Notes KW 35/15

Jedoch verfügt der FC Bayern München laut Studie über den zweitniedrigsten Sympathiewert sämtlicher 36 Fußball‐Bundesligisten, nur Rasenballsport Leipzig schnitt schlechter ab. Auf Rang 4 und Rang 5 im Vereinsmarkenranking folgen der FC St. Pauli und der 1. FC Köln.

Fußball-Bundesliga: BVB stärkste Vereinsmarke vor Borussia Mönchengladbach und FC Bayern München – Wenn Bekanntheitsgrade abgefragt werden dann kippt so eine Umfrage völlig ins Absurde. Aber auch an jeder anderen Stelle merkt man, wie die Kriterien und Kategorien der Marktforschung hier doch

Wer immer noch raucht, gilt inzwischen als suizidaler Klotz am Bein der vorgeblichen Solidargemeinschaft der Krankenversicherten, als mutwilliger Beschädiger der Ware, die anzubieten ihn der Kapitalismus zwingt, seines Körpers nämlich.

Rauchzeichen der Zivilisation | PrinzessinnenReporter über die gute alte Zeit vor Superman.

Das Problem liegt darin, in der Sozialversicherung eine „Versicherung“ zu sehen. Renten-, Pflege-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung sind keine Versicherungen im klassischen Sinne, sondern solidarisch finanzierte Sozialleistungen, die dazu dienen, die Gesellschaft zusammen zu halten.

die ennomane » Generali-Versicherung: Brave new world | Aufhänger für Ennos Post ist dieses, auch bei ihm verlinkte Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden Liverani.

The fridges use your Google login to display your calendar. They incorrectly implement SSL: when presented with an incorrect certificate, they fail to validate it. This lets someone on your network — say, someone who’s broken your wifi password — to get your Google login. With more work, the researchers believe they could overwrite the fridge’s firmware and the mobile app that lets you control it.

Samsung fridges can leak your Gmail logins – Boing Boing. Und vielleicht ist er sogar Teil eines massive spam-sending botnets – Ars Technica.

Notes KW 34/15

It’s tempting to think of technology as Nerf’s chief challenger — kids these days are always staring at their phones instead of trying to kill each other with foam balls!

Nerf has adapted to the post-apocalyptic child – Vox

Solche Daten könnten bei Veröffentlichung Wettbewerbsnachteile für das betroffene Unternehmen provozieren. Ferner beinhalte die Forschungsfreiheit auch, zu entscheiden, mit wem eine Universität oder ein Wissenschaftler kooperiere und zu welchen Bedingungen.

Hochschulen und die Industrie: Forschungsfreiheit vor Transparenz – taz.de über eine laut Gerichtsentscheid weiterhin geheim bleibende Vereinbarung zwischen Bayer AG und der Uni Köln.

But the bigger question is whether Google has the scale to capture a viable share of the search advertising market. In other words, can Google create a business model even remotely as good as its technology?
“The days of investing in Web sites we love are over,” said Lanny Baker, a Salomon Smith Barney analyst. “People rave about Google. But as a business, it will take an awful lot for them to catch up to Overture.”

Es ist natürlich ein wenig unfair, einen 13 Jahre alten Spekulativtext der New York Times zu zitieren – aber auch ganz schön witzig. (via)

Auch die Hausmeister haben sie abgeschafft. Unseren Block verwaltet jetzt eine anonyme Firma aus einem Glaskasten in Mitte, die noch anonymere Subunternehmer beschäftigt. Niemand kennt die mehr und wenn etwas kaputt ist, müssen Sie Telefonnummern anrufen, in deren Warteschleifen die ewigen Vier Jahreszeiten von Vivaldi dudeln, bevor irgendein Schlumpf in gelangweiltem Tonfall Ihr Anliegen entgegen nimmt. Und nach drei Wochen kommt jemand und wechselt die Glühbirne im Treppenhaus aus.

kiezneurotiker: Friss deine Medizin, Post | Manchmal könnte man wirklich glauben, früher wäre nicht alles besser gewesen. Aber Vieles.

Es wurde schon viel outgesourct in Heidemarie Bönings Leben, und das hieß immer: Es fand sich jemand, der jünger, schneller, billiger war, weniger Ansprüche stellte und keine Sicherheit verlangte. Jetzt putzt sie also für Helpling und ist gar nicht mal unglücklich damit. Sie nimmt Jobs zuschlagsfrei auch sonntags und kommt damit gerade so über die Runden.

