Ossis sind die neuen Frauen

Zum und nach dem Mauerfall-Jubiläum jede Menge Ostversteher unterwegs. Denen sind jetzt zur Abwechslung in der Zeit mal die Leviten gelesen worden.

Man gewinnt den Eindruck, dass zwischen Berlin-Marzahn und Bitterfeld, Görlitz und Gardelegen posttraumatische Belastungsstörungen den Minderwertigkeitskomplex als schlimmstes Ostleiden abgelöst haben. Plötzlich hat jeder viel oder gar alles verloren.

Autorin Maren Hobrack ist damit auf einem guten Weg, die nächste Ronja von Rönne zu werden. Zumindest klingt mir der Nestbeschmutzer-Vorwürfelhusten schon in den Ohren.

Inzwischen wurden wohl schon alle Ostdeutschen mindestens dreimal zur Lage in ihrem Bundesland interviewt. Hätten ZDF, ARD und die Privaten jedem Ossi, den sie samt Funktionswetterjacke vor eine laufende Kamera zerrten, hundert Mark, äh, Euro in die Hand gedrückt – der ostdeutsche Rückstand in Sachen Kaufkraft wäre aufgeholt.
Wirklich jeder, der irgendwie ostdeutsch ist oder mal am Leipziger Hauptbahnhof stand, wird nun zum Experten für die ostdeutsche Seele. Viele Autoren können endlich, endlich eine Marke aus ihrem Ostdeutschsein machen. Hey ho, man nennt das Identitätspolitik.

Ach ja: Außerdem #TeamSchnibben.

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