*löscht alle wortspielerischen Headline-Ideen mit „Snap“ statt „Schnapp“ zum Glück wieder, bevor er auf „Publish“ klickt*

Seit einem Jahr nutze ich Instagram nicht mehr. Mir fehlte die chronologische Timeline. Und die nervige Werbung wurde auch immer mehr. Nach 1000 Bildern war am 21. Mai 2016 für mich Schluß. Also schon ein paar Monate, bevor die Facebook-Tochter mit Stories zum Snapchat-Klon wurde.

Genau dieses Feature steht jetzt auch im Mittelpunkt der von Wieden+Kennedy Amsterdam entwickelten Kampagne für Instagram. Ein bis zwei Motive sind halbwegs witzig, aber das meiste ist eher geht so. Die Filmchen wirken auf jeden Fall besser als die statischen OOH-Motive, die man in den vergangen Wochen auf innerstädtischen CLPs zu sehen bekommen hat.

Wer hierzulande allerdings auf die Idee gekommen ist, den internationalen Claim „Stories are everywhere“ auf deutsch mit „Jede Story zählt“ zu übersetzen, der kann sich im Beraterkeller die goldene Adaptionsklobürste abholen gehen.

Ich wäre das ja insgesamt etwas mutiger angegangen. Aber kaum bastelt man was, ändert Snapchat ein paar Tage später das Design.

Add me.

Samsung in Neon

(Edit: Nicht mehr ganz so) Neulich auf dem Klo in der April-Ausgabe der NEON geblättert und etwas stutzig geworden. Wenn Sie Ihr Augenmerk bitte auf den rechten Teil der aufgeschlagenen Doppelseite richten würden.

Wie es wirklich aussah

Erkennt man, das über der Abbildung des Smartphones etwas ausgestanzt ist? Warum sehe ich durch das Loch die halbe Spalte eines Textabsatzes und eine angeschnittene Katze? Komischer Teaser. Trotzdem mal umblättern.

Seite 52/53

Viel roter Arm. Das kann es auch nicht sein. Dann ist es mir aufgefallen: Die Seite mit dem Smartphone drauf rausgerissen, umgedreht und andersrum wieder reingelegt. Voila, so ergibt diese mehrseitige Werbeanzeige dann doch wieder Sinn. Also zumindest ein bißchen (mehr). (Edit: Falls die Verwirrung zu groß ist – das obige Bild zeigt das „Nachher“.)

Wie es aussehen sollte

Solche Fails interessieren wohl nur einen Berufskränkelnden, die meisten anderen fliegen – noch nicht einmal irritiert, weil unbemerkt – sofort drüber weg. Ich würde schon gerne erfahren, wer da Mist gebaut hat. Die Agentur falsch angeliefert, der Verlag nicht drübergeschaut, die Druckerei Dateien vertauscht? Wahrscheinlich schieben sich alle Beteiligten nun Mitte Mai immer noch gegenseitig die Schuld zu.

Notes KW 19/17

Nachklapper zur rp17: Von dieser Sache habe ich erstaunlich wenig mitbekommen.

Ein Teil des Publikums findet sich nicht mehr wieder zwischen Google-Ständen, Marketing-Getöse, Mercedessternen und einer Bundeswehr, die ihre Rekrutierungspropaganda auf der Konferenz abfeiern darf. Zugleich sind diese Leute irritiert über ein Publikum, das in Teilen so unkritisch ist, dass das Protestschild-Design der ganzen Konferenz nur noch als schöne Deko wahrgenommen wird, vor deren Hintergrund man hübsche Instagram-Bilder machen kann.

Konfetti gegen die Bundeswehr… und warum die re:publica eine Chance verpasst hat | Metronaut.de

Den Talk von Maciej Ceglowski muß ich nach diesem SZ-Artikel nicht mehr nachschauen. Während ich diese Linkliste hier zusammenstelle, läuft im Hintergrund Felix Schwenzels Vortrag. Muß ich sonst noch was nachholen? Lobo, Brown?

Steven Spielberg fand die Technologie so toll, dass er als Supercomputer in seinem Film Jurassic Park eine Connection Machine vorsah, obwohl es sich in dem zugrundeliegenden Roman von Michael Crichton um einen Cray-Supercomputer handelt.

Wurstförmige Hypercomputer | Technology Review

Wir wollen, dass Roboter wie Menschen denken und dass Menschen wie Maschinen arbeiten.

Apokalypse jetzt: Sollen wir uns vor Robotern sorgen? – derStandard.at › Kultur

Böhmermann macht nicht nur Fernsehen, sondern auch Internet. Jede seiner Sendungen hat einen Hashtag der Woche, damit die Zuschauer über sie twittern können. Böhmermanns Tweets werden hundert-, manchmal tausendfach geliked und geteilt, seine YouTube-Videos millionenfach angeschaut. Böhmermann klickt sich gut. Und von diesen Klicks wollen die Onlineredaktionen etwas abhaben.