Putzkraft per Klick | STERN.de über das nächste prekäre Beschäftigungsverhältnis der New Economy.

Systemkritik ist gut und chinesische Systemkritik besonders gut, das weiß man. Das steht ja in der Zeitung, das steht im Display des in China produzierten iPhones. Das sagt sogar Angela Merkel nach dem Unterzeichnen von Wirtschaftsabkommen mit China. Das wissen alle, nur anscheinend noch nicht alle Chinesen, aber das sind ja auch sehr viele.

Das große Ai-Weiwei-Missverständnis

Außerdem soll es eine bußgeldbewehrte Kondompflicht “für Freier” geben (ob dem Gesetzgeber noch rechtzeitig die Kondompflicht für männliche Prostituierte einfallen wird, bleibt abzuwarten). Die Begründung für Letztere ist rührend: Der Hinweis auf die Geldbuße erleichtere Prostituierten die Ablehnung des Wunsches nach kondomfreiem Geschlechtsverkehr. Da wächst in der unermesslichen Fantasie des Ministerialbeamten zwischen osteuropäischer Elendsprostitution und deutscher Gesetzestreue zusammen, was zusammen gehört.

Prostitution: Freiheit für Freiwilligkeit! – Sehr unaufgeregter Artikel zur Einschätzung der Situation bei einem schnell hochkochenden Thema.

Notes KW 33/15

Auch hier ist der Spielplatz nun von denen bevölkert, vor denen ich damals geflohen war. Menschen, die Sätze sagen könnten wie: Guten Tag, ich bin Koordinatorin, mein Mann Kommunikator und unser Kind bekommt seine Freiheit. Dauertelefonierende Erwachsene, die sich kleiden, als steckten sie in der finstersten Pubertät, die den Mist der achtziger Jahre wieder auftragen und ihren Kindern doch leicht antiquierte Namen wie Konrad, Anton, Luise und Charlotte gegeben haben oder einen, den man beim ersten Aussprechen nicht versteht. Man fragt nach, und diese lieben, veganen, zuckerfreien Kinder sind daran gewöhnt, ihren Namen mindestens zwei Mal sagen zu müssen, eh er verstanden wird, und sie tun es mit einem lieben, unterzuckerten Lächeln. Es ist niemand mehr da, der ein Bollwerk dagegen errichten, den Kampf aufnehmen könnte. Es fehlt die Frau, die quer über den Spielplatz brüllte: “MELISSA, MELISSAAAA, MUTTI MUSS PISSEN WIE’N ELCH UND JETZE ABMARSCH!”

Freitext: Endstation Reiswaffelmutter | Genau so. (Nur daß es natürlich nicht hilft, den Wandel allein zu beklagen. Man ist trotzdem Teil des Gentrifizierungsproblem.)

Alle wollen sie doch eine Oper schreiben, die auch gehört, gemocht und nachgespielt wird. Aber dazu müsste sie halt ein wenig besser und origineller sein als das grotesk dämliche, immer wieder die Parodie und den sauren Kitsch nicht nur streifende Elaborat namens “Adriana”, das sein Publikum eher erheiterte denn rührte. Denn die Heidenreich scheint hier eine Art Soap-Opera als ernst gemeintes Musiktheater getextet zu haben, im Vergleich zu der sich jeder schamlos gefühlsduselige Broadway-Musical-Heuler als Inbegriff der Komplexität erweist und selbst eine “Sturm der Liebe”-Folge viel mehr hermeneutischen Tiefsinn und intertextuelle Raffinesse offenbart. Die Worte und die Figuren für “Adriana” sind einfach nur platt und blöd.

Elke Heidenreichs Oper mit Premiere in Rheinsberg Der Verriß in der WELT ist sicher verdient, ein wenig leid tut mir Frau Nachbarin aber doch.

Videos über ein Videospiel, dessen größtes Feature Videos sind. Die Zukunft ist nah!

gamescom 2015 | Superlevel fand die Digitalspielemesse jetzt nicht so pralle.

Key to any gentrification process are successive waves of pioneers who gradually reduce the perceived risk of the form in question. In property gentrification, this starts with the artists and disenchanted dropouts from mainstream society who are drawn to marginalised areas. Despite their countercultural impulses, they always carry with them traces of the dominant culture, whether it be their skin colour or their desire for good coffee.

How yuppies hacked the hacker ethos – Aeon | Brett Scott zieht interessante Parallelen zwischen den kulturellen Entwicklungen von Hacking und Gentrifizierung. Leider zieht er den Text auch etwas in die Länge.

