Pick Data

Damit in Deutschland etwas als Mißstand anerkannt wird, muß immer erst mindestens ein unbescholtener Bürger darunter leiden, der »seit Jahren bei einem renommierten Weltunternehmen in Baden-Württemberg angestellt, verheiratet ist und sich ehrenamtlich bei einer Hilfsorganisation engagiert.« Erst dann hat man den richtigen Aufhänger, um über Zusammenarbeit mit umstrittenem Anbieter: Bahn gibt Kundendaten weiter zu berichten.

Den von der Datensammelei am härtesten Betroffenen wird in den seltensten Fällen eine Stimme gegeben. Die rühmliche Ausnahme bildet hier z.B. ein lesenswerter Artikel aus The Atlantic | How Big Data Harms Poor Communities.

Das braucht man gar nicht als US-amerikanische Zustände von sich schieben. Schließlich sind wir ja alle Weltbürger. Wobei das Wort für internationale Jetset-Elite und vor Krieg bzw. Armut Geflüchteten sicherlich ganz unterschiedliche Bedeutung hat. Wo es auch hinführt.

Keiichi Matsuda hat das Setting im Vergleich zu seinem letzten Video zu dem Thema vor immerhin sechs Jahren richtigerweise internationalisiert. Wer das nun als Horrorvision einer weitweit entfernten Zukunft abtun möchte, der sei auf die Probleme von Public Face Recognition in Russia hingewiesen – und zwar im Hier und Jetzt.

#rpTEN

Was auch immer die re:publica in ihrem Jubiläumsjahr angestellt haben mag (und irgendetwas ist selbstsicher an den eigenabartig motiviertesten Vorwürfen dran) – für die Entscheidung, den stinkenden Raclettestand vom Gelände zu verbannen, gebührt ihnen auch dann mein unendlicher Dank, obwohl ich gar nicht vor Ort war.

Vielleicht ändert sich das ja nächstes Jahr wieder. Bis dahin, käselose Grüße aus der Hauptstadt des Klüngels.

support your localhost. not.

Immer wieder Peak Apple, jedes Jahr auf’s Neue. Wie schlecht die Produkte aus Cupertino auch werden mögen, ich werde wohl allein aus dem Grund nie wechseln, weil dann meine Ausrede „kann kein Windows/Android“ nicht mehr funktionieren würde. Und Walled Garden hin oder her – die Vermeidung elterlichen IT-Supports hat nun einmal oberste Priorität.

Die Sprachpolizei informiert (1):

Eine Ironie, die nicht missverstanden werden kann, ist gar keine.

Du hast doch den Quell offen!

Mir geht Gunter Dueck ja schon seit Jahren komplett auf die Nerven. Seine berechnend verpeilt ummantelte Vortragsart, die sein – nein, nicht Besserwissertum, sondern sein – Allwissenheitsgehabe sympathischer wirken lassen soll. Noch ätzender finde ich wohl nur noch, wie es dieser vor Wirtschaftsfreundlichkeit strotzende Effizienzfanatiker dabei schafft, die Lacher und den Applaus vieler achsoalternativen Opensourcegesellschaftler in diesen konferenzüblichen Publika abzugreifen.

Insofern sehe ich mich zu einer Respektabringung genötigt dafür, daß Dueck innerhalb seiner jüngsten Auslassungen über Cargo-Kulte deutlich Position gegen das in sich für linksprogressiv haltenden Netzkreisen einiger Beliebtheit erfreuende bedingungslose Grundeinkommen bezogen hat. Auch wenn ich das in der Sache etwas anders sehe.

fwd: re:

In schnöder Regelmaßlosigkeit beschweren sich Leute über Anrufe. Nicht nur über Werbeanrufe, nein, generelle über jegliche Kontaktaufnahme via Telephon. Vor einigen Monaten erst bin ich wieder über zwei Texte gestolpert, die sich darüber echauffiert haben. Überhaupt sei synchrone Kommunikation ja strukturelle Gewalt etc. Ich finde sie jetzt leider nicht mehr wieder, wollte aber schon damals einwerfen, daß beide Rants hinter einer Fassade des sich kontaktscheu gebenden Nerds eigentlich nur so vor Selbstbeweihräucherung gestrotzt haben. Der kaum verhohlene Tenor bei beiden: Ich bin so busy und habe Wichtigeres zu tun.

Sowas wird zumindest in meiner Filterbubble gerne geteilt oder wenigstens aufgegriffen. Jemand schreibt irgendwas auf Facebook über einen verspäteten Flieger oder Boardingprobleme und sofort überbieten sich die Businesskasper in den Kommentaren von wegen Senatorstatus wäre nichts mehr wert. Und wenn man den nicht aufweisen kann, wird eben irgendeine an den Haaren herbeigezogene Analogie zum Schienenverkehr herbeigezogen – nur um hierbei superbeiläufig seine Bahncard 100 ziehen erwähnen zu können. (Denn ja, es sind nahezu ausschließlich Männer.)

Egal wie Firmen auf Kritik reagieren, irgendjemand verlinkt sofort den Wikipedia-Artikel zum Streisand-Effekt. Und worauf sich die digitale Achso-Avantgarde ebenfalls allzeit einigen kann, ist das E-Mail-Bashing.

Dem modernen Sisyphus würde man keinen Stein mehr geben, damit er ihn auf ewig erfolglos einen Berg hinaufrollen muss. Stattdessen würde man ihm einfach eine Mail-Adresse geben und Inbox Zero verordnen.

So weit, so unterhaltsam Jan Tißler in seinem Upload Magazin. Daß dann aber nicht subtil zwischen den Zeilen, sondern dick und fett zwischen den Absätzen für den Upload-Newsletter geworben wird, scheint mir alles andere als ironisch gemeint. Aber wie gesagt, am schlimmsten sind die vier Kommentare unter dem Artikel. Hölle, das sind die Reaktionen der anderen.

beyonce

Übrigens heiße ich auf Snapchat nicht drikkes.