Jede Woche wieder: Medienberichte über Jan Böhmermann – taz.de scheint irgendwie verpasst zu haben, daß weite Teile der Klatschpresse aus nichts anderem mehr bestehen als der Kommentierung von Kim Kardashians Instapics.

Women are more likely to be in the role of victims- “she screams”, “she cries”, or “she pleads.” Men tend to be the aggressor: “he kidnaps” or “he beats”. Not all male-oriented terms are negative- many, like “he saves”/”he rescues” are distinctly positive- but almost all are active rather than receptive.

Gender and verbs across 100,000 stories: a tidy analysis

Oft dämpfen die Metadaten die Wucht eines Bilds, betten es ein in die Oberflächen der Archivsoftware wie in vergoldete barocke Rahmen.

Melancholie der Bilddatenbank | Günther Hack

Berlin erinnert mich jetzt oft an einen aufgeregten, unsicheren Typen, der nach dem Sex gerne fragt: Und, wie war ich? Weltniveau?

Leo & Gutsch: Hipster-Orgasmen am Hostel-Strich

Screenshots & Zitate

Falls Ihr BOBBY&CARL nicht kennt, eins vorweg: It’s „a joint venture between thyssenkrupp and the agency group thjnk, combining the communication needs of a large multinational with the communication expertise of every type.“ Soweit die Selbstbeschreibung auf ihrer Website. Von dort stammen auch sämtliche Screenshots in diesem Post.

Die Wikipedia schreibt: „thyssenkrupp ist auch ein großer Waffenhersteller. Der Umsatz mit Rüstungsgütern – vor allem U-Boote und Marineschiffe – belief sich 2012 auf 1,5 Milliarden Dollar.“

Wir reden hier nicht über die bekannten Luxusreisen, Schienenskandale und wiederholten Kartellprobleme. Wir reden über Waffen.

Und da schreckt thyssenkrupp auch nicht vor Kungeleien mit Erdogan zurück, um ein paar U-Boote mehr zu verkaufen. Wie ein Manager dieser Firma auch nur einen einzigen Augenblick glauben konnte, er bekäme als Waffenhändler einen Friedenspreis verliehen, ist mir schleierhaft.

Wie man an den markigen Worten von Bobby & Carl sieht, macht sich das Agentur-JointVenture dahingehend keinerlei Illusionen. Soll man dessen Ehrlichkeit jetzt loben? Sie nötigt mir immerhin Respekt ab. Zum ersten Mal denke ich allerdings bei einer dieser in Mode gekommenen customized agencies nicht: Das ist die Kröte, eine Kreativschmiede schlucken muss – sich im Austausch für wirtschaftliche Planbarkeit und Sicherheit, um den Kunden enger an sich zu binden, teilweise zu einer ausgelagerten Marketingabteilung zu degradieren. Oder vielleicht wird manchmal so die branchenübliche Vertragsklausel ‚Konkurrenzauftragsausschluß‘ umgangen, bestenfalls.

Stattdessen denke ich erstmals: Da will sich jemand nicht die Finger schmutzig machen. Was wahrscheinlich nicht stimmt. Wer beispielsweise liefert Audi Stahl? Es drängt sich trotzdem auf.

Als Karen Heumann noch nicht Geschäftsführerin und Sprecherin des Vorstandes bei thjnk gewesen ist, hat sie der Zeit ein Videointerview gegeben. Ab 01min 08sek hört man da ihre Antwort auf die Frage: Gibt es Unternehmen oder Institutionen, für die sie nicht arbeiten würden?

„Ja, und das ist innerhalb der Agentur, in der ich jetzt arbeite, Jung von Matt, auch so, daß man sowieso nicht für Dinge, Menschen, Services und so weiter arbeiten muß, wenn man es nicht will. Also es gibt bei uns Teams oder Leute, die sagen ‚Ich arbeite nicht für Zigarette oder ich arbeite nicht für irgendjemanden, der in irgendeiner Form Kriegsrüstzeug herstellt.‘ Das mal grundsätzlich, d.h. jeder hat bei uns die Freiheit zu sagen ‚Das mache ich nicht.‘ Und da wird auch nicht lange diskutiert, das wird dann auch akzeptiert. Grundsätzlich arbeiten wir nicht für politische Parteien und nicht für Rüstungsindustrie.“

„Alles Große beginnt mit einem freien Gedanken.“ schreiben die deutschen Großwerber Trautmann, Jochum, Heumann anläßlich der Gründung von thjnk 2012 großspurig. Wo soll das nur hinführen?

#rp17

So aus der Ferne betrachtend kann ich immer nur kurze Blicke in die Timeline werfen.

Meine diesjährige re:publica passt bisher also gut und bequem in zwei Tweets.

Vielleicht dann nächstes Mal wieder. LOL