Wahre Worte, Teil 17

Der Hass vieler Journalisten auf die Gewichtung nach Likes und Algorithmus ihrer Inhalte kommt auch davon, weil diese Gewichtung wie ein Spiegel ihnen die abgründige Fratze des Geschäftsmodells ihrer Publikationen vorhält.

Massenmedien & Social Media: „Cybernetic feedbackloop predicated on sensationalism“

Update:
Dazu auch sehr interessant: Georg Seeßlen auf neues-deutschland.de) über den Rechtsruck im Journalismus.

Threads

War ich noch nie ein Fan von. Weil mehr als drei zusammenhängende Tweets zu lesen einfach nervig ist. Sollte mich so ein Inhalt wirklich dermaßen brennend interessieren, dann behelfe ich mir mit dem Service Thread Reader App. Einfach den Startlink des Threads eingeben oder noch einfacher: dem Starttweet inklusive @threadreaderapp und dem Keyword „unroll“ replyen, schon bekommt man die einzelnen Sätze als Gesamttext zugelinkt.

Daß man die dann wiederum per c&p-Code auf anderen Websites einbetten kann, war mir gerade allerdings nicht aufgefallen. Praktisch.

Zumindest eine Anwendung, für es nach dem Aus von Storify also einen – und dann gleich halbautomatisierten – Ersatz gibt.

1977

Unser Lieblingsenglischwörterbuch Merriam-Webster hat ein Tool an den Start gebracht, mit dem man für jedes Jahr sehen kann in, welche Begriffe damals zum ersten Mal Eingang ins Register gefunden haben. In meinem Geburtsjahr sind das z.B. gewesen:

upload/download, techy, strip mall, shopaholic, shark repellent, scratch ticket, punker, PC, parachute pants, money shot, Moore’s law, medical marijuana, karaoke, headbanger, Gatsbyesque, gamer, fast fashion, Ebola, ear candy, deconstructionism, decontextualize, cringeworthy, buzz cut

Ziemlich aufschlußreich, wie ich finde.
(via)

Konsum & Verhalten

Ein kurzer Animationsfilm und zwei lose dazu passende Links.

Das war’s schon. Happy?

Ein ströerischer Esel

BuzzFeed News berichtet, wie die Firma »Ströer Millionen Facebook-Fans heimlich für Werbung benutzt«, indem sie auf ehemals leidlich beliebten Pages wie »Unnützes Wissen oder Kinder der 90er« Links zu zahlenden Kunden postet, ohne diese als »Anzeige« zu kennzeichnen. Von über 60 Pages und mehr als 50 Mio Fans ist die Rede – wobei das nicht lange so bleiben wird, denn diesen dermaßen gemolkenen Communities laufen die Likes in Scharen davon.

Mindestens 33 Facebook-Seiten in Ströers Portfolio haben nach Berechnungen von BuzzFeed News eine Interaktionsrate von 0.00%. (…) Zu den Kunden von Ströers Klick-Seiten zählen große deutsche Medienunternehmen wie Axel Springer, Burda, Gruner und Jahr, RTL und der Spiegel Verlag.

Von BuzzFeed darauf aufmerksam gemacht, beeilen sich viele dieser Kunden um eine Distanzierung vom Gebaren Ströers. Und in der Tat dachte ich hier zuerst an eine perfide Doppelstrategie des »Werbegiganten«: Denn die »Ströer Social Publishing GmbH bezeichnet sich selbst als ‚führenden Online Social Publisher in Deutschland’« mit einem durchaus nicht unerheblichen Eigenangebot an Content.

D.h. Ströer liefert seinen Werbekunden nicht nur mitunter fragliche Klicks, die langfristig auf das Image von Seiten wie Bento abfärben könnten. Gleichzeitig gibt sie selbst nämlich Konkurrenzangebote wie watson.de (Ströer Next Publishing GmbH), giga.de (Ströer Media Brands GmbH) oder das notorische t-online.de (Ströer Digital Publishing GmbH) heraus. Und es muß doch einen Grund geben, warum diese Plattformen den hauseigenen Werbedienstleister nicht in »Anspruch« nehmen, dachte ich mir.

Ströer zerstört mit diesem Vorgehen nicht nur einen Teil der deutschen Facebook-Kultur, sondern rückt auch die Verlagskunden in ein schlechtes Licht.

»…deutsche Facebook-Kultur zerströert…«

Ich habe ja keine Ahnung, die W&V klärt mich zum Glück auf:

Gerade bei Kunden aus dem Medienbereich dürfte sich das ein oder andere Gegengeschäft unter den verlinkten Lesetipps finden. Immerhin ist auch das noch junge Portal Watson.de aus dem Hause Ströer auf der Suche nach Usern. Ein Link für Bento bei Unnützes Wissen auf Facebook, im Gegenzug ein Post für Watson.de im Bento-Reich – ein nicht unüblicher Deal im Medienbereich. Bei dem kein Geld fließen muss.

Fragt mich nicht, wer hier am Ende was verdient. Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg hat jetzt zumindest ein Verfahren gegen die Ströer-Tochter wegen des Verdachts auf Schleichwerbung eingeleitet.