Wir haben diesen einen Autoaufkleber immer noch nicht angebracht.

Diese Stelle in Faserland, wo ein Freund dem Protagonisten erklärt, Markenshirts wären die letzte Provokation. Also einfach T-shirts mit den Logos bekannter Marken drauf, keine ironische Verfremdung, kein Witz. Hat mich immer an die Besprechungen in Der Freund damals erinnert. Die haben noch das dämlichste Buch damals schlicht nacherzählt, das sind keine Rezensionen oder Kritiken gewesen. Allerhöchstens zwischen den Zeilen konnte man da schlau draus werden – und am Ende stand immer: »Der Freund empfiehlt XY uneingeschränkt.«

hebbel

Antwort heute: übertrieben affirmative Blogartikel. Einfach alles in den Himmel loben, ohne Geld dafür zu verlangen. Nur damit die ganzen Schranzen mal blöd aus ihrer gesponsorten Wäsche gucken. Können sich schleichen. Diese ganze Professionalisierungsscheiße hat die Blogosphäre doch erst zum Einsturz gebracht.

Das Lied der Medien

Medien, Medien über alles,
Über alles in der Welt,
Wenn es stets zu Schutz und Trutze
Brüderlich zusammenhält,
Von der Bild bis an den Spiegel,
Vom TV bis an den Blog –
Medien, Medien über alles,
Über alles in der Welt!

Quotenfrauen, Leserbindung,
Onlinesucht und Netzempfang
Sollen in der Welt behalten
Ihren alten schönen Klang,
Uns zu edler Tat begeistern
Unser ganzes Leben lang –
Quotenfrauen, Leserbindung,
Onlinesucht und Netzempfang!

Kleinlichkeit und Rechthaberei und Meinungsfreiheit
Für das deutsches Medienland!
Danach lasst uns alle streben
Brüderlich mit Herz und Hand!
Kleinlichkeit und Rechthaberei und Meinungsfreiheit
Sind des Glückes Unterpfand –
Blüh im Glanze dieses Glückes,
Blühe, deutsches Medienland!

ueberalles

(Hymnischer Beifall allerorten für uebermedien.de/ – heute offiziell an den Start gegangen. Auch ich sowie meine gesamte Redaktion wünschen Rosenkranz und Güldenstern Niggemeier alles Gute. Die Drikkington Post empiehlt das „professionelle Angebot von ausgebildeten Journalisten“ uneingeschränkt.)

Es waren einmal…

…märchenhafte Formulierungen:

  • „Das will ich dir sagen“, antwortete der Meister, „hat dir jemand etwas zuleid getan, so sprich nur: ‚Knüppel aus dem Sack‘, so springt dir der Knüppel heraus unter die Leute und tanzt ihnen so lustig auf dem Rücken herum, daß sie sich acht Tage lang nicht regen und bewegen können; und eher läßt er nicht ab, als bis du sagst: ‚Knüppel in den Sack‘.“
  • Wenn ihm jemand zu nahe kam und auf den Leib wollte, so sprach er: „Knüppel, aus dem Sack“, alsbald sprang der Knüppel heraus und klopfte einem nach dem andern den Rock oder das Wams gleich auf dem Rücken aus und wartete nicht erst, bis er ihn ausgezogen hatte.
  • Alsbald fuhr das Knüppelchen heraus, dem Wirt auf den Leib, und rieb ihm die Nähte, daß es eine Art hatte. Der Wirt schrie zum Erbarmen, aber je lauter er schrie, desto kräftiger schlug ihm der Knüppel den Takt dazu auf den Rücken, bis er endlich erschöpft zur Erde fiel.
  • „Wenn du das Tischchendeckdich und den Goldesel nicht wieder herausgibst, so soll der Tanz von neuem beginnen.“ – „Ach, nein“, rief der Wirt ganz kleinlaut, „ich gebe alles gerne wieder heraus, laßt nur den verwünschten Kobold wieder in den Sack kriechen.“
  • „Aber einen solchen nicht, lieber Vater. Sage ich: ‚Knüppel aus dem Sack‘, so springt der Knüppel heraus und macht mit dem, der es nicht gut mit mir meint, einen schlimmen Tanz und läßt nicht eher nach, als bis er auf der Erde liegt und um gut Wetter bittet.

Fairy Tail

Laut Klappenangabe ist die Erstauflage meiner Ausgabe 1937 bei Knaur erschienen. Ich denke wirklich, daß die Texte seitdem bis zu meinem Nachdruck von 1980 nicht verändert worden sind.

Notes KW 52/15

Sieben Crypto-Messenger auf dem Smartphone – und trotzdem kein Anschluss unter dieser Nummer!

Wie ich die Digitalisierung meiner Familie verpasste – Golem.de

Ich mach’s kurz: Das war/wird die letzte Ausgabe der wöchentlichen Linklistenposts. Was nicht heißt, daß ich hier nicht auch in Zukunft die eine oder andere Leseempfehlung abgeben werde. Nur eben nicht mehr als regelmäßige Rubrik. Ein Kommentar zu den einzelnen Verweisen ist ohnehin wünschenswert – und das wird mir ungezwungen in das Korsett eines starren Veröffentlichungsschemas leichter fallen, denke ich.

Zudem ist es ja mittlerweile beileibe nicht (mehr?) so, als wären die Hinweise auf gute Lektüren rar gepflanzt. Zum Weiterbuilding sei an dieser Stelle erwähnt:
empfehlungsgedöns – wirres.net
Digitaler Journalismus – Einmal Kurator sein – Medien – Süddeutsche.de

Gab es „Wir kuratieren uns zu Tode“ schon oder kann ich noch berühmt werden? Bei akutem Entzug verweise ich auf mein Instapaper-Profil – dort fließen die meisten Sachen sowieso halb automatisiert zusammen, bevor sie alle sieben Tage im Blog erschienen sind. Diesen Service werde ich auch weiterhin nutzen, daran liegt es nicht.

Ansonsten: Wo wir gerade beim Thema „abgedroschen“ sind: Vielleicht sollte ich Ein Mann im Haus von Ulla Hahn mal wieder aus dem Bücherregal kramen.