Mode & Verzweiflung

Ich bin immer noch nicht darüber hinweggekommen, daß Michael Kors Versace gekauft hat – und nicht umgekehrt. Der Emporkömmling verleibt sich den Klassiker ein.

Zeit also, mal wieder ein paar aktuelle Texte über Mode zu teilen. Den Anfang macht Supernova, das junge Online-Magazin von Neues Deutschland – also quasi Bento, zett oder so in links. Da habe ich die Rubrik »Leftstyle« mal über den RSS-Reader abonniert, obwohl dort solche Texte erscheinen:

Ebenso wird es über einen schicken Style deutlich einfacher, auch neue Leute ansprechen. Das Konzept „Jugend-Antifa“ vor allem im ländlichen Raum versucht dies seit längerem mit gutem Erfolg: „Antifa? Die mit den coolen Schuhen?“ Hiermit kann man Jugendliche abholen und gleichzeitig politisieren.

Aus: Die Lorbeer-Linke. Meinen die das ernst? Ich bleibe da aber vorerst mal dran.



Sehr interessantes Interview mit Hans-Christian Dany in der Spex: Die Hells Angels transportieren ihre Kutten in Louis-Vuitton-Koffern. Daraus:

Durch den Anstieg der Überwachung und die zunehmende Verwertung von Subjektivität in der Kontrollgesellschaft hört abweichendes Verhalten auf, ein heiteres Spiel zu sein, sobald es nachgeahmt wird. Einen Style zu erfinden, wird schnell zur unbezahlten Vorarbeit für eine Warenform. Modisches Verhalten ist zudem Teil der andauernden Bewerbungssituation geworden. Ich zeige mich zeitgemäß und offen, woraus potentielle Arbeitgeber_innen schließen können, dass ich bereit bin, mich flexibel mit der Arbeitsanforderung zu entwickeln. Überwachung wiederum interessiert sich vor allem für Abweichungen. Ich rücke mich in die Aufmerksamkeit der Polizei, wenn ich mich nicht entsprechend der Norm verhalte. Normcore, ein Trend der bewussten Unauffälligkeit, formt unter anderem den Versuch, gemeinsam unter den Radar zu tauchen.

Danys Buch MA-1. Mode und Uniform jedenfalls steht bei mir auf der Wunschliste.



In The Outline liefert Angelica Frey einen Rundumschlag: Das automatisch gelieferte Title Tag „French Girl Fashion“ is a lie bleibt da noch brav, besser die URL und die Headline checken.

Let’s just say it once and for all: those wardrobe staples only pull their own weight if they’re made with high-quality materials, meaning only when they veer to the expensive side. „What lends minimalist dressing its gravitas is its price.”

Und jetzt gehe ich noch das Slimane-Interview lesen. BoF hat die englische Übersetzung des original im Figaro erschienenen Artikels.

Die Kritiken zu seiner ersten Celine-Show waren ja nicht so pralle. (btw: Wieso funktionieren die Photogalerien dazu weder bei Elle noch in Harper’s Bazaar? Was ist da los, Burda?)

Melanias Mantel

Bester Absatz aus: Interrogating Melania Trump’s Statement Jacket and Its Fast-Fashion Fascism

It was, as they say in high-school dress codes, inappropriate. Pressed for comment, the First Lady’s office declared, „There was no hidden message“—quite sensibly so, for, as the world immediately observed, its message was readily legible. But the statement stretched too far in expressing a hope that „the media isn’t going to choose to focus on her wardrobe.“ The former Melania Knauss began a career in commercial modeling at the age of sixteen. Wearing clothes is her foremost métier, and the clothes she was wearing, in the context of her husband’s inhumane treatment of immigrants, and everyone else, constituted the most significant conjunction of clothing and incipient fascism since Hugo Boss débuted his collection for fall/winter 1938, unless you count the snapback MAGA cap.

Ich mag ja den Sprachstil, den sie beim New Yorker selbst bei Modethemen pflegen. Und ich muß wohl „Metropolitan Life“ von Fran Lebowitz lesen.

start-down ideas

1. MODE

Die Lappen zum Anzünden von Molotow-Cocktails, aber in chic. Gab es bestimmt schon vor Jahren als pseudo-subversive Photostrecke in der Vice or whatever, schön Seidentücher von Hermes und Burberry-Schals gefeatured. Stimmt’s?

Egal – also einen Online-Shop eröffnen, der diese Lappen in stylish verkauft. Mit wirklich guten Designs bedruckt, den Stoff jedoch nicht nach Tragekomfort und Hautverträglichkeit auswählen, sondern nach Brennwert. Dabei alles fair und nachhaltig produzieren, CO2neutraler Versand und so, ganz wichtig. Der Shop selbst muß aber auch was hermachen, klar.

2. DROGE

Den Karren gar nicht schnell genug vor die Wand fahren können. Accelerationism uber alles. Ausgangsidee: Kokain wirkt einfach zu langsam. Eine Firma gründen, die versucht, schnelleres Koks auf den Markt zu bringen. Die quälend langen Sekunden zwischen Schniefen und Einsetzen des Kicks verkürzen. Das muß instantan gehen, wie beim Spritzen. Laborarbeit sponsern, Lobbyarbeit, der ganze Scheiß – voll auf die provokative PR-Schiene setzen.