Nimrod Reloaded

In der Horizont schreibt Alexander Rehm darüber, warum Marken eine Corporate Language brauchen. Er tut das sicherlich ganz uneigennützig – nicht um auf die Dienste des vom ihm gegründeten Corporate Language Instituts hinzuweisen.

Schon damals in Babel wollten die Leute einen Turm bis in den Himmel bauen, um ein deutliches Zeichen für ihre Fähigkeiten zu setzen. Und das haben sie nur nicht geschafft, weil sie nicht dieselbe Sprache gesprochen haben.

Das kann man schon nicht mehr Fehlauslegung nennen, das ist wahrlich eine Verbiegung mythologisch gesicherter Tatbestände. Nach meinem Wissensstand geht die Sage laut Bibel so: Die sprichwörtlich gewordene „babylonische Sprachverwirrung“ war nicht der Grund für das Scheitern des Projekts, sondern Gottes Strafe für dessen Durchführung. Denn was für die einen ein Zeichen menschlischer Fähigkeiten darstellt, ist für den anderen einfach nur blasphemische Hochmütigkeit.

Die Rückinterpretation auf das anmaßende Markenbilds des Herrn Rehm mag jeder selbst ziehen.

Notes KW 15/17

Irgendwas ist ja immer. Die Ausrede für die schon wieder verspäteten Notes lautet diese Woche: Ostern.

Die Amerikanische Faulbrut zählt zu den anzeigepflichtigen Bienenseuchen. In der Regel richtet das Veterinäramt einen Sperrbezirk ein, um die weitere Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Meist muss der Imker das gesamte befallene Volk verbrennen.

Dank der Deutschen Umwelthilfe e.V. wieder was gelernt. Falls Ihr, faule Brut, Euch den Klick sparen wollt: Leere Honiggläser bitte nur mit Deckel in den Altglascontainer werfen.

Der Authentizitätsdruck aus dem Web 2.0 (Ein Begriff, den man vielleicht wieder ernst nehmen sollte) hat die traditionellen Medien erst in die vermeintliche Totalneutralität des He-said-She-said gezwungen – Niemand wollte sich von den üblichen Pundits mangelnde Neutralität nachsagen lassen – was eine Zeitlang so erfolgreich wie billig war, man brauchte in der Gratiszeitung die grauen Agenturmeldungen nicht einmal mehr aufzuhübschen. Auf die neutrality folgte dann leider das being neutered, die Unfähigkeit, eine eigene Form von Authentizität hochfahren zu können – eine Falle, in der auch viele der alten Volksparteien stecken, btw.

Bloggen 2017 – textdump

Einen besonderen Aufruf wollen wir an Anbieter aus der Porno-Branche richten, sich bei StreamOn anzumelden und auf einer Nennung als Kooperationspartner zu bestehen!

Wieso StreamOn der Deutschen Telekom gegen die Netzneutralität verstößt und was wir dagegen tun können – netzpolitik.org

“Short of putting a big pile of old tires on the White House lawn and lighting them on fire, I don’t know what Donald Trump could do that is worse for climate change,” Derwin says. “Musk got rolled by Trump. He has gotten absolutely nothing.”

This Man Is Spending Millions to Break Elon Musk’s Trump Ties – Bloomberg

Until recently, television credits were afterthoughts, cobbled together by overtaxed editing departments. Now they’re mini-films in their own right, transitioning viewers into the proper emotional state no matter where they happen to be watching.

How TV Opening Titles Got to Be So Damn Good | WIRED hier nur zitiert, weil sich das tolle Video dort, um das es eigentlich geht, nicht auf anderen Webseiten einbetten lässt.

The first is that teens and young people don’t like to share links anymore as they know the targets will be filled with ads; so instead they share screenshots. This stops the site from receiving any further traffic. Second, it drives people to install ad blockers.

The web looks like shit | The Outline – bei Interesse siehe dazu auch meinen weiterführenden Text Hallo, Vermittlung? – REKLAME 3000.

