Das kommt noch dazu

Wozu, das erkläre ich dann später. Hier erst einmal Mark Schaefers fünfte und letzte Wahrheit über Social Media, die da lautet: Nobody really wants you to be authentic.

“Authenticity” is by far the most over-used and abused word on the social web. The most common definition of “authentic” is “true and accurate.” If I was presenting a true and accurate version of myself right now I would say that I am a bit gassy after that Mexican food at lunch.

Nobody wants to know that stuff and nobody wants to talk about it either. Whether you’re a person or a brand, you are always presenting a shiny idealized version of your authentic self. It has always been this way and it will always remain this way.

Nobody is authentic, but you can be kind and honest. There is a difference.

Und auf das Feld der Kunst übertragen: Samuel Hamen hat bereits vor einem halben Jahr über die Lektüre unliterarischer Biographien gerantet.

Es geht um Größeres, und so sind dann viele dieser sozialkritisch durchaus wichtigen Romane selbstvergessen und erzähltechnisch anspruchsarm.

Dieser Schwund an erzählerischen Möglichkeiten wird von diesen authentizistischen Schreibverfahren nur zu gerne in Kauf genommen. Schließlich steht ja nichts weniger als das Leben auf dem Spiel.

Mehr dazu in Kürze. Stay turned tuned!

Notes KW 47/17

aus: How I Got My Attention Back · Wired · by Craig Mod

It’s become common to talk of the “weaponization” of attention. As in: The attention of Americans was weaponized to make facts out of falsities. I think this framing does a disservice to the crux of the problem. It’s not that our attention has been weaponized, a word that vanishes in hyperbole, but rather, mechanized. As in: Our attentions have been wrest from our control, like a flock of android starlings, or a million IP enabled toasters. We were reasonably autonomous things. Now we’re indifferently synchronous, easily manipulated.

Obigen Text habe ich tatsächlich komplett gelesen, von vorne bis hinten. Hat sich rückblickend allerdings nicht ganz gelohnt. Das obige Zitat ist schon der Hitparagraph aus einem ansonsten recht vorhersehbaren Artikel.

Was sich dagegen so in den letzten Wochen auf der Leseliste angestaut hat:

Zum Jahresende also quasi eine Wiederbelebung meiner Links-Serie unter geänderten Vorzeichen. Eben keine nach Konsum für gut befundenen Tipps, sondern eine Erinnerung an mein zukünftiges selbst. Vielleicht komme ich ja zwischen Weihnachten und Silvester zum abarbeiten.

In Klammern die Angabe der ungefähren Lesedauer laut Instapaper. Bin dem Service seit der Übernahme durch die Pest Pinterest gegenüber ja skeptisch eingestellt. Jetzt, da ich browsertechnisch von Chrome zurück zu Firefox bin, könnte ich eigentlich auch gut zu Pocket wechseln, oder?

Konfliktgenerationen

Das ist keine Kritik an den Millennials. Sie ist hier allerhöchstens Nebensache.

In erster Linie geht es darum, wie Toplevelwerber und Marketingverantwortliche Millennials sehen: nämlich als Zielgruppe. Das Video entlarvt dies über den Umweg der Selbstbespiegelung, die auf den Halter des Spiegels zurückfällt – wobei der doch eigentlich unsichtbar bleiben sollte. Doch so etwas mißbehagt den Babyboomer-Entscheidern zutiefst, wie Leo Fischer recht drastisch aufzeigt, wenn er vom „gekränkten Narzissmus der Wutgreise“schreibt:

Die einzige Sorge, die diese Generation kennt, ist, nicht mehr im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen, wie sie es von Jugend an kennen.

(Hier gedanklich als Symbolbild bitte die grauen Haare der Birgit S. einfügen.)

Note KW 32/17

Die regelmäßigen Linksammlungen Woche für Woche zu posten, habe ich seit einiger Zeit aufgegeben. Das schließt aber selbstverständlich nicht einzelne Zitate aus, wenn es denn etwas dazu zu kommentieren gibt. Deshalb möchte ich Euch den „Fauxpas Nr. 3“ nicht vorenthalten, auch wenn der Artikel auf STYLEBOOK schon mehr als ein paar Tage älter ist.

Zum Abschied aus Polen am Mittwochmorgen entschied sich Kate für ein blaues Spitzenkleid mit passendem Mantel ihrer britischen Lieblingsdesignerin Catherine Walker, das sie überraschenderweise auch trug als sie in Berlin landete. Es wundert kaum, dass das Outfit die Reise nicht ganz unbeschadet überstand. Als William und Kate auf Angela Merkel trafen, hielt ein Fotograf fest, was eigentlich nicht sein sollte: Der Mantel wies auf der Rückseite große, lange Knitterfalten auf, die Kates Stylistin eigentlich hätte problemlos mit einem Steamer oder einem Reisebügeleisen entfernen können.

