chance 2008 – vertan

Bereits gestern auf der westen.de/ gelesen, aber erst heute Zeit gefunden, darüber zu bloggen.

Die Bewerbung von Christoph Schlingensief im Team mit Armin Petras um die Intendanz am Bochumer Schauspielhaus ist jedenfalls bisher völlig an mir vorbeigegangen. Vor ein paar Tagen habe ich irgendwo gelesen, daß die Entscheidung für Anselm Weber als Nachfolger von Elmar Goerden gefallen zu sein scheint (hier der Artikel auf ruhrnachrichten.de/).

Unglaublich, was für eine Chance sich die Stadt Bochum da hat entgehen lassen! Ich bin nie ein Goerden-Fan gewesen, aber Weber ist alles andere als eine gute Lösung. Kann den Äußerungen Schlingensiefs in dem oben verlinkten Interview nur zustimmen.

Was für eine Provinzposse!

Das ganze sieht für mich aus wie eine Ruhrpottkungelei und erinnert mich sehr an den FC Bayern München, der direkten Ligakonkurrenten die Spieler wegkauft und meint, mit dieser Taktik in der europäischen Spitzenklasse mithalten zu können. Wie man sieht, läuft das so nicht.
Ich rege mich wirklich auf; zu Zeiten von Haußmann und teilweise noch Hartmann bin ich sehr gerne ins Bochumer Schauspielhaus gegangen. Aber ich wohne da ja (zum Glück) nicht mehr.

the mighty failwhale

Wer keinen Vogel hat, der werfe das erste Byte.

Wer keinen Vogel hat, der werfe das erste Byte.

Es hat sich ja schon länger herumgesprochen, daß twitter.com der heiße Scheiß im Internet ist, verkörpert die Microblogging-Plattform doch wie keine andere alles, was das sogenannte Web 2.0 ausmacht. Vielleicht mit dem entscheidenden Unterschied, daß dieser heiße Scheiß einfach nicht abkühlen will. Twitter ist ein echtes Phänomen.

Es sind nur 140 Zeichen – und Wunder

Da braucht man natürlich nicht lange zu warten, bis die ersten Trittbrettfahrer auftauchen. Über Abklatschen wie identi.ca oder bleeper.de ist an anderen Stellen sicher schon ausführlich rumgeritten worden. Für Webdienste rund um Twitter selbst schaue sich der interessierte Leser einfach bei twitterdings.de um; hier wird regelmäßig über Neues gebloggt, da ist mitunter Brauchbares zu entdecken.

Sogar ein Buch über Twitter ist schon geschrieben und wird demnächst erscheinen. Ich werde es nicht lesen. Denn es scheint mir so, als solle es größtenteils dazu dienen, ein paar Propagandatipps zu geben – sei es zur reinen Selbstvermarktung oder gleich als Ratgeber, wie Firmen von Twitter profitieren können. Mir geht ja schon ersteres auf Zeiger: Es gibt kaum nervigere Leute als diejenigen, die nahezu ausschließlich Links zu ihren neuesten Blogeinträgen twittern und sich ansonsten auf die namentliche Begrüßung ihrer neuen Follower beschränken (Kundenbindung!).

Aber wie immer geht es noch blöder: Was bitte soll ich von mrtweet.net halten, der seine Dienstleistung auf der eigenen Website wie folgt anpreist: „Kick ass features that make you productive and smart!“ Da kann man doch gleich zu xing.com gehen.
Den Zwitschervogel schießt allerdings be-a-magpie.com ab. Leute sollen Werbung twittern, um damit Geld zu verdienen. Wer will das lesen? Benutzer werden zumindest von mir postwendend entfollowt.

