tl;dt (special edition)

Ergänzend zur Frage nach dem Adressaten. Eigentlich wollte ich auf diesen Tweet vorgestern antworten, habe es in weniger als 140 Zeichen aber nicht zufriedenstellend hinbekommen.

@GabrielBerlin Möglicherweise, weil es in der angepeilten Zielgruppe Sillicon Valley mehr Millionäre gibt, die sich neben all dem hippen Tech-Entrepreneurism bisher einfach nicht um Kopfhörer gekümmert haben, als sich derart kaufkräftige Soundfetischisten finden, die mal eben ihren “alten” Hörer für $1200 gegen ein noch teureres Modell tauschen – und die gleichzeitig auch noch TechChrunch lesen?

r.i.p. Twitter background wallpaper

Auch, wenn der Nachruf auf engadget.com/ vielleicht etwas früh kommt. Nach der letzten Umgestaltung der Profilseiten war bei Twitter vom Hintergrundbild sowieso schon kaum noch was zu sehen. Nur in der Einzelansicht eines Tweets kommt es noch ein wenig zur Geltung. Und das bleibt erstmal auch so.

riptwitterbackground

Aber gut, das liegt (bei mir) natürlich auch an der motivischen Eigenart des Bildes. Was noch nervt, ist das Zumüllen jeder Fläche mit Anzeigen à la “while you were away” und “this could interest you too”.

Benachrichtigung / Bevormundung

Einstieg // Das Update auf Unicode 8.0 wird neue Emojis bringen, unter anderem Einhörner und Metalgesten. Instagrams Engineering Blog liefert nach dem Klick auf die Graphik ein paar erstaunliche Zahlen zur Emojinutzung.

Umstieg // Dirk von Gehlen meint, wir hätten “noch nicht so richtig verstanden, wie man das Internet einsetzt. Wir versuchen uns in Techniken … wir betrachten das Netz wie ein Medium, das klassisch verbreitet wird.” Er schmeißt dabei fröhlich die Digitalisierung, das www und andere Begriffe durcheinander. Oder verengt zumindest die Perspektive unsachgemäß.

Dazu The Awl mit einem langen Text über die auf “mobile first” aufbauenden Smartphone-Entwicklungen, von Apps hin zum Betriebssystem unter dem Stichwort “parent platform”. Die deutsche Schmalspurversion des Artikels gibt es auf ZEIT ONLINE.

Das ist als Beschreibung sich abzeichnender Technik- und Usertrends scharf beobachtet und wohl auch ziemlich richtig. Und von Gehlen würde sicher zustimmen. Nur beschreibt es eben lediglich einen Ausschnitt – mag er auch die Speerspitze sein. Aber das ist nicht alles, wie Jeremy Keith in Journal—Web! What is it good for? festhält.

There will always be some alternative that is technologically more advanced than the web. First there were CD-ROMs. Then we had Flash. Now we have native apps. Each one of those platforms offered more power and functionality than you could get from a web browser. And yet the web persists. That’s because none of the individual creations made with those technologies could compete with the collective power of all of the web, hyperlinked together.

Der Permalink ist eine tolle Sache. Universelle Erreichbarkeit ist etwas, das man nicht leichtfertig für die nächste Techmode aufgeben sollte. Nicht mehr funktionierende URL-shortener, Spotify als gated community oder – um etwas Positives zu bringen – DuckDuckGo sind Beispiele dafür.

Das muß nicht heißen, man könne nicht über Browser hinausgehen bzw. -wachsen, aber man sollte immer eine Access Backdoor zumindest mitdenken. Das hat auch nicht wirklich etwas mit der von Martin Weigert diagnostizierten Webnostalgie zu tun. Die besten Features aus der Pionierzeit in die Zukunft hinüberretten zu wollen, bedeutet nicht gleichzeitig Fortschrittsfeindlichkeit.

Twitter etwa ist für Vieles zu kritisieren. Doch trotz Apps und Notifications ist jeder einzelne Tweet auch per Link erreichbar – ohne Account, auf jedem Device. Sie haben die Archive zugänglich gemacht und – naja – die Suchfunktion verbessert. (Zum Brocken Facebook dann vielleicht mal gesondert ein paar Worte, wollte eh noch was zum IndieWeb schreiben.)

Ausstieg // Christoph Kappes: Sieben Sünden der Internetgesellschaft – plus interessanter Anmerkungen dazu von Hack und Bov.

ZU WÜNSCHEN

In wenigen Tagen feiert dieser Tweet Geburtstag, er ist mittlerweile sechs Jahre alt – in Internetzeit gerechnet eine halbe Ewigkeit.

Der Satz ist damals nicht nur zu Jubiläen gerne zitiert worden, wobei “von offizieller Seite” gerne der Kommafehler korrigiert worden ist. Er taucht mittlerweile um ein paar Ausrufezeichen erweitert als Signatur bei irgendwelchen PC-Forumsusern auf. Oder er steht in einer alphabetisch geordneten Sprüche-Sammlung zwischen “Ihgitt, du hast meinen Löffel abgeleckt.” – “Meinen Schwanz nimmst du in den Mund und bei sowas sagt du “ihgitt”?” und “Im Bett ist immer gutes Wetter.” Immerhin buchstäblich unverändert.

Und jetzt?

Wenn Sascha Lobo in seiner letzten Kolumne in Sachen Digitalpolitik zum Mittel der Publikumsbeschimpfung greifen muß, dann ist Verdrossenheit längst in Resignation umgeschlagen. Daß ihm dabei einiges durcheinandergerät, ist freilich dem Krautrübencharakter dieses Themenkomplexes geschuldet.

