kampagne gehörige Website auch an, daß man Out Of Home sehr wohl in der Lage ist, Werbung im Hinblick auf spezifische Target Audiences zu platzieren. Und das sollte man auch, Konzentration beispielsweise auf Buswartehäuschen, die Einkaufsstraßen der Innenstädte oder entlang der Autobahnen. Sonst kann so etwas – Stichwort TKP – schnell ins Geld gehen und jedes Budget sprengen. Nur sagt die Kampagne des Fachverbands Aussenwerbung e.V. davon nichts.

Die attraktive Frau ist nicht das einzige Motiv der Kampagne. Ich habe auch noch kleinformatigere Plakate mit einem ebenfalls ansehnlichen Mann gesehen. Das Motiv mit der Nichtweißen ist mir nur im Netz aufgefallen. Man will es allen recht machen, bezeichnet sich selbst auch zurecht als Massenmedium – und ist stolz darauf. Bei effizienzorientierten Marketingmenschen dürfte angesichts dieser Werbung allerdings in erster Linie eine Botschaft hängenbleiben: Wenn ich kommunikationstechnisch mit Kanonen auf Spatzen schießen möchte, dann ist Out Of Home Media das Mittel der Wahl. Und Streuverluste müssen eben entsprechend bezahlt werden.

Wohlgemerkt: die Message der Kampagne. Auf der dazugehörigen Micropage trifft-jeden.de liest sich das schon wieder entgegen der vereinfachten, verfälschenden Werbebotschaft ganz anders. Da ist von Zielgruppenprofilen sowie Plan- und Berechenbarkeit die Rede. Und auch eine Einschränkung findet sich dort: Unter dem Punkt Zeitgeist lautet das alles entscheidende Stichwort Mobilität. Anstelle des Internets – vielleicht sogar noch des Radios, aber TV schon nicht mehr – würde ich den Ball dankbar aufnehmen. Das ist doch eine Steilvorlage, die geradezu nach einer Antwortmaßnahme schreit. Ganz nach dem Motto „treffen, wen Sie wollen“ würde ich Werbung für Alte, Kranke und Blinde machen. Das sind nämlich auch Konsumenschen.

Aber dann müßte man sich ja sein Nischendasein eingestehen. Und wahrscheinlich bin ich einfach zu sehr Werbetexter.