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Das, was gemeinhin als „Schauspielkunst“ gefeiert wird, ist an den Münchner Kammerspielen ja längst keine Qualität an sich mehr und psychologisches Identifikationstheater eher verpönt. Das postdramatische Diskurs- und Performancetheater, wie Lilienthal es zu etablieren versucht, verlangt nicht mehr den klassischen Schauspieler, der gut sprechen kann und eins-a-wandlungsfähig ist, sondern den „Performer“: den möglichst jungen, möglichst „authentischen“ Ich-Darsteller mit Street Credibility und Spezialtypenqualität, am besten mit einem interessanten Migrationshintergrund und Idiom.

Brigitte Hobmeier kündigt bei Münchner Kammerspielen – Süddeutsche.de

Hätte mir dieses Wochenende allerdings gerne RYAN TRECARTIN: PREMISE PLACE (EDIT 1) angesehen.

TIME will tell

Die Aufmacher des Time magazines sind oft ziemlich gut. Eines der letzten Cover zum Titelthema Trolling gehört wohl eher nicht dazu.

Interessant ist es allerdings, wenn man es mit dieser denkwürdigen Ausgabe vergleicht, erschienen vor beinahe genau zehn Jahren. In Netzzeitrechnung also mehr als eine halbe Ewigkeit. Von der digitalen Selbstermächtigung zur abgefuckten Eigenverantwortlichkeit hat sich die Debatte einmal komplett um 180° gedreht.

Wind und Gegenwind, Ping und Pong: Scheinbar hat das hin & her, für & wider Methode. Heute pro, morgen contra und übermorgen stehle ich der Jornalismuskönigin ihr Qualitätskind. Zumindest legt das dieser mir gerade in die Timeline gerauschte Tweet nahe.

So eine Nebeneinanderstellung hatte doch letztens auch jemand für Spiegel-Cover gemacht. Praktischerweise allerdings mit dem deutschlandtypischen Kniff, daß sich in den letzten 30 Jahren nichts verändert hat. Thema „der unbekannte Nachbar“ oder so, damals Gastarbeiter und jetzt Flüchtlinge, vielleicht auch erste Asylwelle in den 90ern. Finde ich aber leider nicht mehr.