Kommentare 0

Tap, tap, tap.

Wegen umfassender Wartungsarbeiten an der Hohenzollernbrücke fährt mein morgendlicher Pendelzug nach Düsseldorf statt ab Hauptbahnhof ab dem Bahnhof Messe/Deutz. Ich bin mit diesem etwas nervigen Umweg natürlich nicht alleine, es betrifft viele. Und da nicht nur die Kölner, sondern auch Köln an sich gerne Sachen gemeinsam unternimmt, gesellt sich zur Wartung der Hohenzollernbrücke auch noch der Umbau der U-Bahn-Station Messe/Deutz.

20140319-081538.jpg

Darunter leidet unter anderem auch die Fußwegführung vom ICE-Gleis zur Haltestelle der Straßenbahn. Gekennzeichnet ist die baustellenbedingt geänderte Route durch gelbe, schuhsohlenähnliche Fußbodenaufkleber in der Station. Soweit ich sehen kann, lassen sich diese Floorsticker einzeln aufbringen. Und jetzt frage ich mich, was die KVB denkt, in was für einer kruden Mischung aus Trippelschrittchen und beidbeinigem Hinkegehopse sich ihre Passagiere so fortbewegen.

20140319-081723.jpg

Kommentare 1

Pest of Selfie

Das Time Magazine hat ein Selfie-Ranking mit Weltkarte erstellt. Demnach ist laut rp-online.de/ Düsseldorf die Selfie-Hauptstadt Deutschlands. Das kommt davon, wenn @karstenloh nur noch Frankfurt-Bilder knipst und nicht mehr sich selbst.

Wie 9to5mac.com/ berichtet, hat Apple in seinem Appstore eine eigene Selfie-Kategorie eingerichtet. Das ist doch sicher was für die #1 dieser Bildergalerie.

Im australischen Sydney geht man derweil andere Vermarktungswege. So ist auf augsburger-allgemeine.de/ über ein Hotel zu lesen, in welchem man einmal umsonst nächtigen kann, wenn man mehr als 10.000 Instagram-Follower aufzuweisen hat. Was der Herberge allerdings ganz klar fehlt, ist ein Restaurant mit Spiegeln an jedem Tisch, damit man sein Essen als Teil eines Selfies photographieren kann.

Kommentare 1

Oh, welch ein Freud

Man muß sich dazu John Travolta vorstellen, wie er in Saturday Night Fever über die Tanzfläche hoppelt. Nur, daß sein Gesicht so JibJab-mäßig durch das von good ol' Siggi F. ersetzt worden ist. Und der Refrain von Kool & The Gangs Ladies Night ist ebenfalls leicht geändert worden.

Oh yes, it's Penisneid.
And the feelings right.
Oh yes, it's Penisneid.
Oh, what a Neid!

Sigmund-Freud

Für diesen Ohrwurm braucht Ihr mir nicht zu danken.

Kommentare 0

Vollzeitpenis

Waren das noch Zeiten, als man sich am Telephon hat verleugnen lassen. "Der Herr Direktor ist gerade in einer Besprechung. Kann ich etwas ausrichten?" Heutzutage ruft niemand mehr an, kann Mann die Sekretärin zumindest bis rauf zum mittleren Management gleich einsparen. Gibt sich volksnah, sogar Chefs beantworten ihre Mails selbst, kurze Wege und flache Hierarchien und so.

Die Medienwelt ist davon natürlich ganz besonders betroffen, wenn sich der Primat der Contentproduktion von analog zu digital verschiebt. Die Anforderungen gerade an Schreiber ändern sich damit radikal. Exemplarisch zu sehen an der gestern rumgegangenen Stellenausschreibung für den Germany Editor at BuzzFeed in Berlin. Zu dessen Aufgaben sollen sowohl Write, edit, and produce original posts for BuzzFeed.com focused on German news and culture als auch Post BuzzFeed content to various social media sites gehören. Wie die Gewichtung dabei liegt, wird klar, wenn man sich die vollständige Liste der Vorraussetzungen für den Job anschaut:

  • 2-3 years experience writing or editing for a large website or other publication
  • Proven ability to make widely shared posts
  • Experience using social media in a professional capacity
  • Thorough understanding of the social web, web copyright issues, and web research
  • Familiarity with standard photo-editing tools (PhotoShop or the like)
  • Established social media presence

  • Das gefällt nicht jedem. Aus irgendeinem, wenn auch guten Grund, fühlen sich selbst festangestellte Journalisten dazu verpflichtet, es in Zeiten des Internets ihren freiberuflichen Kollegen gleichzutun und beständig Eigenwerbung für die eigenen Ergüsse durch die einschlägigen Netzwerke zu blasen.

    Die oft erwartete, manchmal erzwungene Identifikation mit den Erzeugnissen des Arbeitgebers ist eine Sache. ("Wie, Du likest weder Deine Agentur, noch deren Kunden?") Ich für meinen Teil mache sehr gerne Werbung, aber nicht Werbung für Werbung. Die andere das Problem vieler Netztexter, nicht mehr für die Leser zu schreiben, sondern für Suchmaschinen und Klickzahlen. Wobei da ja ständig eine neue Sau durchs digitale Dorf getrieben wird, was aber nichts an der Grundproblematik ändert.

    gal_amen

    Wie fließend die Grenzen allerdings auch im Print sein können, zeigt ein Artikel, eine Werbung, ein Fragezeichen in der aktuellen Gala Men (Ausgabe 1/14, S. 75). Der Beitrag ist nicht als Anzeige gekennzeichnet, unter der Überschrift "Selbsttest" darf ein Redakteur dort in den höchsten Tönen von "Duftreisen ins Reich Christian Diors" schwärmen, inklusive Kontaktdaten zur Terminvereinbarung. Seinem Profil auf linkedin.com/ nach zeigt das den Beitrag illustrierende Schnupperbildchen tatsächlich den auch im Impressum als Mitarbeiter Vollzeitpenisaufgeführten Sebastian Stein. Über den ist im Netz wiederum überraschend wenig zu finden, ein paar Artikel auf gala.de/ bilden da schon die Ausnahme.

