very on brand

Für linke Adbuster ergibt sich eine weitere Herausforderung: Die PR-Experten großer Konzerne oder Institutionen reagieren mittlerweile betont gelassen auf die Verfremdungen ihrer Kampagnen. Bundeswehr-Oberstleutnant Marcel Bohnert beispielsweise, ehemals Projektleiter der Bundeswehr-Webserien, sammelt auf seinem Instagram-Account regelmäßig Bilder von Werbetafeln, die von Militärgegnern verändert wurden. »Danke für die Plakatumgestaltung ihr Scherzkekse – damit verschafft ihr uns eine Menge zusätzlicher Aufmerksamkeit«, schreibt er dann.

Wie Adbuster mit einem Sechskantschlüssel die Stadt erobern – Supernova

Ja, der Streisand-Effekt hat sich mittlerweile bis zum allerletzten Kommunikationshansel rumgesprochen. Aber „Even bad news are good news“ ist nur eine Seite. Aktionen wie der AfDventskalender zielen nicht nur auf die Wahrnehmung durch die Allgemeinheit, hoffen auf die multiplikatorische Verbreitung als Photos im Netz. Haben sie einmal die Wahrnehmung einer größeren oder auch nur bestimmten Öffentlichkeit erreicht, sollen sie auch als Hebel dienen, den Firmen und Marken Haltungsbekenntnisse abzuringen.

Spätestens da hätte man sich als Brand wohl gerne früher mit einem passenden Purpose beschäftigt.

Now reading: Trust Me, I’m Lying: Confessions of a Media Manipulator

die »MeToo-Koreanerinnen«

Neues Deutschland berichtet über Proteste, welche der letzte Hornbach-Spot ausgelöst hat: Als ob sie Schweiß alter Männer geil fänden.

Stattdessen demonstrierten nach Angaben der »MeToo-Koreanerinnen« in den letzten Wochen insgesamt 21 Frauen 15 Stunden vor Filialen des Baumarkts, etwa in Berlin-Neukölln, und wiesen Vorbeilaufende auf die Diskriminierung hin.

So sehr ich in der Sache – selbstverständlich ist der Spot rassistisch – auch zustimme: Wieso muß sich Werbekritik von außerhalb der Branche immer derart daneben anhören? Werden nur die ungelenksten Formulierer für dieses Thema abgestellt oder geht jeder dieser Artikel noch durch eine stalinistische Gesinnungsprüfung? Und in der Überschrift hat ND das „weiß“ vergessen.

Wahrscheinlich liegt es daran, daß z.B. Baumarktpressesprecherinnen noch größeren Bullshit verzapfen:

Dass wir uns für eine fiktive asiatische Stadt als Schauplatz entschieden haben, hat einen einfachen Hintergrund: Um die möglichen Folgen einer weiteren Verstädterung zu zeigen, spielt der Spot in der Region mit der größten Hochhäuserdichte.

Unter dem Menüpunkt Fähnchen-im-Wind Aktuelles entblödet sich Hornbach auch nicht, eine Unterseite namens Unsere Haltung einzurichten. Ist es denn wirklich so schwierig, uneingeschränkt einzugestehen „Dieses Mal haben wir Scheiße gebaut. Sorry“?

Abonnierenschaden

Ich halte Paywalls für einen großen Segen, ihr Wert für die Menschheit ist nicht zu überschätzen. Diese ganze unsägliche Diskussion über Filterbubbles wäre ohne den Irrweg, einfach Gratis-Content ins Internet zu kippen, niemals geführt worden.

Ich sehne mich dem Tag entgegen, an dem man nicht mehr alles gesehen und gelesen haben muß. Früher hatte man die seiner PeerGroup und den eigenen Interessen nächstgelegene Tageszeitung abonniert, ab und an ein paar Magazine gekauft. Und als vernünftiger Mensch seinen Büchergeschmack gerade am Anti-Mainstream ausgerichtet. Soweit zu den Lesegewöhnlichkeiten.

Gucken war anders: Wenn etwas Interessantes im TV lief, dann war das auch früher schon Talk of the Town – so wie jetzt auch Serien. Kino ist da nicht mehr der Vorreiter, aber adressiert immer noch die große Masse. Insofern hinkt der Vergleich natürlich nicht nur etwas.

Das wollte ich nur kurz anmerken, bevor ich die Artikel in der NZZ lese „Paywalls: Schaden sie der Demokratie?“ Ich sehe es prinzipiell eigentlich nicht ein, daß ein wenig Distinktionsgewinn hier und etwas Elitebildung da gleich demokratiezersetzend sein sollen, aber nun gut…

Da schreit doch bei Opernsubventionen auch kaum einer nach. Aber Musik ist ja sowieso egal geworden.

Mach’s gut, Dirk

Ich war nie ein Mavericks-Fan. Und Banken mag ich sowieso nicht. Trotzdem ist Dirk Nowitzki mir immer sympathisch gewesen. Anläßlich seines Karriereendes vermelden w&v und Horizont eine Abschieds-„Kampagne“ (?) von einer Accenture-Agentur für DAZN. Also dieses Filmchen.

Peinlicher Offsprecher. Kein echtes Tribute, weil alles vor „Werbung“ trieft. Zugegeben, der Hashtag #ALL41 ist gut. Aber für alles andere gilt: Sein Verein zeigt, wie man so etwas richtig macht.

PS: Wenn das alles ist, ING – sehr schwach.