"Ruhig, Brauner."

Wenn einen die Absichtserklärung, eine Ausbildung machen zu wollen, schon beeindruckt, dann läuft hier wirklich etwas schief. Auf zeit.de/ kann man den ganzen Betroffenheitssermon in einem Interview nachlesen. Was mich dabei am meisten ankotzt, ist die Tatsache, daß die drei Autoren an dem Buch bestimmt nicht schlecht verdienen werden. Sightseeing ist beim Elendstourismus inklusive.

Schweinegrippe, The Game
Ein Internet-Kiosk
Nilzenburger liest Alice im Wunderland.

3zkxjhmammuyvy2ndoo5xyfro1_5001

Hier noch ein paar Links zu Seiten, die über den aktuellen Stand der Unterzeichnungszahlen Auskunf geben:
zeichnemit.de/
mitzeichner.appspot.com/
seezer.roath.org/petition_gg_zensur/
@Mitzeichner
Aktuell (siehe Postingdatum und -uhrzeit) liegt die Zahl der Unterstützer bei 44.785, es fehlen also nur noch knapp 5.000 Unterschriften – aber trotzdem ranhalten, Leute!
Abweichende Meinungen zu diesem Petitionshype sollen aber auch nicht unter den Tisch fallen. Aber ‚fh‘ will doch wohl nicht jedem Unterzeichner ein Bier ausgeben, sollte dieses Engagement irgendetwas bringen.
Noch ein Hinweis auf einen offenen Brief im Namen von Mißbrauchsopfern an Ministerin von der Leyen.

Einatmen, ausatmen.
Okay, es ist Greenpeace. Aber sie haben immerhin das Motto bebildert/verflimmert, welches ich zur Selbstbeschreibung bei so einigen Internetdiensten benutze. Hüschbsch anzuschauen.

(via @HUNDERTMARK)

zwei Konzerte

Weil so eine Unterüberschrift (wie call it subline) so direkt unter der Headline aussieht, als hätte der Textkörper keinen Hals, stehen diese paar Zeilen hier noch vor der eigentlichen Bodycopy.

Alony / Stadtgarten (K) // 03.05.09

Am Sonntag habe ich mir einzig aus dem Grund ein Konzert angeschaut, weil ich eins der Bandmitglieder kenne. Davor kannte ich kein einziges Lied von Alony. Die beiden Instrumentalisten haben mir auch sehr gut gefallen. Bestuhlung ist auch was Feines gewesen. Die der Band den Namen gebende Sängerin dagegen hat mich nicht überzeugen können, obwohl ihre Gesangsqualitäten außer Frage stehen. Allerdings hat sie dieses Können bei fast jedem Lied übertrieben eingesetzt, was der Textinterpretation nicht immer gutgetan hat. Dazu sollte sie noch etwas an ihrer Bühnenperformance feilen, wie ich finde. Diese typischen Handbewegungen des unmikrophonierten Arms beispielsweise, die man wohl unterbewußt in jedem zweitklassigen Gesangsunterricht mit dazulernt. Außerdem würde es helfen, bei traurigen Textstellen nicht das Publikum anzugrinsen.

img_0328

Das klang jetzt ein wenig hart, sie hat auch ein paar Sachen ganz gut hinbekommen. Zum Beispiel die Background Vocals an Beginn eines Songs selbst einzusingen und das dann auf Repeat unter den eigentlichen Gesang zu legen. Das Konzert war schon in Ordnung und wenn ich beim Backstagebier höre, die Band sei seit dem letzten Album elektronischer geworden (sowohl Trommler als auch der mir bekannte Pianist machen neben ihren MacBooks noch an allerhand Geräten rum), dann hat ihr das wohl ziemlich gut getan. Mit dem ein oder anderen auf Hebräisch vorgetragenen Lied endet man sonst ja schnell in der Ecke Weltmusik.

img_0327

The Ting Tings / Stahlwerk (D) // 04.05.09

Nichts über das zum Großteil aus mädchenhaften Modeopfern bestehende Düsseldorfer Oberstufenschichtenpublikum. Nichts über die Location, in der ich bei meinem ersten und vorletzten Besuch vor fast fünfzehn Jahren Tocotronic live gesehen habe und die sich nicht zu ihrem Vorteil verändert hat. Nicht über das auf lächerlich vielen Zetteln an jeder Wand verklebte „absolute Verbot, mit Blitzlicht zu fotografieren“. Nichts über diese viel zu dünnwandigen Plastikbecher, die man für Pfandfreiheit wohl in Kauf nehmen muß. Vor allem nichts über die Vorband, gar nichts.