Magazin für Knost und Leben

Für Kohler und Meier-Bickel ist ihre „Vision“ nicht länger umsetzbar. Anläßlich der nahenden Schließung ihrer Züricher Galerie Rotwand haben sie der Monopol ein Intrview gegeben, in dem die beiden mit Gründen ihres systematischen Scheiterns angeben:

„Wir haben ältere Kunden, die seit vielen Jahren sammeln. Aber es gibt kaum nachkommende, junge Käuferschaft, die mit Enthusiasmus auf Entdeckungen aus ist. Junge schauen eher nach Kunst als Investmentmöglichkeit.“

„Besitz scheint allgemein nicht mehr ganz so wichtig zu sein, vor allem auch bei jungen Leuten. Das hat auch mit dem Internet und den sozialen Medien zu tun. Gerade Instagram hat eine starke Wirkung, man entscheidet schnell, ob man etwas sehen will oder nicht. Und damit hat es sich auch erledigt. Man ist zum Teil schon zufrieden, wenn man ein Bild gepostet hat. Die sozialen Medien verändern die Wahrnehmung und die Bedürfnisse.“

„Zu den Vernissagen kommen zwar viele junge Leuten, aber es geht doch weniger um die Kunst, sondern um das Event.“

Jaja, die jungen Leute und das Internet – war ja klar. Gibt es neben „hohen Fixkosten“ in der Schweiz und „teuren Messeauftritten“ weltweit vielleicht noch andere Gründe?

„…kaufkräftige Kundschaft, aber viele sind verunsichert, zuletzt auch durch die Wahl Donald Trumps.“

Keine weiteren Fragen.

Daniel und Gerhard Törichter und Sonne

»Ich drücke mich nicht aus. Ich drücke mich ganz und gar nicht aus. Ich verabscheue Kunst, die sich als Selbstverwirklichung versteht. Selbstverwirklichung interessiert mich nicht. Selbstdarstellung ist Formlosigkeit. Bei diesen gräßlichen Selbstverwirklichern stehen mir die Haare zu Berge. Ich könnte schreien. Künstler sind nicht auf der Welt, um sich selbst zu verwirklichen, sondern um Zeugnis abzulegen. Wenn sich jemand sebstverwirklichen will, soll er von einem Berggipfel herunterplärren, soll einen Therapeuten aufsuchen, soll sich einen runterholen. So, schreiben Sie sich das hinter die Ohren.«

aus: Groupie

Highlights KW 15/15

Bis in die 1970er Jahre gab es in etlichen Schweizer Kantonen noch ein Konkubinatsverbot.

„Ehe light“: Ein Mustervertrag fürs Leben

Die Verachtung für Ärmere und Ungebildete lässt sich trefflich mit sogenannter Konsumkritik tarnen. Wer kauft denn den ganzen Plastikschrott, der die Ozeane versaut? Na?

Die Konsumentin – Plastikschrott in Jogginghosen

Vermutlich wird das „Kinfolk“-Magazin selbst mehr fotografiert als gelesen. Es macht sich gut auf dem Kaffeetisch und zeigt, dass man dazu gehört zu den Alltagsromantikern und Landflüchtigen.

Viel Weiß, viel Vase, viel Bett: Wie Instagram die Fotografie verändert | Monopol Magazin

Call it borecore: the never-to-be-viral output that comes from mixing powerful devices and a lifetime of social-­media training with regular, old teenage boredom.

Borecore – NYTimes.com

 Das wirklich Neue ist, dass die satirischen Medien die seriösen nicht nur ergänzen und parodieren; sie beginnen sie zu ersetzen. Nicht zuletzt deshalb, weil sie deren Aufgaben übernehmen, die diese kaum mehr machen: das Wälzen von Aktenbergen. Und das Ausmisten von Unfug.

Constantin Seibt über den Niedergang der Nachrichten

Aber ich möchte gerne optimistisch bleiben, und deswegen bleiben die Kommentare unter diesem Artikel auch geschlossen.

Chips essen mit Heidi – Coffee And TV