Batsch!

Max Sprick fragt sich, was dieser Bachelor-Hype soll. Und wieso gerade Frauen das gucken. Er sucht also bei den „Mädels“ in seiner Timeline nach Antworten und bekommt u.a. das hier zu hören.

„Deswegen fühle ich mich auch nicht schlecht, wenn manche meinen es wäre frauenverachtend – wäre es bei der Bachelorette dann männerverachtend?“ sagt Alena. Stattdessen wolle sie sich mit ihren Mädels lieber einen coolen Abend machen.

Liest man ziemlich häufig und erscheint auch auf den ersten Blick als eine entwaffnend einfache Erklärung. Nach kurzem Nachdenken entpuppt sich diese Denke allerdings als Fehlschluß. Denn es geht dabei ja nicht um den/die Protagonisten/in, auch nicht um die Kandidaten/innen – wichtig sind hier die Zuschauer. Und sind eben bei beiden Formaten, überwiegend Zuschauerinnen.

Und für die ändert sich auch unter umgekehrten Geschlechtervorzeichen sowie mit noch soviel (behaupteter) ironischer Distanz nicht das allzu altbekannte Grundprinzip „heterosexueller Traumprinz/Traumprinzessin“.

Cooler Abend, cooles Life.

Für die Pest im Mann

Nach den Wellen, die das KretzschmarInterview über angeblich nicht (mehr) existente Meinungsfreiheit geschlagen hat, macht die BILD heute ganz groß auf mit einer Debatte: Darf man nicht mehr sagen, was man denkt? Es kommen Promis, Experten und Bürger zu Wort. Wohl eher, um die sozialpolitischen Agenda des Springer-Blattes abzustecken, denn als ein echtes Abbild der Gesellschaft zu zeigen.

Was man aus den meisten Stimmen so als Kanon herausliest: Man kann wohl (noch?) seine Meinung sagen, aber wenn sie nicht „dem Mainstream“ entspricht, dann muß man eben auch mit dem Gegenwind leben. Können. Und was diesen Mainstream ausmacht, davon hat jeder seine eigene Vorstellung. Im Falle der Bild ist das linksversifftes Gutmenschentum, daran lässt das Setting und die einzelnen Wortmeldungen zusammen mit der Stoßrichtung der anlassgebenden Äußerungen Kretzschmars kein Zweifel.

Wer nicht ausnahmslos sämtliche Refugees willkommen heißt, dem Islam nicht in verauseilendem Gehorsam entgegenkommt, vielleicht noch Vorbehalte gegenüber der Gleichstellung von Homosexuellen hegt, der landet nach dieser konservativen Lesart unweigerlich im gesellschaftlichen Abseits. Da wird in einem hanebüchenen Umkehrschluß plötzlich Zensur, Ausgegrenzung, ja Ächtung herbeiphantasiert. Immer schön mit dem Zusatz: „Ausgeübt gerade von denen, die sonst immer von Toleranz reden!“

Wie die Wirlichkeit aussieht, zeigt ein aktueller Werbefilm der Marke Gillette. Dieser spicht sich gegen offensiv Mobbing und Sexismus aus – was könnte man(n) dagegenhaben?

Veröffentlicht vor zwei Tagen, ist das Video bis jetzt bei 2,633,479 Views sage und schreibe 235,000 mal mit einem Daumen nach unten bewertet worden – ungefähr 9mal so oft wie die positiven Bewertungen. In vielen, vielen Kommentaren auf YouTube, aber auch in Posts auf Facebook und Twitter fürchten Menschen um ihre Männlichkeit. Die Alt-Right dreht durch, Boykottaufrufe sind das Mindeste. Vorwürfe, das wäre „unamerikanisch“. Am liebsten würde man das ganze Unternehmen Procter & Gamble zum Teufel jagen, usw.

Warum? Weil sich jemand in aller Deutlichkeit für etwas einsetzt, das eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Wie abgefuckt muß man sein, um sich von Forderungen nach Gleichheit und Rücksichtnahme derart bedroht zu fühlen, daß die Beißreflexe kein Halten mehr kennen?

Leute, geht’s noch?!?

Böse Zungen werden behaupten, Gilette ändere seine Kommunikation nicht aus einer ehrlichen Haltung heraus, sondern aus rein wirtschaftlichen Erwägungen. Die Reflektion von #MeToo etwa spiele hierbei kaum eine Rolle, sondern eher die Tatsache, daß glattrasierte Männergesichter immer seltener werden, während mehr und mehr Frauen sich nahezu den kompletten Körper enthaaren.

Ich allerdings bezweifle, daß eine (imaginierte) Feminisierung der Hauptmarke Gilette irgendwelche groß erkennbaren Effekte auf das weibliche Venus-Sortiment abstrahlen wird. In Zeiten abstruser Auswüchse des Gender-Marketings wäre es aber immerhin mal eine abwechslungsreiche Strategie.

Für die Frage der Meinungsfreiheit sind die Beweggründe der Firma ohnehin nur zweitrangig.

