Nimrod Reloaded

In der Horizont schreibt Alexander Rehm darüber, warum Marken eine Corporate Language brauchen. Er tut das sicherlich ganz uneigennützig – nicht um auf die Dienste des vom ihm gegründeten Corporate Language Instituts hinzuweisen.

Schon damals in Babel wollten die Leute einen Turm bis in den Himmel bauen, um ein deutliches Zeichen für ihre Fähigkeiten zu setzen. Und das haben sie nur nicht geschafft, weil sie nicht dieselbe Sprache gesprochen haben.

Das kann man schon nicht mehr Fehlauslegung nennen, das ist wahrlich eine Verbiegung mythologisch gesicherter Tatbestände. Nach meinem Wissensstand geht die Sage laut Bibel so: Die sprichwörtlich gewordene „babylonische Sprachverwirrung“ war nicht der Grund für das Scheitern des Projekts, sondern Gottes Strafe für dessen Durchführung. Denn was für die einen ein Zeichen menschlischer Fähigkeiten darstellt, ist für den anderen einfach nur blasphemische Hochmütigkeit.

Die Rückinterpretation auf das anmaßende Markenbilds des Herrn Rehm mag jeder selbst ziehen.

For Successful Advertising

The Drum mit einem Feature über die Marke Diesel und die Werbephilosophie ihres Gründers. Er sagt dabei viel Richtiges wie:

“You could really push push push with brand brand brand and product product product but that was never where I wanted to go. If you receive all this push, [the customer] becomes a victim. I wanted them to know they had intelligence and they can be free to think about what they like and prefer,” Rosso recalls.

Ich selbst habe in den 90ern mal eine Sonnenbrille dieser Marke besessen, ansonsten da aber die Finger von gelassen. Ich glaube, weil zu viele dieses Irokesenshirt hatten. Dabei hat mir die Werbung selbst meist sehr gefallen. Sie ist vielleicht mit ein Grund, wieso ich in dieser Branche gelandet bin. Aber nicht die Erklärung dafür, weshalb ich seit beinahe 15 Jahren ausschließlich Diesel-Jeans trage.

Was mache ich hier eigentlich?

Via kottke.org auf den Text Back to the Blog von Dan Cohen aufmerksam geworden.

The salad days of “blog to reflect, tweet to connect” are gone. Long gone. Over the last year, especially, it has seemed much more like “blog to write, tweet to fight.”

Hier auf drikkes.com war früher auch mehr los. Das ist auch okay so, aber natürlich ein bißchen schade. Wegschmeißen kann ich das alles auch nicht, obwohl ich den im Vergleich zum Blog von Berufs wegen wichtigeren Teil – die Arbeitsproben – nicht nur in letzter Zeit ziemlich vernächlässigt habe.

Jetzt, wo alle mehr oder weniger panisch am DSGVO rumhampeln, überlegt man dann doch ein zweites Mal. Und kommt natürlich trotzdem zu keinem Ergebnis. Also lasse ich hier erstmal alles so, wie es ist.

Dropshop

Ich weiß es ja auch nicht. Wie Marcus gesagt hat, ist die Bandbreite an Reaktionen auf dieses kleine Demo-Video von Dent Reality ziemlich groß. Nach Eigenaussage „is“ die Firma „building simple tools that make it easy for retailers to integrate incredible AR experiences into their own apps … Our simple-to-use web tools allow you to provide store layouts and product info, then customise the AR experience to suit your brand.“

Während die eine Hälfte der Replies – gerne verlinkt auf diese mittlerweile zwei Jahre alte Videoeskalation – das weitere Zumüllen einer gefühlten Öffentlichkeitsebene beklagt, bewundert die andere die praktible Umsetzung dieser als ungemein hilfreich empundenen Shop-Navi. Wieder andere nehmen die AR-Demo zum Anlaß, um den baldigen Tod des gesamten stationären Einzelhandels zu proklamieren, den auch solche technischen Spielereien nur bedingt zu verlangsamen in der Lage sein werden.1

Etikett lesen, Zusatzinfos geben, Weg weisen – alles okay. Brennpunkt ist Folgendes: Nachdem die App das Hühnerfleisch erkannt hat, empfiehlt sie eine dazu passende Soße. Bei all den verschiedenen Reaktionen und Rückfragen darauf fehlt mir allerdings eine entscheidende: Wer kauft so ein? Selbst, wenn man nicht den Hauch einer Ahnung vom Kochen hat oder seine Inspiration ausgerechnet vom Laden abhängig machen möchte: Ich kenne niemanden, der in einem Supermarkt geht, um dort einzig die Zutaten für das heutige Abendessen zu kaufen.

Wie gut die Regale auch sortiert sein mögen; ein Wochenendeinkauf auf diese Art würde bestimmt doppelt so lange dauern, weil man nur zwischen den verschiedenen Gängen herumrennen würde, statt entlang einer Idealroute alles nacheinander in den Korb zu werfen. Echt nützlich ist anders.

via GIPHY

Aber wer weiß, auf welche Art diese AR-Technik später mal Verwendung finden wird. Angezeigt bekommen werden wir es wohl nicht, geschweige denn voraussehen.

Eames Mag

Sehr nice gebaut von Enso. Paralax heißt ja jetzt Scrollitelling, aber das sieht sowohl am Desktop, als auch mobile schick aus. Und eine blätterbare Embed-Funktion gibt es auch. Empfehlung ist aber definitiv der Klick auf den Link oben.

http://enso.readymag.com/843291

Das Tool dazu liefert Readymag. Muß ich auch einmal ausprobieren, sobald mir der richtige Content dafür vor die Flinte fliegt. (Und mal gucken, wie das dann im RSS-Reader ankommt.)