img_0329

Stattdessen darüber, wie es sein kann, im Auto Leute mitzunehmen, die man nur aus diesem Internet kennt und im RL vorher noch nie gesehen hat: erwartet anschlußfähig. Darüber, wie es ist, im Stahlwerk uneingeschränkt rauchen zu können: atemberaubend rauchbombig. Über Sachen, die man in einem öffentlichen Weblog dann doch unerwähnt läßt: besser das. Und wie okay die Düsseldorfer Pils(!)bierpreise eigentlich sind: sehr. Darüber, eine gute Freundin aus Studienzeiten nach Monaten mal wiedergetroffen zu haben: viel zu kurz. Und wie sehr die Ting Tings live überhaupt rocken, obwohl ich die Platte vorher nur so „ganz gut“ fand: short but fun.
Nein, ernsthaft: Die beiden sind richtig nach vorn gegangen. Und das Album gefällt mir seit dem Konzert auch besser. Sympathischer Auftritt.

Gegen Zensursula
Bitte die Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten vom 22.04.2009 unterzeichnen. Denn solange Politiker denken können, das Internet sei kein „geeignete(s) demokratische(s) Forum“ läuft hier etwas falsch. Danke! Und weil es so gut passt, hier noch eine Nachbetrachtung des jüngst in Berlin stattgefunden habenden PolitCam09.

Argh Cologne

-geschickt, also voraus- // Ich fahre an jedem Arbeitstag, morgens und abends, mit der Bahn direkt an der Messe vorbei. Über das Jahr finden da von der in Köln unvermeintlichen Interkarneval bis zur Internationalen Fachmesse für Abfallwirtschaft und Umwelttechnik die (bitte Adjektiv Ihrer Wahl einfügen) Branchentreffs statt. Die Mitfahrer der Linie 4 sehen dann auch zu den jeweiligen Terminen dementsprechend aus. Einziger Spaß: anhand der Krawatten die Veranstaltung erraten. (Kein Witz: Palmenmuster = Touristikmesse.)

img_0314

Okay, da war die Art Colgne schonmal im Vorteil. Meine Motivation für einen Besuch dort hielt sich trotzdem in engen Grenzen und wurde anderswo bereits sehr treffend beschrieben. Dazu überzeugte mich der gefällige Verkaufscharakter beim letzten Besuch der ebenfalls in Köln stattfindenden Art Fair nicht gerade unbedingt. Für gute Kunst geht man wohl doch besser ins Museum, dachte ich mir bis zum vorletzten Tag „der Art“ – dann überredeten mich mein restalkoholisierter Schädel und ein V.I.P.-Tickets besitzender Freund mit in Aussicht gestellten Sturzbächen edelster Schaumweine doch noch, mal bei der Kunstmesse vorbeizuschauen.

ausgestopft anmutendes Einhorn vor schwarzem Spiegel

ausgestopft anmutendes Einhorn vor schwarzem Spiegel

Alles ganz großer Humbug. Wir tapperten mit unseren Anzugjacken und zu Krawatten gebundenen lila Karategürteln durch die Messehallen und fanden nicht einen Galeristenstand, an dem wir auch nur ein Glas abgestandenen Sekt abgreifen konnten. Noch nicht einmal eine Raucherecke gab es irgendwo. Dafür ließen wir uns von einer äußerst attraktiven Messepersonalie zum Ausfüllen eines Fragebogens überreden, wie er wohl selten in der Geschichte der Marktforschung danebenging:
Gut, es war schon Wochenende, aber die Befragung richtete sich offensichtlich an finanzstarke Einkaufsentscheider aus dem Ausland – die Fragen waren natürlich trotzdem auf deutsch. Wenn man sich so umblickte, sah man allerdings nur die durchschnittlichen Zahnarztehepaare aus Marienburg und dem Hahnwald, denen man am angestrengt legeren Freizeitlook ansah, daß sie sich keinen echten Braque oder Jawlensky über den Kamin hängen würden. Wahrscheinlicher war, sie würden mit einem Miró-Bildband den Messeshop verlassen. Wir haben uns als Berater afghanischer Kunstsammler ausgegeben.