Fail!

failwhale
Wenn etwas im Netz dermaßen einschlägt, dann sind die virtuellen Heuschrecken nicht weit. Wie die Onlineausgabe der Süddeutschen heute berichtet, hat der Communityriese facebook.com versucht, Twitter zu kaufen. Das aus Facebookaktien bestehende Angebot hat den beiden Twitterianern allerdings nicht zugesagt; wohl auch deshalb, weil sich über den aktuellen Wert der Anteile uneins gewesen ist.

schlag den bruce

Wenn das mal nicht ein gelungenes Viral ist: Bruce Lee spielt mit seinen Gegnern Ping-Pong, aber benutzt keinen Schläger, sondern schwingt seine unschlagbaren Chakos. Mag jemand anders die relativ willkürliche Anbindung an das eigentlich zu bewerbende Produkt (Nokia N96) bemängeln.

Das sind meiner Meinung nach nichts als Beratervorbehalte. Natürlich darf ein einzelner Spot nicht völlig konträr zum restlichen Markenimage laufen, aber ganz so verbissen sollte man das nicht sehen. Witzig bleibt witzig. Das würde ich sogar so für die TV-Werbung ebenfalls unterschreiben, aber weil man da für jede Sekunde richtig viel Geld bezahlt, kann ich es schon verstehen, wenn der Kunde dann Einspruch erhebt, wenn er lediglich im Abbinder vorkommt.
Doch selbst das würde ich als zu kurz gedacht bezeichnen. Man sollte die Wirkung von Spots, die sich deutlich vom restlichen Einheitsbrei abheben, nicht unterschätzen.

roots und wasser

Vorgestern haben The Roots im Kölner E-Werk gezeigt, wie man ein mehr als ordentliches, nämlich ein grandioses Konzert als HipHop-Band hinlegt. „2 turntables and a microphone“ ist als Konzept doch ein wenig ausgereizt und so hat sich auch ein nahezu komplett anderes Publikum als vor einer Woche zum Stelldichein eingefunden.

Gitarrist, der nebenbei auch stimmlich was hergemacht hat, und vor allem Bassist (Hammersolo!) beherrschen ihre Instrumente, das hat man gesehen. ?uestlove ist und bleibt der lässigste Trommler in history. Aber der eigentliche Star des Abends ist (ja, richtig gelesen) der Tuba-Spieler – auf dem Photo leider nur schwer zu erkennen.

The Roots live

The Roots live

Bis auf wenige Lieder hat der Mann mit einer unerschöpflich scheinenden Energie sein Instrument beackert, dessen Trichter am äußersten Ende immerhin einen geschätzten Meter umfasst hat. Dazu ist er von einem Ende der Bühne zum anderen gesprungen und hat sich dabei gerüttelt und ein geschüttelt, daß es eine Freude gewesen ist, ihm zuzusehen.
Hinzu kommt bei den Roots eine unheimliche Offenheit, was die Soundeinflüsse angeht; zwischendurch sind so einige Titel angecovert worden, als Höhepunkt des Abends ist hier sicherlich die Verwurstung eines Lieds der Guns ’n‘ Roses zu nennen.

Zum Eintragstitel:
Natürlich ist es ein Nichtraucherkonzert gewesen. Und obwohl der Mann von der Security im hinteren Hallenteil zu jeder Qualmwolke gehechtet ist, um den Verursacher zu bitten, das Rauchen zu unterlassen, ist es mir gegen Ende des Konzerts gelungen, eine ganze Zigarette inmitten von Publikum zu verblasen.
Davor hat einen das Sicherheitspersonal gezwungen, mitten im Open Air Bereich zu rauchen, also nicht geschützt in einer Ecke. Wohl gemerkt war das Wetter eine Sau – kalt, windig und nass. Hier auch das heimliche Highlight des rundum gelungenen Abends: Nachdem der Security-Mann zuerst für eine knapp bekleidete Tussi eine Ausnahme gemacht hat, sich bei den restlichen Rauchern (zugegeben: ihre Freundinnen haben zuerst lautstark gemurrt) darüber Unmut geäußert hat, ist der seine Macht demonstrieren wollende Möchtegernmacho eingeknickt und hat die Frau zu den anderen Qualmern beordert.