Peter Fischli: „Es hat noch nie jemand das Grab eines Kurators besucht.“

Die Kunst und das Internet

Nichts hat der EU eine solche Legitimität verschafft wie die Freizügigkeit. Sich überall in Europa niederlassen zu dürfen ist der Kern der europäischen Einigung. Wer dieses Recht von Bedingungen abhängig macht und es befristet, verstümmelt ein europäisches Erfolgsprojekt zu einem besseren Touristenvisum. / Im November letzten Jahres änderte die deutsche Regierung das „Gesetz über die allgemeine Freizügigkeit von Unionsbürgern“, im Januar trat die neue Regelung in Kraft. Schon vorher konnte ausgewiesen werden, wer seinen Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten kann – nun auch, wer länger als sechs Monate einen Job sucht.

Krisenjugend in Europa: Keine neue Heimat für Marta – taz.de

Die Mittelschichtsbürger, die ein bisschen Vermögen haben und dieses, weil sie auf dem Sparbuch nichts mehr bekommen, an der Börse anlegen, sind mit dafür verantwortlich, dass bestimmte Jobs immer prekärer werden.

Freiheit ist kapitalistischer Mainstream. | Im Interview mit dem SZ-Magazin mach Cornelia Koppetsch mal wieder das ganz große Gesellschaftsfaß auf – auf Seite 2 auch mit ein paar treffenden Worten zu “Kreativberufen”. Umblätterklicken lohnt sich.

Interaktive Karte der Woche: Police killings since Ferguson

Der Fuß des Mannes jedenfalls gehört in Gesellschaft, zumal im Arbeitsleben, bedeckt. Daran ändert auch die Tatsache, dass die alten Römer sowie Jesus Sandalen trugen, nichts. Wer über Wasser laufen kann oder ein Weltreich schafft, der möge auch im Büro sowie in der Fußgängerzone Sandalen tragen.

Herrenschuhe im Sommer: Nur der Vandale trägt Sandale | Passend zum Fashionthema rutscht auch im Qualitätsjournalismus das Schlagzeilen-Niveau auf den Level von InStyle ab. Ich begrüße das uneingeschränkt.

Überhaupt scheinen die meisten Kinderfilme von hässlichen Männern gemacht zu werden, so oft wie sie kleinen Mädchen einzubläuen versuchen, dass gerade bei Männern Äußerlichkeiten überhaupt gar nichts aussagen und vielmehr die Unattraktiven gut und die Schönen grundsätzlich fies und verdorben sind.

“Barbie – Prinzessin im Rockstarcamp” im Kino | In dieselbe Kerbe, nur etwas grundsätzlicher, schlägt In Zeichentrickfilmen sterben immer die Mütter.

Notes KW 32/15

An Griechenland musste, im Sinne des deutschen postdemokratischen Hegemonialisierungsstrebens, exemplarisch abgestraft werden, was dem verschäubleten und vermerkelten postdemokratischen Europa als Eurozone, als willfähriger Markt und geflissentlicher Schüler des neoliberalen Extremismus à la Berlin widerspricht.

Georg Seeßlen über die Rückkehr des »häßlichen Deutschen«. So Grundsatzartikel müssen manchmal sein. Gerade dann, wenn so unsägliche Artikel wie Was hilft Flüchtlingen am besten? Der Neoliberalismus! von Ulf Poschardt die Runde machen.

Der sächsische Verfassungsschutz warnt davor, dass Rechtsextremisten nach wie vor über Anti-Asyl-Veranstaltungen versuchen, Anschluss zu bekommen.

MOPO24 – Wer hätte das geahnt? Was wären wir ohne diese Typen aufgeschmissen!

Der Zusammenhang zwischen scharfem Essen und Sterberisiko war bei Männern und Frauen gleichermaßen ausgeprägt, berichten die Forscher. Allerdings war er bei jenen Teilnehmern deutlich schwächer, die regelmäßig Alkohol tranken.

Am Ende weist der Artikel Scharf essen, länger leben – SPIEGEL ONLINE darauf hin, was ich mir bei reinen Beobachtungsstudien oft denke: Vielleicht ist es ja anders rum – und Menschen mit robusterer Kondition entwickeln einfach häufiger Chili-Appetit als Luschen.

Airbnb would not offer comment on whether it does anything to ensure all of its hosts are still living.

The morbid side of the sharing economy – Fusion | Inklusive praktischer Links zu den Nachlassverwaltungseinstellungen bei Facebook und Google.