    "XY changed their ROFL picture."

    Einschub // Scheinbar werden Cover jetzt schon so designt, daß sie im quadratformatigen Profilbild gut rüberkommen. Da gesellt sich Gala Men zu einem Zeitschriftenhaufen von Spex bis Nido. Wahrscheinlich nur noch ein Frage der Zeit, bis sich die Kioskauslagen den modernen Gegebenheiten anpassen.

    Aber zurück zum Thema: Sich selbst zur Marke machen, personal brand strategy. Sascha Lobo hat völlig richtig das Zeitalter der Selfieness ausgerufen. Aber darüber, wie man zwischen Onlinekolaborationen, Mailverkehr und Sozialmediengedöns, zwischen ständiger Erreichbarkeit und flexibilisierten Beschäftigungsverhältnissen die private und berufliche Netznutzung unter einen Hut bringt, darüber verliert er kein Wort. Wahrscheinlich, weil das jeder für sich selbst herausfinden muß.

    P.S.: Das berühmte Oscar-Selfie ist übrigens Product Placement von Samsung gewesen.

    Lautschreiberei

    Ist es noch trendy, sich über Internetkommentatoren zu mokieren? Wobei man da sicher differenzieren muss: Auf der einen Seite Menschen, die auf den großen Nachrichtenseiten wie SpOn ihren Semf zu allem und jedem dazugeben - sozusagen Leserbriefschreiber 2.0. Was von denen zu halten ist (bzw. die dort angestellten Journalisten davon halten), hat FAZ-Korrespondent Michael Martens neulich in einem Interview auf newsroom.de/ zum Besten gegeben:

    Ich bemühe mich, Internet-Kommentare zu ignorieren. Im Gegensatz zu den Lesern der F.A.Z.-Printausgabe sondern viele Kommentatoren der Schnorrerausgabe im Internet vornehmlich Unsinn ab. Um in jedem zehnten Kommentar vielleicht etwas Interessantes zu entdecken, mag ich mich nicht durch einen Berg von Meinungsmüll und Geplapper lesen.

    Wenn man von der immerhin doch begrenzten Kommentatorenteilmenge auf die Gesamtheit der Online-Leser schließt, dann kann ich mir den den zweiten Teil dieses Konditionalsatzes sparen. Die Leser der FAZ-Printausgabe scheinen ihre Intelligenz allein dadurch zu beweisen, daß sie ihre Birnen hinter Zeitungspapier verstecken und meistens die Klappe halten. Reale oder irreale Bedingungen hin oder her.

    needless america

    Doch wollte ich ja noch auf die andere Seite zu sprechen kommen: Kommentare in kleinfeinen Blogs. Da ist der Ton meist netter, der Umgang persönlicher und die sooft angeprangerte Besserwisserei, die Ignor- sowie Arroganz, überhaupt der ganze Hass sind sehr weit weg. Das ist alles schön und gut, aber gemütliche Gruppenbildung - so sehr sie auch ihre Berechtigung hat - geht in der Regel mit Abgrenzung einher. Und ab einer gewissen Reichweite kann das Konzept gleich wieder über den Haufen geworfen werden.

    Es bringt ja wenig, an diesem Punkt über die menschliche Natur an sich zu lamentieren. Oder die auf anderen Feldern so wichtige Errungenschaft der Anonymität im Netz in Bezug auf das Kommentarwesen zu denunzieren. Daß der appellative Charakter einer wie im Detail auch immer gearteten Nettiquette nicht der Weisheit letzter Schluß sein kann, ist relativ offensichtlich. Ein Vertrauen auf eine rein technische Lösung wirkt in diesem Zusammenhang allerhings ebenfalls naiv.

    Mir gefällt der Vorschlag, Kommentatoren ernst zu nehmen. Und das auch im Angebot der Website so weit es geht zu implementieren, damit sich Kommentatoren wirklich ernstgenommen fühlen. Ein brauchbarer Ansatz in diese Richtung scheint mir The Commenters’ Bill of Rights zu sein. Seltsamerweise läßt der Artikel selbst keine Kommentare zu. Dabei finde ich die Kommentarfunktion bei MEDIUM ziemlich gut.

    Unbedingte Lektüreempfehlung dazu: How Can Communication Technology Encourage Civility?

    noiselife

    Heißt ganz profan für mich: Mit dem WPeigenen Kommentarsystem bin ich (vor allem seit der engeren Jetpack/wp.com-Verzahnung) nie ganz zufrieden gewesen. Vor dem Social Plugin von Facebook scheue ich irgendwie zurück. Ich probiere im Blog selbst also gerade mal wieder Disqus aus, wie man unter diesem Post sehen kann die Installation von Disqus aus, weshalb man unter diesem Post hier wahrscheinlich gerade auch nichts zu sehen bekommt. // Nachschlag: jetzt doch.