„LinkedIn, for people who don’t blanch at using network as verb.“

Drei Zitate aus Tara Isabella Burtons Artikel Cover Stories:

Public-facing social media tends to be geared toward IRL friends, as with Facebook, or toward strangers we would like to be connected to for professional reasons — Twitter, for journalists; Instagram, for would-be bloggers and influencers; LinkedIn, for people who don’t blanch at using network as verb. On these platforms, strategic personal branding in images and slogan-like bursts of text took over from baroquely constructed bildungsromans.

But the intrusion of wider market forces — the capitalist appropriation of personal self-expression as a vehicle to sell oneself as product — has also rendered the story we tell about ourselves online less unfiltered, less governed by our wants and more by how we want (and perhaps even financially need) others to see (and hire, and like) us. The part of our online performances that serve as a résumé can seem inseparable from the parts that are expressive or aspirational.

Das von Snapchat finanzierte (und hier schon des Öfteren erwähnte) Online Magazin, auf dem der Artikel erschienen ist, heißt ausgerechnet — Real Life.

The irony that is so necessary to my “personal brand,” the half-intentional dissonance that comes when contrasting my Facebook photos of drunken outings with the articles I post on LinkedIn, is at once freeing and disarming: The more I am able to be myself through the refractions and juxtapositions that online presence across platforms affords us, the less I feel I can safely mean what I say.

Wobei die gewonnene Erkenntnis jetzt nicht allzu neu ist. (Also vielleicht doch besser gleich kellnern gehen.)

’sch weiß

Vorgestern machte zu meinem Erstaunen dieses Stück die Runde: Trial Balloon for a Coup? Ein ziemlich wirres Zusammengeschreibsel aus Vermutungen und Möglichkeiten mit ziemlich vielen hätte, wäre, könnte drin. Gestern dann haben zwei Texte mein Unwohlsein damit bestätigt. Zum einen Weak and Incompetent Leaders act like Strong Leaders von Tom Pepinsky, der Yonatan Zungers Theorie einfach dadurch relativiert, wie es auch sein könnte. Und seine Sicht der Dinge klingt um einiges plausibler.

Der andere Text geht ins Grundsätzliche, Torsten Kleinz‘ Citation needed. Die von ihm erwähnte photoshopvergrößerte Hoaxhand ist nur ein Beispiel von in letzter Zeit gehäuft vielen. Leute, die sich bis vor zwei Monaten noch köstlich über Verschwörungstheoretiker amüsiert haben, retweeten nun fröhlich drauflos, wenn es nur stimmig genug ihren Weltbildschirm passt.

Das täglich in sozialen Medien zu beobachtende Gruppendenken und die damit verbundene Mob-Mentalität sind nicht mehr zu ertragen. Es spielt dabei keine große Rolle, ob die Intentionen „gut” sein mögen, oder ob es sich um böswillige Zusammenrottungen von Fanatikern und Trollen handelt. Die Effekte sind immer problematisch, weil sie Differenzierungen unmöglich machen.

Schreibt Martin Weigert in seinem Abgesang Social Media: * 2006, † 2016. Allerdings nicht gleich problematisch, so wie Hillary nicht genauso schlimm wie Trump gewesen wäre. (Und seine „nüchterne Kosten-Nutzen-Kalkulation“ sozialer Kontakte ist natürlich schlimmste Networking-Ökonomie-Denke.)

Wohl nur ein kurzzeitiger Erfolg: Wie Verschwörungstheoretiker die Google-Suche manipulieren.

Letztens gab es doch so einen Aufruhr, daß die jungen Menschen nicht mehr zwischen echten Suchergebnissen und GoogleAds, zwischen redaktionellem Inhalt und Content Marketing unterscheiden – die Studie(n) sagt/en „können“, ich bin eher für „wollen“. Nun heißt es auf Futurezone Jugendliche tun sich schwer, Fake News im Netz zu erkennen. Und das wird wohl in Zukunft nicht besser, wenn ich mir Trumps wissenschaftliche Streichliste ansehe oder andere Entwicklungen im US-Bildungssektor wie Betsy DeVos‘ approval as secretary of education sparks debate over future of education und Jerry Falwell Jr. Asked to Lead Trump Higher Education Task Force.

Vielleicht sollte man die ganze Böhmermann/Varoufakis-Sache im Lichte der letzten Zeit noch einmal durchdenken. Aktuellen Anlaß könnte auch Möchtegern-Breitbart Matthias Matussek liefern.

Maybe they just give a bloody catshit about it?

Most students can’t tell the difference between sponsored content and real news, berichten die Jungs von The Verge. So ist dann wohl auch t3n auf die Meldung aufmerksam geworden: 80 Prozent der Jugendlichen können News nicht von Werbung unterscheiden (Wer es deutsch braucht.) Vielleicht lesen sie ja wirklich die Uni-Website von Stanford täglich rauf und runter. Den Artikel des Wall Street Journals, auf den Verge sich bezieht, verlinken sie jedenfalls nicht. Ihre eigene Quelle übrigens auch nicht.