Nach Diktatur verreist

SpOn vermeldet, daß es (Spoiler!) mit München und Dessau zwei deutsche Orte auf die Liste mit den diesjährigen Reisezielempfehlungen der New York Times geschafft haben.

Viel interessanter finde ich allerdings den Hinweis darauf, unter welcher Prämisse 52 Places to Go in 2019 zusammengestellt worden ist. Die Leiterin des Reiseressorts hat nämlich einen Artikel über die Entstehung der Liste verfasst, den SpOn in seiner Meldung anführt:

Die Liste bündele auch Orte, die bedroht sind… Die Redaktion habe den „Klimawandel zur Priorität“ erkoren. „Bei welchen Orten laufen wir Gefahr, sie zu verlieren?“, lautete eine der Leitfragen – wegen der globalen Erwärmung, dem steigenden Meeresspiegel und heftigeren und häufigeren Stürmen.

Das kann man sich nicht ausdenken. Erst vor einem Monat konnte man ebenfalls auf SpOn lesen, was man persönlich gegen den Klimawandel tun könne. Dort heißt es sogar groß in einer Zwischenüberschrift: „Flugreisen zerhauen die CO2-Bilanz komplett“. Und wir brauchen wohl kaum über den kausalen Zusammenhang von Treibhauseffekt und Erderwärmung zu diskutieren.

Und da wird allen Ernstes vorgeschlagen, schnell zu ein paar bedrohten Sehenswürdigkeiten zu jetten, bevor diese endgültig den zum Großteil benzingefüllten Bach runtergehen? An genau 52 Orte, damit man jedes Wochenende einen Kurztrip machen kann. Schön Kerosin ins Feuer gießen.

Erinnert natürlich stark an diese Winterlochdebatte „Grünen-Politiker im Urlaub“. Zum Symbolbild dafür wurde dieser Post von Katharina Schulze erkoren. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayrischen Landtag stellt gerne Forderungen zum Klimaschutz – allerdings ohne sich selbst einzuschränken, wie es scheint.

Schulze hat das Photo nicht gelöscht, aber die Kommentare abstellen (müssen). Für einige Tage nach Kalifornien fliegen und dort plastikverpacktes Eis essen – Shitstorm unredlich verdient, würde ich sagen.

Es wäre allerdings weit weniger schlimm, wenn es sich hierbei um einen ungeschickten Einzelausrutscher handelte. Doch dem ist beileibe nicht so, wie die Statistik zeigt. Zumindest gibt es wenig Gründe anzunehmen, diese über vier Jahre alten Zahlen (wieder SpOn) hätten sich geändert.

Zur Info: Die Verbrennung eines Liters fossilen Brennstoffs erzeugt ungefähr drei Kilogramm CO2. Richtig gelesen, das dreifache des eigenen Gewichts wird in Treibhausgas umgewandelt. Wieviel man selbst davon verschuldet, kann man beim Flight Emissions Calculator nachrechnen.

Fliegen ist zwar nach dem Beheizen einer geräumigen Altbauwohnung der mit Abstand zweitgrößte Klimakiller mit persönlicher Verantwortung, siehe oben, aber eben nicht die einzige Öko-Sünde. Neben Schulzes Photo gab es zum Jahresende einen weiteren Shitstorm in den sozialen Medien, bei dem sich meiner nicht ganz so völlig subjektiven Einschätzung zufolge am meisten diejenigen über diesen Tweet auf, die regelmäßig zum Relaxen nach Südostasien jetten und mehrmals pro Jahr für Citytrips durch Europa düsen. Es ist diese spezielle Blase, die gerne über die Ewiggestrigkeit von allem außer Onlinehandel und Elektroautos spricht, während die Realität so aussieht.

Es ist natürlich wahr, die angesprochenen Streitpunkte stehen für mehr als Umweltverschmutzung. Es geht auch um Verkehrstote und Tierquälerei – während ein Thailandurlaub lediglich Kinderficker quersubventioniert.

Ich fürchte, in zwanzig Jahren auch so ein unverstanden gefühlter Alterweißermann zu werden. Aber wenigstens kann ich dann so ignorant sein, Euch dafür die Schuld zu geben.

Die Welt retten wollen, aber nicht bei sich selbst anfangen. Man steht ja über den Dingen. So wie Al Gore durch die ganze Welt fliegen, um überall Vorträge über Umweltverschmutzung zu halten. Das ist nicht witzig. Weil es eben ehrlicherweise wahr ist.

Was zum Hafer!

Ella Carina Werner in ihrem Text Džafti kurafti:

Die Faustformel für einen Balkan-Fluch:
Ficken + Mutter + X.

Es mag fast 20 Jahre her sein. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich damals den Roman oder das Drehbuch gelesen habe. Aber was mir von Ragazzi di Vita in Erinnerung geblieben ist, ist das Nachwort, in dem der Übersetzer mit akademischer Trockenheit den Unterschied zwischen schwanz- bzw. fickfixierten italienischen und analzentrierten deutschen Schimpfwörtern anhand vieler Beispiele erläutert hat.