Überhaupt war die Messe am vorletzten Tag noch sehr vollgehangen und in den Kabuffs der Bildervorrat (zwischen den sich dort drängelnden, rauchenden Galeriemitarbeitern) noch lange nicht aufgebraucht. Allzu viele rote Punkte an den Schildchen sah ich auch nicht, aber im Nachhinein wird so eine Veranstaltung ja immer als „großer Erfolg“ verkauft. Und das, nachdem der Mallorca-Ableger zuletzt so kläglich gescheitert war.

ich vor Uecker, verkehrtrum

ich vor Uecker, verkehrtrum

Wir machten ziemlich viele Photos, was nirgendwo jemanden störte – mit einer Ausnahme: Eine auf afrikanische Kunst spezialisierte Galerie wollte keine Bilder ihrer Exponate zulassen. Wir waren gnädig und haben ihnen nicht den Zoll auf den Hals gehetzt.
Für die Karten hatten wir, wie gesagt, keinen Eintritt bezahlt, doch „W-LAN kostete extra“. Aber wozu auch bei einer komfortablen Halbzeitführung von 2:0 ständig auf den Bundesliga-Liveticker starren. Da grenzte es denn fast an Performance-Kunst meinerseits, als mich dann zwischen lauter Beuys-Werken kurz nach Spielende ein Anruf erreichte und eine Freundin mir ihr Beleid zu der doch noch verlorengegangenen Partie Bochum vs. Bremen (2:3) aussprach. Ich habe minutenlang erst ins Telephon, dann meinen Begleiter angeflucht.
Wir gingen dann noch etwas zum Lachen in die V.I.P. Area, aber eigentlich war unsere Besuchszeit bei der Art Cologne abgezählt. Und was wir danach machten, weiß ich schon gar nicht mehr.

Sachen mit Links

Das nenn‘ ich mal Underground-Kunstrestauration.
Es gibt ein Blog zum Berliner Theatertreffen.
Engels und die Frauenfrage.
Überhaupt das ganze Jungs-und-Mädchen-Ding.

Immer am Boden, nie zerstört

Die Autorin Else Buschheuer erklärt in einem Interview, warum sie ihr Blog dichtgemacht hat. Die Nachricht selbst ist schon ein paar Tage alt, aber das hier ist ja auch kein Newsticker und ich bin bis jetzt nicht dazu gekommen, etwas dazu zu schreiben.
Man redet ja viel von der Verschmelzung von realer und virtueller Person im Social Net. Die User geben sich zu erkennen, Anonymität ist out (mit einigen Ausnahmen). Es laut Else – bei aller berechtigten Kritik an fordernden Kommentatoren und einem generellen Schreib- bzw. Originalitätszwang im Netz – aber nicht zu schaffen, zwischen Blog- und Romanschreiber trennen zu können, zeigt meiner Meinung nach, daß die Frau zu sehr auf ihre täglichen Klickzahlen schaut. Dazu scheint es mir ein erhellendes Licht auf ihre Arbeitsweise zu werfen, die sie mit wahrscheinlich sehr vielen Mitgliedern der schreibenden Zunft teilt, doch nicht preisgeben will.
Es ist nämlich mit mitnichten so, daß ein Roman im stillen Kämmerlein, in einem genialischen Kopf reifen muß, um dann auf einen Schlag als plötzliche Sturzgeburt in einem Rutsch das Licht der Welt zu erblicken. In den meisten Fällen ist es tägliche Arbeit, eine kleine Idee reiht sich an die nächste und dann will dieses Textkonglomerat zu einem Gesamtwerk zusammengeschraubt und zurechtgefeilt werden. Diesen Prozeß will Frau Buschheuer dem Publikum vorenthalten. Sie will die Konstruktion vom großen Wurf aufrechterhalten, und sei es nur, weil es die Verlage ihrer Meinung nach eben so wollen. Sie arbeitet systemkonform und scheint dabei selbst nicht einmal die Antwort auf die Frage zu wissen, ob das Bloggen ihre Schriftstellerschreibweise verändert hat.
Auf Entzug hat Frau Buschheuer dafür als Ersatzdroge Twitter entdeckt. (Nur zur Info / Ich folge ihr nicht und habe auch keins ihrer Bücher gelesen.)

