Auf den Kopf

Meine Fingernägel wachsen sehr gleichmäßig. Die Ringfinger an beiden Händen ein klein wenig schneller als der Rest, aber das ist nicht der Rede wert. Es reicht vollkommen, wenn ich mir jedes zweite Wochenende alle zehn Nägel auf einmal stutze. Nach einer Dusche, dann sind sie weicher. Danach ist wieder für etwa 14 Tage Ruhe.

Die Fußnägel hingegen wachsen sehr unregelmäßig, geradezu durcheinander. Sie scheinen keinerlei Gesetzmäßigkeit zu gehorchen. Weder sind die Nägel beispielsweise des rechten Fußes wachstumsfreudiger als des linken, noch läßt sich verstetigt ein stärkeres Wachstum den Nägeln eines bestimmten Zehs – ob groß oder – klein zuordnen.

Der Eindruck kann natürlich daher kommen, daß ich als Computerrastaturarbeiter meine Finger sozusagen mindestens von 9to5 ständig im Blick habe, während mir als überzeugtem Schuhträger der Anblick meiner Barfüße von morgens bis abends verborgen bleibt. Da sitze ich also nach dem Zähneputzen auf dem Badewannenrand, ziehe mir die Socken aus und lasse mich quasi am Ende eines jeden Tages davon überraschen, welcher meiner Zehennägel denn heute am meisten gewachsen ist.

Früher habe ich versucht, wenn mir auch nur einer der Nägel zu lang erschien, trotzdem alle zu trimmen – eben den einen mehr, den anderen weniger. In der vagen Hoffnung, sie damit irgendwie zu einem konstanteren Wachstum erziehen zu können. War natürlich Quatsch. Jetzt nagelknipse ich sie mir eben einzeln bei Bedarf.

Air Barelin

Thema der letzten Woche:

Also vor zwei, drei Tagen oder so. Bevor sich dann Hayalis DHL-(Nicht)Zusteller als der aufmerksamkeitsversprechendere Aufreger herausgestellt hat.

Ich folge dem Béton, damit Ihr es nicht tun müßt. (Denn er kann manchmal in seiner Penetranz auch Unbetroffene wirklich nerven.)

Nicht, daß die Leute sich nicht schon früher über ihre Facebook-Status als businesskaspernde Vielflieger zu profilieren versuchten. Gerne z.B. in Kommentaren unter dem Boardingamateurgedisse von Nico Lumma oder als Reply zu Stephan Nollers Taxiüberheblichkeiten.

Was mit Medien, Teil 1000

Sascha in seiner neuesten SpOn-Kolumne Woran „die Medien“ wirklich Schuld sind über „netzgetriebene Transparenzerwartungen“.

Man erfährt selten, ob Journalisten Parteimitglieder sind, mit welcher politischen Haltung sie die Welt anschauen, was ihre eigenen Interessen sein mögen. Das war in der Massenmediengesellschaft des 20. Jahrhunderts normal, aber inzwischen ist diese Lücke im öffentlichen Wissen – welche Interessen hat der Überbringer der Botschaft selbst? – zu einer schreienden Leerstelle geworden.

Daß die Rezipienten dieses Erklärungsvakuum mit ihren eigenen Vermutungen füllen, liegt doch zu einem nicht unerheblichen Teil an der selbstgemachten Austauschbarkeit redaktioneller Medienangebote. Früher beispielsweise sind Schreiber nicht direkt von der taz zur Welt gewechelt; die Springerpresse ist der Feind gewesen, mit dem man sich niemals gemein gemacht hätte.

Mit dem Verlagsziel, die Festkosten möglichst gering zu halten, hat man die Redaktionen verschlankt und greift bei Bedarf gerne auf Freie zurück. Journalisten arbeiten heute beim Spiegel und morgen bei der Zeit. Alte Grabenkämpfe verflachen zusehends, auch weil nicht mehr entlang einer Haltung geschrieben wird, sondern dem Marktpotenzial hinterher. Wenn es der Expansionshoffnung dient, dann wird die einst stramm wirtschaftsliberale NZZ eben rechtskonservativer.

Schön einig sind sich alle z.B. in ihren Sportteilen über die abscheuliche Kommerzialisierung der Bundesliga. Nee, nee – daß ein Andi Möller von Dortmund zu Schalke gewechselt ist, das geht gar nicht. Ausländische Vereinsinvestoren und erst die aus den Fugen geratenen Ablösesummen. Finden besorgte Bürger übrigens auch.

Ich habe den Artikel selbst – Goodbye Gatekeepers auf Stratechery – nicht gelesen. Ben Thompson verfolgt sicher hehre Absichten, wenn er herausarbeitet, wie Hollywoods Studio/Producer-System einem Mißbrauchsmonster wie Harvey Weinstein in die Hände spielt. Wenn Felix und Marcel Goodbye Gatekeepers den Text beide erwähnen, dann sollte ich es vielleicht tun. Begnüge mich aber vorerst mit einigen Anmerkungen zu Marcels Ausführungen.

Der Hinweis auf Journalismus, dem Werbeeinnahmen (und damit Geldgeber von Unternehmensseite) immer weniger bedeuten, ist sicherlich richtig. Aber „macht es die Publikation in jeder Hinsicht unabhängiger“, wirklich? Wenn Marcel – zurecht – einen Bedeutungsverlust der Massenmedien beschreibt, während Sascha einen Mediennihilismus angesichts ihrer Allgegenwärtigkeit diagnostiziert, dann gibt es dafür doch sicherlich einen Grund.

Die Gatekeeper sind tot. Lang leben die Gatekeeper!

Während der deutsche Privatwirtschaftsjournalismus off- sowie online auf die Öffentlich-Rechtlichen als „Staatsfunk“ einprügelt, werden die Probleme an andere Stelle ja nicht weniger:
Technik kann uns keine Welt ohne Arschlöcher erschaffen | WIRED Germany
Facebook and Google Helped Anti-Refugee Campaign in Swing States | Bloomberg
Versuch der anonymen Einflussnahme auf Bundestagswahl | Süddeutsche.de

Was besonders Marcel verschweigt: Damit aus Netzwerkeffekten eine relevante Öffentlichkeit entsteht, braucht es Bühnen. Und Online-Plattformen sind die neuen Stagekeeper. Etwas absurd wirkt es am Ende, wenn der als Internetexperte sein Geld Verdienende auf die Befangenheit der etablierten Berichterstattung beim Thema Medien hiweist.

Ironischerweise verlinkt Felix im Post einen Text darüber, Why Futurism Has a Cultural Blindspot.

Primarsch

Wenn Deutschland-Chef Wolfgang Krogmann etwas persönlich vermittelt, dann sieht das so aus.

Er habe persönlich auch „keinen Sinn für Wegwerfmentalität“, meint der Manager. „Ich kann nicht verstehen, dass man einfach Dinge wegschmeißt. Ich bin anders groß geworden.“ Das vermittle er auch seinen Kindern.

Blöd nur, wenn die Strategie der eigenen Firma dem allerarschoffensichtlichstens diametral entgegensteht.