Brot für die Welt

Die Vielfalt des deutschen Brotes soll Weltkulturerbe werden. Jedenfalls wenn es nach – ja, der heißt wirklich so – Peter Becker, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks, geht. Mit diesem Ansinnen hat man es in einer wahrlich nicht nachrichtenarmen Zeit (Ukraine, Olympia, Edathy) immerhin auf die Titelseite der gestrigen Printausgabe des Kölner Stadt-Anzeigers geschafft. Hier wohl die Onlineversion des Artikels.

Ich sehe schon ein Schmitz & Nittenwilhelminisches Zeitalter heranbrechen. „Am deutschen Backwesen soll die Welt genesen.“ – der Kaiser wäre sehr erfreut. Exportschlager deutsche Backwaren, die Brotkultur Deutschlands wird auch am Hindukusch verteigigt etc.

Als ob dieses Vorzeigestreberland nun auch noch die Definitionsmacht von »über den Hai gesprungen« für sich beanspruchen möchte. Das war mein erster Gedanke, bevor ich gesehen habe, daß die UNESCO für immaterielle Kulturgüter gleich drei Listen pflegt. Ich habe gerade leider nicht die Zeit, mich durch diese Aufzählung zu scrollen. Wenn man allerdings die nicht minder kurze Liste der Bauwerke und Naturspektakel hinzunimmt, kann einem schon in den Sinn kommen, daß so ziemlich alles zum Weltkulturerbe erklärt wird, was nicht bei drei auf den Bäumen ist – und die Bäume gleich mit dazu.

Nun gut, Deutschland hat die Bewerbung noch nicht abgeschickt. Und sollte es vielleicht auch nicht tun. Aber wenn es denn sein muß und ich am Ende des KSTA-Artikels lese, das Reinheitsgebot für Bier wäre ein Konkurrent der Brotkultur, dann sind meine Sympathien klar verteilt.

Disclosure // Ich esse ausnahmslos weißes Brot. Grau- und Schwarzbrote sowie der ganze Körnerkram sollen hinfallen. (Bild via)

Folgender Artikel könnten Sie auch interessieren:
Wie das Brot dumm wurde
Ceci n’est pas un Deutsches

Zugaben:

Loading Disqus Comments ...

1 comment

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.