Seit beim Stern das „Blaublüter-Bulletin“ seine Eigenständigkeit verloren hat und die einzelnen Berichte nun in der Rubrik „Lifestyle“ aufgehen und Bunte auch für Royals statt auf das geschriebene Wort und Photos lieber auf Video-Content setzt, wird meine Adelsneugier nur noch selten gestillt.

Wo holen sich denn moderne Monarchiefans heutzutage ihr tägliches Update Klatsch und Tratsch? Es muß doch noch anderes als GALA.de und den Twitter-Account von Catrin Bartenbachgeben.

Notes KW 28/17

Jaja, alles viel zu spät und so, aber ich hatte die ganze letzte und bin noch diese komplette Woche im Urlaub. Und damit abgesehen von Twitter kaum online.

Ich will jetzt nicht die ganzen Texte zum G20-Gipfel hier in der wöchentlichen Linksammlung Revue passieren lassen. Bei meinen Sympathien für die linke Szene könnt euch meine Meinung wahrscheinlich denken. Die Polizei hat viele Fehler gemacht, sowohl was die Eskalation der Höllendemo angeht, als auch die Ausschreitungen und Randale später nicht in den Griff zu bekommen. Und linke Sachbeschädigung durch angezündete Autos und geplünderte Läden auch nur in die Nähe von rechten Mordserien und islamistischem Terror zu stellen, ist für mich ein Ding der abgeschmacktesten Verhältnislosigkeit.

Trotzdem möchte ich auf zwei „Randerscheinungen“ hinweisen.

Damit steht nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für Experten der Verdacht im Raum, dass die vermeintlich „neuen“ Erkenntnisse gar nicht vom BKA, sondern vom türkischen Geheimdienst kamen.
„Es wäre ungeheuerlich, wenn die Daten über Journalisten an Nachrichtendienste autoritärer Regime übermittelt worden wären“, meint Schaar. „Völlig unakzeptabel wäre es auch, wenn Journalisten von der Gipfelberichterstattung allein auf Grund der Wünsche derartiger Regierungen ausgeschlossen worden wären.“

G20-Akkreditierung entzogen: Kritik an Liste mit Journalistennamen | tagesschau.de macht tatsächlich mögliche datenschutzrechtliche Verstöße bei Umgang und Verteilung der schwarzen Liste zum Aufhänger. Die Ungeheuerlichkeit ausländischer Einmischung bei ihrer Entstehung versteckt Arnd Henze vom ARD-Hauptstadtstudio irgendwo in der zweiten Hälfte des Artikels.

Sie haben eine öffentliche Einladung geschaffen. Es ist davon auszugehen, dass soziale Medien, Messenger & Co. ganz wesentlich halfen, Leute aus anderen Ecken Deutschlands und aus dem Ausland zu mobilisieren.

Hamburg, G20 und Welcome to Hell. Über die Rolle von Social Media gibt Christian Henne einiges zu bedenken. Auch wenn ich mit seinem Standpunkt nicht immer einer Meinung bin, kann man vor der Echtzeitbeschleunigung nicht die Augen verschließen.

Stell dir vor, es ist Demokratie, aber Rolf aus Recklinghausen spielt Robespierre. Vapiano, dieser Scheißspaghettikonzern, abfackeln die ganze Glutenbude! Riester, an den Füßen festbinden und so weiter. Es ist die Mitlaberlust, die den Mob gebiert.

Schon vor einiger Zeit hat sich Mely Kiyak auf ZEITonline über „die allgemeine Fräulein-Rottenmeierhaftigkeit“ ausgelassen. Die Gründe dafür beleuchtet:

I don’t live in an echo-chamber or filter-bubble. Quite the reverse! I’m surrounded by idiots and dangerous demagogues. In fact, I’m the only sensible one here.

Why the ‘backfire effect’ is damaging political debate

Nach der Auffassung des Gerichts privilegiert das Grundgesetz die Religionen, so dass es Konfessionsfreie hinnehmen müssten, wenn der Staat ihren Kindern eine entsprechende moralische Erziehung verweigere.

Debatte Religion: Unzeitgemäße Privilegien | taz.de

Die Wahrscheinlichkeit, jahrelang abgefeiert zu werden, wenn man als Mann einmal etwas Feministisches sagt, ist nicht gerade gering, nein, ich würde sogar sagen: Sie ist absurd hoch.

Kleber gegen Furtwängler: Will der Feminismus uns alle umerziehen? – SPIEGEL ONLINE – Kultur