Wird auch Zeit

Aus dem leidlich selbstreflexiven Artikel „Konsum: Brauch‘ ich das?“ dreier Zeit-Redakteure. Darin finden sich noch mehr lesenswerte Sätze wie diese beiden:

Das Kaufen unnötiger Gegenstände war ja von jeher ein mystischer Akt und deshalb auch etwas fragil, kein natürlicher Impuls, sondern ein produziertes Bedürfnis, eigentlich nur möglich, solange es eben alle anderen auch taten und solange man nicht groß darüber nachdachte. Oder das Denken der Werbung überließ, die zwar jeweils nur zu einem Produkt verführen will, in der Summe aber fürs Konsumieren als solches wirbt, die täglich, sekündlich einen ökonomischen Phantomschmerz erzeugt.

Wenn man sich vor Augen führt, daß sowas ja für die eigene Leserschaft (sprich: Zielgruppe) geschrieben wird, dann passt es wieder halbwegs. Was das dann mit dem Claim der neuen neuen Claim der Zeit zu tun hat, weiß ich allerdings nicht.

Suck my Deck

Der nächste Präsenpost. Diesmal geht es nicht vorrangig um das Testen eines Tools zur Erstellung1 von Präsentationen, sondern um ihre Veröffentlichung im Netz. Die Seite muß ganz schick aussehen, alle meine Präsen unter einem Profil versammeln und über eine Embed-Funktion verfügen, das sind die Mindestanforderungen gewesen.

Slideshare ist da wohl immer noch der Platzhirsch, wirkt aber mittlerweile wie ein Friedhof. Anderes ist zu kompliziert zu bedienen oder mutet zu nischig an. Accessibility is king. Letztendlich bin ich also wieder bei SpeakerDeck gelandet. Soviel zum technischen Teil, kommen wir zum Inhalt.

Wobei das eine vom anderen doch recht schwer zu trennen ist, wie der Blogpost „Why we should end the tyranny of the slide“ einer BBH-Strategin zu zeigen versucht. Lesenswert, auch wenn ich nicht mit allem darin übereinstimme. Ich bin mehr der praktikable Typ. Trotzdem habe ich aus diesem Post nicht nur die obige Headline geklaut, aus ihm stammt auch folgendes Zitat:

Think of all the best speeches you’ve ever heard. I bet not a single one of them used PowerPoint. In fact, rendering famous speeches into PowerPoint can produce some pretty silly results.

Das wollen wir doch mal sehen.

Seine Rede

Es gab mal das Projekt, Bücher in Magazinform neu herauszubringen. War eine ganz witzige Idee, das hatte ja nicht nur mit Style zu tun, auch mit alternativen Vertriebswegen. Also habe ich einfach berühmte Reden genommen und die ihnen zu Grunde liegenden Textmanuskripte auf Präsenslides verteilt.

Das sind dann natürlich keine Präsentationen im eigentlichen Sinne, sondern Leseversionen dieser Reden. Kein guter Redner würde seine Präse so gestalten – bilden sie doch einfach 1:1 das Gesagte ab. Insofern sind sie auch kein Gegenargument zu Alice Walkers Kritik an „PowerPoint Thinking“. Sie gießen lediglich den Inhalt in eine andere Form.

Was auch gut als Veranschaulichung dienen kann, daß es die PowerPoint nicht gibt. Auch in meinem Job bräuchte ich eigentlich jede Präsentation in zweifacher Ausführung: Die erste läuft pointiert und unterstützend synchron zur gesprochenen Vorstellung ab, eine zweite wird danach in aller Ausführlichkeit verschickt. Wer weiß, wem die Datei nach der eigentlichen Präsentation noch zugespielt wird. Als spätere Entscheidungsgrundlage muß das Ding selbsterklärend sein und auch ohne begleitende Tonspur funktionieren.

Englische Reden von Churchill bis MLK, die mir in den Sinn kamen, schienen mir ziemlich durchgenudelt. Weshalb ich „Seine Rede“ als Reihe auf Deutschsprachiges beschränke. Weitere Ausgaben könnten sein:

  • Roman Herzogs Ruckrede
  • Göbbels Sportpalastrede
  • Martin Walsers Paulskirchenrede

Allerdings habe ich die ersten beiden quasi so nebenbei in einer ausgangsbeschränkten Urlaubswoche zusammengezimmert. Ich kann also nicht mit sicherheit sagen, ob es noch weitere Teile geben wird.

In Shop gemeißelt

Leseliste zu Offline-Geschäften, komme gerade nicht dazu, etwas darüber zu schreiben. Statt eines ausufernden Kommentars hier also einfach die Links:

Ziegel & Mörtel klingt im Deutschen auch nicht besser als ❝stationärer Handel❞.

Sich in seiner Almänlichkeit gekränkt fühlen

Hatte dieses Büchlein seit Ewigkeiten im Warenkorb liegen. Aber da ich nur alle paar Monate mal bei Amazon einkaufe, war ich nicht dazu gekommen, es auch wirklich zu ordern. Bis Amazon mir eine Mail schickte, es wäre nicht mehr bestellbar. Da kaufte ich es sofort direkt über den Verlag.

Ein Kartoffelgericht by -drik S. on 500px.com

Alles, was in diesem Kartoffelgericht steht, ist übrigens wahr – auch, wenn ich mit einigen Halbsätzen im Müll-Kapitel nicht komplett übereinstimme. Aber das ist ja mein Problem.

Rest In Screenshot vs. Scroll In Peace

Von der Partei der immobilienschweren Startupfutzis, gewissenlosen Zahnarztsöhninnen und überambitionierten BWLer erwarte ich inhaltlich wenig anderes, obwohl so ein empathieloser Tweet einen Tag vor Weihnachten selbst für eine „liberale“ Politikerin bemerkenswert merkbefreit ist.

Was mir bei solch einer Äußerung der u.a. bildungspolitischen Sprecherin der FDP-Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag auch unangenehm auffällt: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Also immerhin schon zwei Gründe, sich diesen Film in der besinnlichen Zeit zwischen den Jahren mal wieder anzusehen.

Anita Klahn hat ihren Tweet übrigens gelöscht, weil „der Kontext nicht klar erkennbar war und zu Fehlinterpretationen führte„. Aus keinem anderen Grund.