Notes KW 33/15

Auch hier ist der Spielplatz nun von denen bevölkert, vor denen ich damals geflohen war. Menschen, die Sätze sagen könnten wie: Guten Tag, ich bin Koordinatorin, mein Mann Kommunikator und unser Kind bekommt seine Freiheit. Dauertelefonierende Erwachsene, die sich kleiden, als steckten sie in der finstersten Pubertät, die den Mist der achtziger Jahre wieder auftragen und ihren Kindern doch leicht antiquierte Namen wie Konrad, Anton, Luise und Charlotte gegeben haben oder einen, den man beim ersten Aussprechen nicht versteht. Man fragt nach, und diese lieben, veganen, zuckerfreien Kinder sind daran gewöhnt, ihren Namen mindestens zwei Mal sagen zu müssen, eh er verstanden wird, und sie tun es mit einem lieben, unterzuckerten Lächeln. Es ist niemand mehr da, der ein Bollwerk dagegen errichten, den Kampf aufnehmen könnte. Es fehlt die Frau, die quer über den Spielplatz brüllte: “MELISSA, MELISSAAAA, MUTTI MUSS PISSEN WIE’N ELCH UND JETZE ABMARSCH!”

Freitext: Endstation Reiswaffelmutter | Genau so. (Nur daß es natürlich nicht hilft, den Wandel allein zu beklagen. Man ist trotzdem Teil des Gentrifizierungsproblem.)

Alle wollen sie doch eine Oper schreiben, die auch gehört, gemocht und nachgespielt wird. Aber dazu müsste sie halt ein wenig besser und origineller sein als das grotesk dämliche, immer wieder die Parodie und den sauren Kitsch nicht nur streifende Elaborat namens „Adriana“, das sein Publikum eher erheiterte denn rührte. Denn die Heidenreich scheint hier eine Art Soap-Opera als ernst gemeintes Musiktheater getextet zu haben, im Vergleich zu der sich jeder schamlos gefühlsduselige Broadway-Musical-Heuler als Inbegriff der Komplexität erweist und selbst eine „Sturm der Liebe“-Folge viel mehr hermeneutischen Tiefsinn und intertextuelle Raffinesse offenbart. Die Worte und die Figuren für „Adriana“ sind einfach nur platt und blöd.

Elke Heidenreichs Oper mit Premiere in Rheinsberg Der Verriß in der WELT ist sicher verdient, ein wenig leid tut mir Frau Nachbarin aber doch.

Videos über ein Videospiel, dessen größtes Feature Videos sind. Die Zukunft ist nah!

gamescom 2015 | Superlevel fand die Digitalspielemesse jetzt nicht so pralle.

Key to any gentrification process are successive waves of pioneers who gradually reduce the perceived risk of the form in question. In property gentrification, this starts with the artists and disenchanted dropouts from mainstream society who are drawn to marginalised areas. Despite their countercultural impulses, they always carry with them traces of the dominant culture, whether it be their skin colour or their desire for good coffee.

How yuppies hacked the hacker ethos – Aeon | Brett Scott zieht interessante Parallelen zwischen den kulturellen Entwicklungen von Hacking und Gentrifizierung. Leider zieht er den Text auch etwas in die Länge.

Peter Fischli: „Es hat noch nie jemand das Grab eines Kurators besucht.“

Die Kunst und das Internet

Nichts hat der EU eine solche Legitimität verschafft wie die Freizügigkeit. Sich überall in Europa niederlassen zu dürfen ist der Kern der europäischen Einigung. Wer dieses Recht von Bedingungen abhängig macht und es befristet, verstümmelt ein europäisches Erfolgsprojekt zu einem besseren Touristenvisum. / Im November letzten Jahres änderte die deutsche Regierung das „Gesetz über die allgemeine Freizügigkeit von Unionsbürgern“, im Januar trat die neue Regelung in Kraft. Schon vorher konnte ausgewiesen werden, wer seinen Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten kann – nun auch, wer länger als sechs Monate einen Job sucht.

Krisenjugend in Europa: Keine neue Heimat für Marta – taz.de

Die Mittelschichtsbürger, die ein bisschen Vermögen haben und dieses, weil sie auf dem Sparbuch nichts mehr bekommen, an der Börse anlegen, sind mit dafür verantwortlich, dass bestimmte Jobs immer prekärer werden.

Freiheit ist kapitalistischer Mainstream. | Im Interview mit dem SZ-Magazin mach Cornelia Koppetsch mal wieder das ganz große Gesellschaftsfaß auf – auf Seite 2 auch mit ein paar treffenden Worten zu „Kreativberufen“. Umblätterklicken lohnt sich.

Interaktive Karte der Woche: Police killings since Ferguson

Der Fuß des Mannes jedenfalls gehört in Gesellschaft, zumal im Arbeitsleben, bedeckt. Daran ändert auch die Tatsache, dass die alten Römer sowie Jesus Sandalen trugen, nichts. Wer über Wasser laufen kann oder ein Weltreich schafft, der möge auch im Büro sowie in der Fußgängerzone Sandalen tragen.

Herrenschuhe im Sommer: Nur der Vandale trägt Sandale | Passend zum Fashionthema rutscht auch im Qualitätsjournalismus das Schlagzeilen-Niveau auf den Level von InStyle ab. Ich begrüße das uneingeschränkt.

Überhaupt scheinen die meisten Kinderfilme von hässlichen Männern gemacht zu werden, so oft wie sie kleinen Mädchen einzubläuen versuchen, dass gerade bei Männern Äußerlichkeiten überhaupt gar nichts aussagen und vielmehr die Unattraktiven gut und die Schönen grundsätzlich fies und verdorben sind.

„Barbie – Prinzessin im Rockstarcamp“ im Kino | In dieselbe Kerbe, nur etwas grundsätzlicher, schlägt In Zeichentrickfilmen sterben immer die Mütter.

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