Nochmal spiegel.de/, diesmal ein Interview mit dem (ehemaligen?) Internet-Kritiker Andrew Keen. Dort hört er sich im Vergleich zu seinem Bestseller ‚Die Stunde der Stümper‘ ein wenig geläutert an.

Twitter ist ein gutes Beispiel dafür. Hier ist eine neue Elite im Begriff zu entstehen. Die Hierarchie zwischen Talent und Publikum beginnt das Amateurhafte wieder zu verdrängen.

Zumindest sieht er nicht mehr ganz so schwarz; oder schreibt nicht mehr so polemisch. Ein Nicht-Euphoriker in den eigenen Reihen ist ja auch nicht schlecht. Oder zumindest jemand, der zwischen den Fronten steht. Ist in Zeiten der Grabenkämpfe um Copyright und Internetzensur, Web2.0-Hoffnung und Untergang des Wirtschaftwunderabendlandes gar nicht mehr so einfach zu finden.
Die FAZ selbstbeschäftigt sich mal wieder mit der Zukunft, aber wie Deutschlands Printdino wirklich tickt, ahnt man ja schon länger, jetzt kann man es hier en detail nachlesen. Und sollte man auch. Jedenfalls wenn im Business of Biegen and Brechen arbeitet.

bild-12

Dann doch lieber so. Sehr lehrreiches Video. Und wie die Zukunft von nicht nur Google News aussehen soll, das twittern die Spatzen (via @CemB) ja schon von den Dächern.
Es reicht allerdings, dies als jugendlichen Ist-Zustand zur Kenntnis zu nehmen. Aber ältere Semester mit ihrer Offline-Mentalität sollte man nicht mehr ernsthaft zu bekehren versuchen.

Wer genau nachlesen will, wie das mit dem Hack vom Time 100 Poll funktioniert hat, der führe sich bitte diesen Artikel zu Gemüte. Captchas vertraut man danach allerdings nicht mehr wirklich.

Wortspielchen, Treibereien

Letzten Donnerstag also Unfun. Der Autor liest nicht selbst, er läßt lesen. Verständlich, denn auch wenn der Laden rappelvoll ist, so sind doch wohl die wenigsten im Publikum der norwegischen Sprache mächtig. Das ist okay, weil seine Vertretung nicht nur charmant vorträgt. Nach einer kurzen Einführung geht’s los.

Ich bin vorher noch nie im King Georg nahe des Ebertplatzes gewesen, aber die laut Eigenbezeichnung „Klubbar“ kommtt mir auf Anhieb gelegen. Im Kelleretablissement nimmt der riesige, freistehende Rundumtresen den Großteil des Raumes ein, dahinter gruppieren sich nur noch eine handvoll Tische um eine kleine Fläche, die wochenends wohl die Tanz- darstellen soll. Es darf geraucht werden.

img_0301

Die Lesung selbst ist kurz, vielleicht eine halbe Stunde Textausschnitte, welche mit angemessenem Applaus quittiert wird. Dann kommt der Einführer wieder auf die improvisierte Minibühne, ein zweiter Stuhl dazu und Auftritt Matias Faldbakken. Das Interview läuft dann in Englisch. Der berühmte Sohn kommt zweifelsohne ziemlich sympathisch rüber. Allerdings blitz zwischen all der zur Schau gestellten Abgeklärtheit das ein oder andere Mal erschreckend Unreflektiertes durch.
Aber was soll’s sagt man sich, wir sind ja nicht von der hermeneutischen Truppe, freuen uns aber doch irgendwie, als die anschließenden Publikumsfragen dann so banal werden, daß man nach mittlerweile so einigen Bieren getrost die Toilette aufsuchen kann, ohne etwas zu verpassen. Dann geht es weiter mit Schnaps und Solalamusik.

bild-5

Der deutsche Sportartikelhersteller Adidas hat vor ein paar Wochen urbanartguide.com/ gelauncht. Was man von diesem Selbstanwurf bezüglich (whole train!) Street Credibility zu halten hat, schreibt spiegel.de/.

Hier noch ein Text über Vornamen von Sufjan Stevens auf dem Blog seines Labels asthmatickitty.com/, am Ende gibt es noch ein kurzes Liedchen über/an (?) Sofia Coppola. (via @malomalo)

leinenlos

Geht’s noch, Grüne?

Letzte Frage:
Was ist nur aus der gutenalten Pop-Literatur geworden?