Nehmen wir mal an, Sie gehörten bislang zu den »einmal die Woche-Typen«, geben sich jetzt aber viel Mühe und haben sich zu den »einmal am Wochentag-Typen« hochgeschlafen. Ihnen steht also mehr Geld zu. Marschiert man dann ins Chefbüro und sagt: Lieber Herr C., ich habe inzwischen viel mehr Sex als noch vor einem Jahr. Deswegen möchte ich, dass Sie mein Gehalt angleichen?

Karrierefaktor Sex – Nackte Zahlen | Ich habe mir die Sexkolumne der SZ mal in den RSS-Reader gepackt.

Der Verlag begründet die Entscheidung zum einen damit, dass der Schriftsteller Ende, der 1995 verstorben ist, sich nicht mehr dazu äußern könne.

Wort “Neger” bleibt in “Jim Knopf”-Jubiläumsausgabe – SPIEGEL ONLINE | Bleibt nur die Frage, wie sich Michael E. in Bezug auf die Neue Deutsche Rechtschreibung in seinen Büchern geäußert hätte.

Peta hat nämlich jetzt Hermès-Aktien gekauft. Nicht viel (Wert: circa 330 Euro). Aber das reicht, um an Aktionärsversammlungen teilzunehmen und Druck auf Hermès auszuüben, was die Verwendung von exotischen Häuten betrifft.

Wie STYLEBOOK.de berichtet, ist die Tierrechtsorganisation nach den Krokodilstränen um die Birkin Bag Teilhaber beim italienischen Luxusartikelhersteller geworden. Allemal ein besserer Weg als die sexistischen oder noch schlimmeren PR-Stunts, die man sonst von ihnen gewohnt ist.

1970 war das, zwei Jahre nachdem Philip K. Dick die Frage aufgeworfen hatte, wovon Androiden träumen. Fast ein halbes Jahrhundert später bedeutet Feminismus für die meisten noch immer, darüber zu streiten, wer die Brötchen nach Hause bringt – was nicht nur daran liegt, dass die Maschinen, die Firestones Traum ermöglichen sollten, vom Staubsaugerroboter bis zur künstlichen Gebärmutter, noch immer höchstens mäßig funktionieren. Es liegt vor allem daran, dass dem emanzipatorischen Denken überhaupt jede Spur von Technoutopismus abhanden gekommen ist, nicht nur dem Feminismus. Das letzte relevante Update, Donna Haraways berühmtes „Cyborg Manifesto“, ist auch schon dreißig Jahre alt.

Xenofeminismus – Schafft Hunderte Geschlechter! (Es ist ja nicht alles schlecht an der FAZ.)

TV-Tipps zum Wochenende

Jetzt nicht so zum Glotzen, sondern zum Lesen. Zwei Interviews mit Leuten, die sich mit Fernsehen beschäftigt haben, genauer: den Öffentlich-Rechtlichen. Und da läuft in Deutschland so einiges schief.

Auf faz.net/ gibt der Medienökonom Harald Rau Einblick in das schier unüberblickbare Geflecht von Produktionsfirmen, welches ARD und ZDF um sich geschart haben. Und man ahnt es, dieses Dickicht trägt nicht gerade zur Transparenz bei.

Wohin dieses korruptionsanfällige Strukturversagen dann inhaltlich führen kann, hat Berthold Seliger in seinem Buch I Have A Stream: Für die Abschaffung des gebührenfinanzierten Staatsfernsehens beschrieben. Dessen Veröffentlichung ist auch der Anlaß für ein sehr ausführliches Gespräch mit Telepolis (Teil 1 hier, Teil 2 da). Seliger geht wirklich hart mit dem ÖR ins Gericht, manches sehe ich in dieser Konsequenz nicht ganz so drastisch. Aber lesenswert sind seine Gedanken allemal.

Ich bin ja auch kein großer Fan einer Skandalisierung von beispielsweise Steuerverschwendung, denn vielen kommt das einfach als Rechtfertigung für ihre Schwarzgeldpraktiken wie gerufen. Aber bloß, weil ich als prinzipieller Freund des ÖR-Systems eine Bezeichnung der GEZ als “Zwangsfinanzierung” ablehne (im Sinne von: privatwirtschaftliche Propaganda / Man sollte auch bedenken, wo diese Texte erschienen sind), heißt das ja nicht, es wäre mir egal, was mit den Runkfunkgebühren teilweise für ein Unsinn angestellt wird.