Identität im Netz

Das Thema hatten wir ja schon. Interessiert aber immer (noch), ist alles andere als abgehakt. Angeregt durch einige Tweets habe ich mir die Websites usernamecheck.com und spokeo.com angeschaut.

In Grunde bieten beide denselben Service: Einen Check, welches Pseudonym in welcher Social Community bereits vergeben ist. Natürlich lassen sich so auch prima meine Doppelgänger im Web 2.0 ausfindig machen. Und es gilt festzuhalten, daß ich nicht der myspace-drikkes (siehe Photo) bin.

Immerhin habe ich so festgestellt, daß ich einen Account bei last.fm habe. Wann habe ich mir den denn eingerichtet? (Ja, da steht 15. September 2006, aber ich habe keinerlei Erinnerung an meine Registrierung dort…)

shopping 2.0

There’s a new start-up town. Wie ich gerade in der Printausgabe der Werberzeitschrift Werben & Verkaufen gelesen habe, soll die Website digading.com das zwischengenetzte Kauferlebnis auf ein neues Level bringen.

Bisher kennt man Restpostenverwerter wie buyvip.com oder brands4friends.de, die sich mehr schlecht als recht das Mäntelchen der Exklusivität umhängen. Auch hier soll der Community-Charakter gestärkt werden.

digading.com ist da schon einen Schritt weiter: Bis auf wenige Zusatzinfos definieren sich die Mitglieder einzig über die Marken, welche sie gut finden. Daß da bei der Benutzung viel geschummelt wird, die Leute sich besser (was immer das in diesem Zusammenhang heißt) darstellen, als es ihr Konsum in Wahrheit ist, dürfte den Machern der Plattform – und den dort repräsentierten Marken – nur recht sein. Wird doch auf diese Weise ein Gruppendruck aufgebaut, der auf das Konsumverhalten der Mitglieder rückwirken soll.

Natürlich ist die W&V ein Branchenblatt. Und nichts gegen eine positive Grundeinstellung. Aber ist es deshalb nötig, jeden Trend und sogar jede Neuerung als den neuen heißen Scheiß durchs Schweinedorf zu treiben? Ich erwarte natürlich keine ausgewachsene Kapitalismuskritik, doch speziell an diesem Geschäftsmodell gibt es doch einiges auszusetzen. Im Endeffekt läuft es doch immer darauf hinaus (und das ist beim Fernsehen nicht anders, da stimme ich Ihnen zu MRR), daß die Konsumenten nicht nur für dumm verkauft, sondern für blöd gehalten werden.

Man sollte den Leuten ruhig mal etwas zutrauen. Auch auf die Gefahr hin, sie herauszufordern. Man kann sich nicht immer mit Angebot & Nachfrage rausredet. Aber mit der Übernahme von Verantwortung ist es ja nicht mehr weit her…

sprichwort/crossover

Zwei bekannte Sprichwörter zu einem neuen zusammenzusetzen, ergibt natürlich nur dann Sinn, wenn das Ergebnis noch irgendeinen Gemeinplatz zumindest erahnen lässt und nicht nur schräg klingt. Bei eingen ist mir das besser gelungen als bei anderen. Weitere Vorschläge solcher nicht ganz unernst gemeinten Weisheitsamalgame bitte in den Kommentaren posten, danke!

Der frühe Vogel verdirbt den Brei.

Der Krug geht so lange zum Brunnen wie die Taube auf dem Dach.

Eine Schwalbe wäscht die andere.

Wer anderen eine Grube gräbt, muss auch B sagen.

Hochmut kommt nicht weit vom Stamm.

Es ist gar nicht einfach, Sprichwörter zu finden, die auch nur zur Hälfte noch einen hohen Wiedererkennungswert aufweisen.

kunst/markt

Bei ttt am Sonntag in der ARD (Nachtrag: Sendung mittlerweile aus dem Netz entfernt) ist es ja schon Thema gewesen, jetzt greift der Spiegel es in seinem Bericht über die Londoner Kunstmesse „Frieze“ auf.

Nach dem Finanzmarkt könnte als nächstes also der Kunstmarkt zusammenbrechen. In New York City sind Galerien schon von der Schließung bedroht, weil die auch auf anderen Gebieten risikofreudigen Banker als Kundschaft in diesen unsicheren Zeiten vorerst ausbleiben. In den USA tritt dieser Effekt ohne stattliche Kulturförderung natürlich sehr schnell ein. Museen und andere Kultureinrichtungen fürchten (zurecht?) um Spenden aus der Wirtschaft.
In unserer globalisierten Welt kann der Kunstblase, wenn sie schon nicht platzt, aber weltweit schnell die Luft ausgehen. Und auch im Subventionsstaat Deutschland würde es dann vorwiegend und zuerst die Newcomer des Kunstbetriebs treffen, während die alten Hasen ihre Schäfchen schon im Trockenen haben.

Das Mitleid der Außenstehenden wird sich in überschaubaren Grenzen halten. Zu sehr ist Kunst zum Hype geworden. Aber wenn die Aussteller selbst auf der „Frieze“ davon sprechen, welche Chancen sich aus dem Blasensprung ergeben können und seine reinigende Wirkung, welche die Kunstwelt wieder schärfer zwischen echten Liebhabern und bloßen Spekulanten unterscheiden lasse, dann klingt das wie eine Litanei zwischen Beschwörung und Kabarett.

Die Kunst der Unterhaltung ist eben keine…

Es liegt wohl auch daran, daß die Hauptbetroffenen, die eigentlichen Künstler, sich jahrelang allzu bereitwillig vor diesen Karren haben spannen lassen, der jetzt dem Abgrund entgegenrast. In weiten Teilen hat sich die Kunst ihr Hofnarrentum horrend bezahlen lassen und ist damit äußerst zufrieden gewesen. Das kann sich nun böse rächen, wenn die Finanzkrise den vorherrschenden Unterhaltungsaspekt offenbart.

Ich im Netz

Das bin ich: drikkes. So heiße ich im Internet, könnte man sagen. Ich bin bei so einigen Foren, Communities, etc. unter diesem Pseudonym angemeldet. (Ich vermeide übrigens das Wort „Nickname“, weil ich mir unschlüssig bin, ob ich es so eingedeutscht deklinieren soll.)

schrittschuh

Vor einiger Zeit habe ich sozusagen meine Internetpersönlichkeit vereinheitlicht. Aus einem bunten Sammelsurium von Pseudonymen habe ich also eine drikkes-Armee geformt. Überall dort, wo dieser Name schon vergeben gewesen ist, habe ich mich abgemeldet (Wer braucht schon ebay?). Und konsequenterweise melde ich mich nirgendwo dort an, wo mir dieses Pseudonym anzunehmen nicht möglich ist. Oft liegt das an der Bereitsvergebenheit von ‚drikkes‘, denn in den allermeisten Fällen, wenn nach vollem Vor- und Nachnamen gefragt wird, reicht ‚-drik S.‘ als Realname völlig aus.

Ich benutze auch überall denselben Avatar. Auf diese Weise sollte es möglich sein, mich in jeder Community zu finden; ich muß hier also keine Endlosliste meiner Netzaktivitäten folgen lassen. Bei vielen bin ich – einem Tweet von @mspro folgend – allerdings lediglich deshalb angemeldet, damit mir dort niemand mein Pseudonym wegschnappt.