Kampf der Generationen

Ich habe sehr, sehr lange kein Wrestling mehr geschaut. Hier und da habe ich vielleicht per Headline mitbekommen, daß der Undertaker offenbar nicht totzukriegen ist. Ansonsten kenne ich aus diesem Jahrtausend genau einen Namen: John Cena.

Es ist wohl eine Menge mehr passiert als ein Buchstabenwechsel von WWF zu WWE. Zu meiner Zeit liefen diese Popcornkämpfe bei Tele5 und die Helden waren Hulk Hogan, Macho Man Randy Savage, Ultimate Warrior und Bret Hart. Es gab so ambivalente Gestalten wie Rick Flair und Mr. Perfect. Und klare Bösewichte wie Bam Bam Bigelow, IRS, Razor Ramon oder die Nasty Boys.

Und jetzt sowas. Nach Twitterer BossMoz handelt es sich bei Daniel Bryan aus den beiden Videos oben allerdings um einen „bad guy“. Seine Figut ist definitiv nicht als Sympathieträger mit Identifikationspotential angelegt. Was einen zu der Frage bringt, was für ein ignoranter Trump-Fan der gemeine Wrestling-Liebhaber wohl ist.

Wenn einer sagt „Da bin ich ganz bei Dir“, dann fang‘ ich an zu rennen.

Ich habe keine Ahnung, ob Silvio Lorusso den Begriff „cognitariat“ selbst erfunden oder ihn von jemand anders übernommen hat. So oder so ist sein Essay What Design Can’t Do jedenfalls lesenswert. Daraus:

We must admit that design schools contribute to populating this creative underclass. So I think it makes sense to talk about design schools as precarity factories.

Kurzer Reminder, dass Du nicht „irgendwas mit Medien“ machst. Du gestaltest eine Printanzeige, mit der sich ein Atomkraftwerksbetreiber greenwasht. Du konziperst eine Microsite für ein Tochterunternehmen des Nestlé-Konzerns. Du textest eine Stellenausschreibung für einen Ingenieursjob in der Waffenindustrie. Du produzierst Branded Content, damit sich ein zuckerhaltiger, vor Palmöl triefender Brotauftrich noch geschmierter verkauft. Ich wiederhole:

Du machst nicht „irgendwas mit Medien“.

Batsch!

Max Sprick fragt sich, was dieser Bachelor-Hype soll. Und wieso gerade Frauen das gucken. Er sucht also bei den „Mädels“ in seiner Timeline nach Antworten und bekommt u.a. das hier zu hören.

„Deswegen fühle ich mich auch nicht schlecht, wenn manche meinen es wäre frauenverachtend – wäre es bei der Bachelorette dann männerverachtend?“ sagt Alena. Stattdessen wolle sie sich mit ihren Mädels lieber einen coolen Abend machen.

Liest man ziemlich häufig und erscheint auch auf den ersten Blick als eine entwaffnend einfache Erklärung. Nach kurzem Nachdenken entpuppt sich diese Denke allerdings als Fehlschluß. Denn es geht dabei ja nicht um den/die Protagonisten/in, auch nicht um die Kandidaten/innen – wichtig sind hier die Zuschauer. Und sind eben bei beiden Formaten, überwiegend Zuschauerinnen.

Und für die ändert sich auch unter umgekehrten Geschlechtervorzeichen sowie mit noch soviel (behaupteter) ironischer Distanz nicht das allzu altbekannte Grundprinzip „heterosexueller Traumprinz/Traumprinzessin“.

Cooler Abend, cooles Life.