In Sachen Massenüberwachung (Bürgerrechte) und Vorratsdatenspeicherung (Innenpolitik) hat er sicher recht. Das hat sogar mich dazu gebracht, meine erste Frage auf abgeordnetenwatch.de/ zu stellen – die Prof. Dr. iur. Heribert Hirte (CDU) bis jetzt nicht beantwortet hat.

Bei anderen Aspekten wie etwa der Netzneutralität oder dem Breitbandausbau sehen ich allerdings die Wirtschaft viel stärker in der Pflicht. Mit dem Verweis auf den internetunternehmungslosen DAX deutet selbst Lobo in diese Richtung. Man kann nicht alles dem Wähler in die Schuhe schieben.

Tarifpreise schließlich sind – verglichen mit anderen Problemen – ein Verbraucherschutzthema aus der zweiten Reihe. Und wenn behauptet wird, »es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen Landflucht von Jugendlichen und langsamer Netzanbindung«, dann schießt das doch weit über das Ziel hinaus. Denn so sehr die Digitalisierung in vielen unserer Lebensbereiche immer größeren Raum einnimmt, soll sie sich mal nicht so aufspielen.

Von der Ehe für alle über die Situation der Hebammen bis zur beschämenden Flüchtlingspolitik.

Bildlich gesprochen

Photos sind toll, sicherlich. Man denke nur an das Gekachel bei Pinterest, das überdurchschnittliche Engagement der User auf Instagram, den gefühlt 99%igen Bildanteil auf Tumblr etc. Und es ist ja kein Geheimnis, daß auch auf Facebook die mit einem Photo versehenen Statusupdates besser laufen, also mehr Likes, Comments und damit Views generieren. Das ist auch alles okay so und hat seine Berechtigung.

Selbst die oft belachten visualisierten Sinnsprüche. “Ein Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag” – in Comic Sans über einen aus der Google-Bildersuche geklauten Sonnenuntergang geschrieben. Geschenkt, die finden schließlich auch ihr Publikum.
Und nun Twitter.

Twitter bildet für mich immer noch die Ausnahme, obwohl der Dienst mit der Zeit den visuellen Aspekt immer mehr betont: größere Bilder im Stream, eine eigene Profilrubrik, nativer GIF und Videoupload… Ich will das eigentlich nicht, dafür gibt es doch nun wirklich genug andere Plattformen. Deshalb bevorzuge ich auch immer noch Tweetbot (Mac & iPhone) gegenüber den offiziellen Apps oder der Twitter-Website. In dessen Settings gibt es die Möglichkeit, bei der Anzeige von Image Thumbnails zwischen Large, Small oder None zu wählen. Und ich bin kurz davor, von der zweiten auf die dritte Option zu wechseln.

Unter anderem, weil immer mehr Menschen – aber vor allem Verlage – meinen, ihre Eigenwerbung Links zu eigenen Blogposts und Onlineartikeln mit einem den Tweets beigefügten Bild anzuteasern. Was will man machen? Die Klickrate ist höher, die User wollen das so. Und wenn man kein passendes Image hat oder sich zu fein für eine solche zu offensichtliche Marktschreierei ist, was dann? Dafür scheinen derzeit graphisch ansprechend aufbereitete Zitate der Kompromiß der Stunde zu sein.

Wenn die New York Times das tut, dann kannst Du es auch. Selbst wenn Du keine eigenen Inhalte hast, die es zu promoten gilt. Schließlich kann man sich in den sozialen Netzen auch als trüffelschweinische Linkschleuder einen Nicknamen machen. Zumal dafür gerade immer mehr Tools auf den Digitalmarkt der Eitelkeiten drängen.

cite z.B. gibt es nur für iOS. Die App selbst öffnet man kaum, stattdessen ist es ein Tool, um mobil direkt aus Safari heraus knackige Zitate unter die Gefolgschaft zu verteilen. Dafür wählt man einfach die gewünschte Textstelle aus und über die Sharing-Funktion des Browsers werden die markierten Worte automatisch in eine twitterbare Bilddatei transformiert. Schöne Farben, schicke Typo – nur das cite-Logo könnte etwas kleiner sein.

Mein geliebtes Instapaper hat sich zu viel mehr als einem simplen ReadLater-Service entwickelt. Aus den Highlights speist sich via IFTTT zum überwiegenden Teil meine wöchentliche Leseliste, mit dem Speedreading kann ich mich vor allem bei längeren Text (noch?) nicht recht anfreunden. Und nun bietet auch Instapaper die Möglichkeit, als “Bonus” Texte zu verbildlichen – wenn auch layouttechnisch ein ganzes Stück zurückhaltender.

Nr. 3 in der Liste ist die runderneuerte Wikipedia-App. Hier werden die geteilten Zitate noch zusätzlich mit dem Artikelbild des Eintrags hinterbegründet, falls ein solches existiert. Nach einer bestimmten Zeichenzahl sieht man allerdings nur noch Pünktchenpünktchenpünktchen und die Darstellung der Fußnoten ist ebenfalls suboptimal.

Falls Ihr das nachbasteln wollt, so existiert seit einiger Zeit mit Pablo by Buffer eine echt einfach zu bedienende Anwendung, um Schlagwörter und andere Textfetzen sharingoptimiert auf Photos zu klatschen. Applaus dafür.