*löscht alle wortspielerischen Headline-Ideen mit „Snap“ statt „Schnapp“ zum Glück wieder, bevor er auf „Publish“ klickt*

Seit einem Jahr nutze ich Instagram nicht mehr. Mir fehlte die chronologische Timeline. Und die nervige Werbung wurde auch immer mehr. Nach 1000 Bildern war am 21. Mai 2016 für mich Schluß. Also schon ein paar Monate, bevor die Facebook-Tochter mit Stories zum Snapchat-Klon wurde.

Genau dieses Feature steht jetzt auch im Mittelpunkt der von Wieden+Kennedy Amsterdam entwickelten Kampagne für Instagram. Ein bis zwei Motive sind halbwegs witzig, aber das meiste ist eher geht so. Die Filmchen wirken auf jeden Fall besser als die statischen OOH-Motive, die man in den vergangen Wochen auf innerstädtischen CLPs zu sehen bekommen hat.

Wer hierzulande allerdings auf die Idee gekommen ist, den internationalen Claim „Stories are everywhere“ auf deutsch mit „Jede Story zählt“ zu übersetzen, der kann sich im Beraterkeller die goldene Adaptionsklobürste abholen gehen.

Ich wäre das ja insgesamt etwas mutiger angegangen. Aber kaum bastelt man was, ändert Snapchat ein paar Tage später das Design.

Add me.

#rp17

So aus der Ferne betrachtend kann ich immer nur kurze Blicke in die Timeline werfen.

Meine diesjährige re:publica passt bisher also gut und bequem in zwei Tweets.

Vielleicht dann nächstes Mal wieder. LOL

1 Frage der Technik

The bro C.E.O. does what you’d expect an immature young man to do when you give him lots of money and surround him with fawning admirers — he creates a culture built on reckless spending and excessive partying, where bad behavior is not just tolerated but even encouraged.

Jerks and the Start-Ups They Ruin – The New York Times stellt fest, daß Machokultur jetzt nicht so die beste die Art der Unternehmensführung ist. Und nicht etwa, weil es damit kein Alleinstellungsmerkmal gibt.

Ein weiterer Artikel der New York Times schreibt unter der Überschrift How White House Echoes Tech:

The Trump campaign intended to remain sparse and decentralized. Borrowing a Silicon Valley mantra from Facebook, he told his shocked listeners that “your job is to move fast and break things,” according to a person who was present. “Figure out what needs doing, and then just do it. Don’t wait for permission.”

Ein und eins zusammengezählt: Peter Thiel und Elon Musk gefällt das.

Mr. Trump is, in many ways, the first genuine Silicon Valley start-up candidate and president. But is it a good or a bad thing if Mr. Trump becomes the first political unicorn?

Nicht zuletzt, weil auch nach dem Amtsantritt Trumps viel Kommunikation über Social-Media läuft, bemerkt die Washington Post: „In many ways, the first weeks of the Trump White House have resembled a chaotic tech start-up.“

Mathias Richel bescheinigt in einem Gastkommentar auf capital.de, „Trumps Twitter-Manie zerstörerische Wirkung auf die frei Meinungsbildung (…) Aus Marketingsicht könnte man also sagen, dass er alles richtig macht.“ Möge sich Richels Hoffnung auf eine wehrhafte Demokratie bewahrheiten.

Seiner Intrepretation der seit einiger Zeit wieder steigenden Auflagenzahlen als Rückkehr des Qualitätsjournalismus „vielleicht stärker als jemals“ kann ich nicht ganz so zustimmen. Natürlich bringen rechte Aufreger Quote. Und was ich weiß ist, die zum Glück sinkenden Umfragewerte der AfD haben wohl unterschiedliche Ursachen – aber ihre Dauerauftritte in deutschen TV-Talkshows stehen da sehr weit unten auf der Liste. Wenn sie nicht sogar kontraproduktiv sind.

„LinkedIn, for people who don’t blanch at using network as verb.“

Drei Zitate aus Tara Isabella Burtons Artikel Cover Stories:

Public-facing social media tends to be geared toward IRL friends, as with Facebook, or toward strangers we would like to be connected to for professional reasons — Twitter, for journalists; Instagram, for would-be bloggers and influencers; LinkedIn, for people who don’t blanch at using network as verb. On these platforms, strategic personal branding in images and slogan-like bursts of text took over from baroquely constructed bildungsromans.

But the intrusion of wider market forces — the capitalist appropriation of personal self-expression as a vehicle to sell oneself as product — has also rendered the story we tell about ourselves online less unfiltered, less governed by our wants and more by how we want (and perhaps even financially need) others to see (and hire, and like) us. The part of our online performances that serve as a résumé can seem inseparable from the parts that are expressive or aspirational.

Das von Snapchat finanzierte (und hier schon des Öfteren erwähnte) Online Magazin, auf dem der Artikel erschienen ist, heißt ausgerechnet — Real Life.

The irony that is so necessary to my “personal brand,” the half-intentional dissonance that comes when contrasting my Facebook photos of drunken outings with the articles I post on LinkedIn, is at once freeing and disarming: The more I am able to be myself through the refractions and juxtapositions that online presence across platforms affords us, the less I feel I can safely mean what I say.

Wobei die gewonnene Erkenntnis jetzt nicht allzu neu ist. (Also vielleicht doch besser gleich kellnern gehen.)