Wird auch Zeit

Aus dem leidlich selbstreflexiven Artikel „Konsum: Brauch‘ ich das?“ dreier Zeit-Redakteure. Darin finden sich noch mehr lesenswerte Sätze wie diese beiden:

Das Kaufen unnötiger Gegenstände war ja von jeher ein mystischer Akt und deshalb auch etwas fragil, kein natürlicher Impuls, sondern ein produziertes Bedürfnis, eigentlich nur möglich, solange es eben alle anderen auch taten und solange man nicht groß darüber nachdachte. Oder das Denken der Werbung überließ, die zwar jeweils nur zu einem Produkt verführen will, in der Summe aber fürs Konsumieren als solches wirbt, die täglich, sekündlich einen ökonomischen Phantomschmerz erzeugt.

Wenn man sich vor Augen führt, daß sowas ja für die eigene Leserschaft (sprich: Zielgruppe) geschrieben wird, dann passt es wieder halbwegs. Was das dann mit dem Claim der neuen neuen Claim der Zeit zu tun hat, weiß ich allerdings nicht.

Stretchlimouvergleich!

Hafti hat eine neue Vorabsingle zu seinem am 05. Juni erscheinenden ‎weißen Album draußen. „Conan x Xenia“ featured Shirin David und eine sehr lange Strechlimousine. Das eingebettete Video startet deshalb direkt bei 01:47.

Kommt Dir bekannt vor? Yo, die Idee hat Chris Cunningham schon in Aphex Twins epischem „Windowlicker“-Video gebracht. Und den Gag dort um einige Sekunden länger ausgereizt. Siehste ab 03:51.

Immerhin zeigt Regisseur Chehad Abdallah, wo er sich bedient hat: Auch in seinem Video prangt das Logo aus dem Original.

Somit geht das Ganze als hommage durch? Vielleicht ist Hafti ja auch einfach Aphex‘ Zwillingsbrudi.

Und heute so

Wie sie jetzt diese Entscheidung in Frankreich abfeiern, der Air France nur dann 7 Milliarden Euro Coronahilfe zu zahlen, wenn sie im Gegenzug auf die meisten inländischen Fluganbote verzichtet.

The ban on short-haul domestic air travel will apply to routes where trains offer a journey time of 2h 30min or less.

Im zentralistischen Frankreich bedeutet das immerhin, die Hauptstadt Paris wäre mit dem Flugzeug von Städten wie Bordeaux oder Lyon nicht mehr zu erreichen. Dieselbe Regelung für Deutschland und die ebenfalls schwer angeschlagene Lufthansa wäre auf der sicheren Seite. Außer Hamburg/Berlin und Köln/Frankfurt wäre bei unter 2,5 Stunden Bahnfahrt wohl keine Großstadtverbindung betroffen.

Klar, besser als nix. Aber zum einen ist die Regelung noch gar nicht final durch. Und zum anderen wird es natürlich trotzdem weiterhin jede Menge Flüge zwischen den erwähnten Metropolen geben. Und solange ein Bahnticket Paris-Strasbourg viel teurer als ein Flugticket Paris-München ist, lässt man den Anschlußflug eben einfach verfallen. Die Airlines werden auch aus diesem System noch ihren Vorteil zu ziehen wissen.

Suck my Deck

Der nächste Präsenpost. Diesmal geht es nicht vorrangig um das Testen eines Tools zur Erstellung1 von Präsentationen, sondern um ihre Veröffentlichung im Netz. Die Seite muß ganz schick aussehen, alle meine Präsen unter einem Profil versammeln und über eine Embed-Funktion verfügen, das sind die Mindestanforderungen gewesen.

Slideshare ist da wohl immer noch der Platzhirsch, wirkt aber mittlerweile wie ein Friedhof. Anderes ist zu kompliziert zu bedienen oder mutet zu nischig an. Accessibility is king. Letztendlich bin ich also wieder bei SpeakerDeck gelandet. Soviel zum technischen Teil, kommen wir zum Inhalt.

Wobei das eine vom anderen doch recht schwer zu trennen ist, wie der Blogpost „Why we should end the tyranny of the slide“ einer BBH-Strategin zu zeigen versucht. Lesenswert, auch wenn ich nicht mit allem darin übereinstimme. Ich bin mehr der praktikable Typ. Trotzdem habe ich aus diesem Post nicht nur die obige Headline geklaut, aus ihm stammt auch folgendes Zitat:

Think of all the best speeches you’ve ever heard. I bet not a single one of them used PowerPoint. In fact, rendering famous speeches into PowerPoint can produce some pretty silly results.

Das wollen wir doch mal sehen.

Seine Rede

Es gab mal das Projekt, Bücher in Magazinform neu herauszubringen. War eine ganz witzige Idee, das hatte ja nicht nur mit Style zu tun, auch mit alternativen Vertriebswegen. Also habe ich einfach berühmte Reden genommen und die ihnen zu Grunde liegenden Textmanuskripte auf Präsenslides verteilt.

Das sind dann natürlich keine Präsentationen im eigentlichen Sinne, sondern Leseversionen dieser Reden. Kein guter Redner würde seine Präse so gestalten – bilden sie doch einfach 1:1 das Gesagte ab. Insofern sind sie auch kein Gegenargument zu Alice Walkers Kritik an „PowerPoint Thinking“. Sie gießen lediglich den Inhalt in eine andere Form.

Was auch gut als Veranschaulichung dienen kann, daß es die PowerPoint nicht gibt. Auch in meinem Job bräuchte ich eigentlich jede Präsentation in zweifacher Ausführung: Die erste läuft pointiert und unterstützend synchron zur gesprochenen Vorstellung ab, eine zweite wird danach in aller Ausführlichkeit verschickt. Wer weiß, wem die Datei nach der eigentlichen Präsentation noch zugespielt wird. Als spätere Entscheidungsgrundlage muß das Ding selbsterklärend sein und auch ohne begleitende Tonspur funktionieren.

Englische Reden von Churchill bis MLK, die mir in den Sinn kamen, schienen mir ziemlich durchgenudelt. Weshalb ich „Seine Rede“ als Reihe auf Deutschsprachiges beschränke. Weitere Ausgaben könnten sein:

  • Roman Herzogs Ruckrede
  • Göbbels Sportpalastrede
  • Martin Walsers Paulskirchenrede

Allerdings habe ich die ersten beiden quasi so nebenbei in einer ausgangsbeschränkten Urlaubswoche zusammengezimmert. Ich kann also nicht mit sicherheit sagen, ob es noch weitere Teile geben wird.