See you later, Instapaper

Ich glaube, ich habe Instapaper schon früher benutzt, nur eben ohne angemeldeten Account. Wenn ich jetzt an den Anfang meines Archivs zurückgehe, dann ist der zweite Artikel, den ich dort gespeichert habe vom Juli 2011:
Google Tried To Buy Color For $200 Million. Color Said No. | TechCrunch

Anfang diesen Jahres hat der von Marco Arment gegründete Speicherdienst seinen 10. Geburtstag gefeiert. Wobei der Initiator schon länger nicht mehr an Board ist – das Ding hat sich Pinterest irgendwann einverleibt. Bis dahin hatte ich sogar für Instapapers Premium-Features Geld bezahlt.

Es ist ja kein Geheimnis, daß mir dieser Service wegen seiner ungeheuren Praktikabilität einer der liebsten ist. Es gab bis letztes Jahr auch hier im Blog eine wöchentlich gepostete Link- und Zitatesammlung auf Instapaper-Basis. Doch nun ist plötzlich Schluß: vor fünf Tagen kam diese Mail.

Seit drei Tagen funktioniert der Dienst tatsächlich nicht mehr. Und seine vagen Ansagen lassen nichts Gutes befürchten. Wie im Tweet angekündigt bin ich nun also zu Pocket gewechselt. Daß die mittlerweile zu meinem bevorzugten Browser gehören, ist natürlich ein Vorteil. Dennoch fällt mir die Umgewöhnung schwer. Wieso gibt es Highlights nur in den Apps, nicht am Desktop? Und 4,99 € pro Monat für das Premium-Upgrade sind mir zu teuer.

Wen interessieren diese ganzen alten Blogs? Mit Instapaper hat die europäische Datenschutzgrundverordnung ein Opfer, um das es wirklich schade ist. Da hilfen auch kein Eindämmen der Newsletterflut.

Get your GDPR shit together and come back, Instapaper. Pleeeeease!

Lösch Dich, Mark Z.

Facebook hat vor drei Tagen einige Änderungen an seiner API bekanntgegeben. Das hat wohl eher mit den Raktionen auf den Cambridge Analytica „Skandal“ als mit DSGVO oder so. Das betrifft auch mich. Siehe folgenden Absatz aus New Facebook Platform Product Changes and Policy Updates – Facebook for Developers:

„The publish_actions permission will be deprecated. This permission granted apps access to publish posts to Facebook as the logged in user. Apps created from today onwards will not have access to this permission. Apps created before today that have been previously approved to request publish_actions can continue to do so until August 1, 2018. No further apps will be approved to use publish_actions via app review.“

Sowohl drikkes.com als auch drikk.es greifen bislang auf Techniken des IndieWeb zurück. Ich selbst brauche das gar nicht zu verstehen, aber der für das halbautomatische Crossposten zu Facebook und das vollautomatiasche Einholen der dortigen Reaktionen benötigte Service Bridgy wird demnächt eines Großteils seiner Funktion beraubt, wenn sich nicht noch ein Workaround dafür findet.

(sadface) Als ob mir FB noch nicht genug auf die Nerven geht…

Laber nich

Lukas Heinser ist nicht der einzige gewesen, der eine Veranstaltung von und mit Benjamin von Stuckrad-Barre besucht hat. Daraus:

In der Reihe hinter mir sagen Männer den Satz, den Männer im Jahr 2018 so sagen, wenn sie das mit der Rockstar-Karriere wirklich aufgegeben haben und die E-Gitarren als Deko im Pinterest-Wohnzimmer verstauben: „Lass mal ’nen Podcast zusammen machen!“

Michael Brake führt in der neuesten Ausgabe seiner Digital-Kolumne bei der TAZ eine Art Selbstgespräch zum Thema. Daraus:

M: Also darum soll es heute so vor allem gehen. Um diese neue Podcast-Welle, bei den Medienhäusern, aber auch so generell. Und ich finde das tatsächlich ganz interessant dass … ähm … jetzt hab ich ein bisschen den Faden verloren … naja, haha.

Findet mein Bot ebenfalls. Gibt auch Merchandising.

Was mache ich hier eigentlich?

Via kottke.org auf den Text Back to the Blog von Dan Cohen aufmerksam geworden.

The salad days of “blog to reflect, tweet to connect” are gone. Long gone. Over the last year, especially, it has seemed much more like “blog to write, tweet to fight.”

Hier auf drikkes.com war früher auch mehr los. Das ist auch okay so, aber natürlich ein bißchen schade. Wegschmeißen kann ich das alles auch nicht, obwohl ich den im Vergleich zum Blog von Berufs wegen wichtigeren Teil – die Arbeitsproben – nicht nur in letzter Zeit ziemlich vernächlässigt habe.

Jetzt, wo alle mehr oder weniger panisch am DSGVO rumhampeln, überlegt man dann doch ein zweites Mal. Und kommt natürlich trotzdem zu keinem Ergebnis. Also lasse ich hier erstmal alles so, wie es ist.

Dropshop

Ich weiß es ja auch nicht. Wie Marcus gesagt hat, ist die Bandbreite an Reaktionen auf dieses kleine Demo-Video von Dent Reality ziemlich groß. Nach Eigenaussage „is“ die Firma „building simple tools that make it easy for retailers to integrate incredible AR experiences into their own apps … Our simple-to-use web tools allow you to provide store layouts and product info, then customise the AR experience to suit your brand.“

Während die eine Hälfte der Replies – gerne verlinkt auf diese mittlerweile zwei Jahre alte Videoeskalation – das weitere Zumüllen einer gefühlten Öffentlichkeitsebene beklagt, bewundert die andere die praktible Umsetzung dieser als ungemein hilfreich empundenen Shop-Navi. Wieder andere nehmen die AR-Demo zum Anlaß, um den baldigen Tod des gesamten stationären Einzelhandels zu proklamieren, den auch solche technischen Spielereien nur bedingt zu verlangsamen in der Lage sein werden.1

Etikett lesen, Zusatzinfos geben, Weg weisen – alles okay. Brennpunkt ist Folgendes: Nachdem die App das Hühnerfleisch erkannt hat, empfiehlt sie eine dazu passende Soße. Bei all den verschiedenen Reaktionen und Rückfragen darauf fehlt mir allerdings eine entscheidende: Wer kauft so ein? Selbst, wenn man nicht den Hauch einer Ahnung vom Kochen hat oder seine Inspiration ausgerechnet vom Laden abhängig machen möchte: Ich kenne niemanden, der in einem Supermarkt geht, um dort einzig die Zutaten für das heutige Abendessen zu kaufen.

Wie gut die Regale auch sortiert sein mögen; ein Wochenendeinkauf auf diese Art würde bestimmt doppelt so lange dauern, weil man nur zwischen den verschiedenen Gängen herumrennen würde, statt entlang einer Idealroute alles nacheinander in den Korb zu werfen. Echt nützlich ist anders.

via GIPHY

Aber wer weiß, auf welche Art diese AR-Technik später mal Verwendung finden wird. Angezeigt bekommen werden wir es wohl nicht, geschweige denn voraussehen.