Es heißt, gerade Digital Natives können Native Advertising nicht erkennen. Das gilt nicht nur für Nachrichten, sondern auch in Bezug auf Suchmaschinen. Dabei wäre es wohl richtiger, statt von „können nicht unterscheiden“ schlicht von „unterscheiden nicht“ zu sprechen. Jugendlichen ist es einfach egal, ob etwas als gekaufte Google-Werbung oder organisches Suchergebnis erscheint. Ob der Text hinter dem Klick ein Artikel mit unabhängigem Informationswert oder geschicktes Content Marketing ist. Was die Diskussion um FakeNews in gewisser Weise ad absurdum führt.

Aber bleiben wir bei Google: “I thought they stopped offering autocomplete suggestions for religions in 2011.” zitiert Carole Cadwalladr einen Searchexperten in ihrem langen Text für The Guardian: Google, democracy and the truth about internet search. Was ein ziemlich billiger Weg der Problemkaschierung wäre. Sobald man nach Fakten sucht und einem Interpretationen präsentiert werden, können die Resultate (nicht nur für Juden und Frauen) abstrus bis ärgerlich werden.

Nun ist der Guardian nicht immun gegen die Versuchungen der netzweltlichen Aufmerksamkeitsmechanismen. Genau eine Woche später veröffentlicht Cadwalladr eine zugespitztere, erheblich kürzere Opinion zum selben Thema: Google is not ‘just’ a platform. It frames, shapes and distorts how we see the world. Was auch nichts daran ändert, daß besonders das Holocaust-Beispiel natürlich mehr als besorgniserregend ist. Gerade im Zusammenhang mit den eingangs erwähnten Studien. Die Auswirkungen falsch verstandener Meinungsfreiheit und sieht man auch in den USA, siehe Google won’t remove white supremacist site from top search result about Holocaust auf McClatchy DC.

Und noch einmal zwei Tage später dann auch endlich die Übersetzung auf deutsche Verhältnisse bei Vice | Motherboard: Fake News zum Holocaust sind noch immer Top-Treffer auf Google – natürlich ohne Hinweis auf den Auslöserartikel, dafür mit Screenshots in anderer Sprache und brav ergänzt um Standpunkte aus offiziellen Google-Publikationen. Wegen Ausgewogenheit und so, ne? Personalisierung ist übrigens weder hier noch da eine Argument oder auch nur erwähnt. Auf Englisch habe ich vor Tagen andere Ergebnisse bekommen als und gerade auf Deutsch scheint Google etwas getan zu haben.

Ich tippe auf manuellen Einzeleingriff statt komplexer Algorithmusänderung. Doch sobald konkret irgendwas gegen zuerst Hatespeech und jetzt FakeNews unter- oder nur in Angriff genommen wird, kann man sich des reflexhaft gerufener ZENSUR!-Vorwürfe sicher sein, selbst für die scheinbar gute Sache. Auf das mit dem Werbegeld ist dann weitere sechs Tage auch gekommen: How to bump Holocaust deniers off Google’s top spot? Pay Google. Denn wer sagt, daß man nicht gleichzeitig ein monothematischse Pferd zu Tode reiten kann, während damit die Sau durchs digitale Dorf getrieben wird?

Derweil nimmt der Deutschunterricht meiner Tochter das Thema Werbung durch. Und zwar genauso, wie das zu meiner Schulzeit gemacht worden ist – mit aus Zeitungen und Magazinen herausgerissenen 1/1-Anzeigen. Weil es materialtechnisch so schön einfach ist; die Schüler sollen einfach was mitbringen, was man dann gemeinsam analysieren oder einzeln hausaufgeben kann. Da lernen sie dann, was eine Headline ist. Nennen den Claim aber weiterhin Slogan. So soll mein Kind Medienkompetenz lernen.

Das war schon immer so – nur geht es mittlerweile (nicht nur) an der Mediennutzung einer 13jährigen vorbei, die sich alle Jubelmonate mal die Print-Mädchen kauft und höchstens einmal pro Woche vor dem Fernseher sitzt. Stattdessen mindestens fünf Stunden pro Tag am Smartphone. Aber davon haben die Lehrer keine Ahnung, da steht nix von in den Schulbüchern. Kein Wort über Influencer Marketing auf YouTube und Snapchat, das die Kids dermaßen bereitwillig aufnehmen, daß es selbst mir als Branchenzugehöriger gruselig den Rücken runterlief. Obwohl Greta bereits in der Grundschule wusste, welchen Text ich hören wollte, wenn bei SuperRTL oder Nickelodeon der Werbeblock anfing. Den musste sie abspulen, um nicht umschalten zu müssen.

Ob es sie interessiert oder nicht.

das wohl des piepens

Nun gut, im Moskauernden Exil hat man ja wahrscheinlich sonst nicht viel zu tun, da kann man auch mal an Twitters PR-Event zum Pushen seier irgendwie auch einschlafenden Live-Video-Broadcasting-App teilnehmen.
Twitter’s Jack Dorsey will interview Edward Snowden Tuesday morning on Periscope – Recode

Immerhin hat der Twitter CEO sich nicht zum ersten Mal auf die gute Seite geschlagen. Auch wenn ihm viele sein Eintreten für Meinungsfreiheit als „defending harrasment“ auslegen. Dafür scheint er bei Trumps Techgipfel nicht mit dabeizusein.
As Trumplethinskin lets down his hair for tech, shame on Silicon Valley for climbing the Tower in silence – Recode