Ossis sind die neuen Frauen

Zum und nach dem Mauerfall-Jubiläum jede Menge Ostversteher unterwegs. Denen sind jetzt zur Abwechslung in der Zeit mal die Leviten gelesen worden.

Man gewinnt den Eindruck, dass zwischen Berlin-Marzahn und Bitterfeld, Görlitz und Gardelegen posttraumatische Belastungsstörungen den Minderwertigkeitskomplex als schlimmstes Ostleiden abgelöst haben. Plötzlich hat jeder viel oder gar alles verloren.

Autorin Maren Hobrack ist damit auf einem guten Weg, die nächste Ronja von Rönne zu werden. Zumindest klingt mir der Nestbeschmutzer-Vorwürfelhusten schon in den Ohren.

Inzwischen wurden wohl schon alle Ostdeutschen mindestens dreimal zur Lage in ihrem Bundesland interviewt. Hätten ZDF, ARD und die Privaten jedem Ossi, den sie samt Funktionswetterjacke vor eine laufende Kamera zerrten, hundert Mark, äh, Euro in die Hand gedrückt – der ostdeutsche Rückstand in Sachen Kaufkraft wäre aufgeholt.
Wirklich jeder, der irgendwie ostdeutsch ist oder mal am Leipziger Hauptbahnhof stand, wird nun zum Experten für die ostdeutsche Seele. Viele Autoren können endlich, endlich eine Marke aus ihrem Ostdeutschsein machen. Hey ho, man nennt das Identitätspolitik.

Ach ja: Außerdem #TeamSchnibben.

Notes 08/19

Doch mal wieder kommentarlos drei Texte empfehlen, weil ich gerade nicht zum selbst Schreiben komme.

Without drawing attention to it, they’d made a subtle tweak to the phone screens, with some displaying a 100 percent phone battery life, some 20 percent, and some five percent. They wanted to see if this seemingly irrelevant detail would affect the men’s decision making — and lo and behold, the lower the screen’s displayed battery life, the more likely men were to agree to the hookup.

Apps are definitely changing our sexual behavior, we’re just not sure how | The Outline

Ein lineares Fernsehprogramm, so kurios das für ein Unterhaltungsunternehmen eigentlich ist, erfüllt da schon eine fast sakrale Aufgabe: Es leistet, was in ganz früheren Zeiten Kirchen und ihr fein abgestuftes Gebets- und Messprogramm geleistet haben, die Kirchenglocken erzählen noch davon: Ordnung und Struktur, Halt und Orientierung.

Warum feste Fernsehprogramme heilsam für die Gesellschaft sind – WELT

„Capitalist ideology imparts the idea that we are only worthy of love and belonging once we buy into their product or service,“ says Manchester-based Purnell. „Advertising reinforces this idea with the assumption that we are inadequate – essentially stealing our love of ourselves, and selling it back to us at a price.“

‚Billboards are harming our wellbeing‘, Micah Purnell’s empowering message against advertising

speicHHerstadt by -drik S. on 500px.com

Mal 500px als Flickr-Ersatz ausprobieren, da gefällt mir die Embed-Funktion auf den ersten Blick am besten.

Wirken wir fort, bis wir vom Zeitgeist berufen in den Äther zurückkehren!

Das Spex-Magazin über Unternehmen auf Social Media:

Intersektional gedachte soziale Gerechtigkeit darf in diesen Meme-Maschinen nicht zum kapitalismuskonformen Buzzword „Diversity” verkommen, zu einem zeitgeistigen Marketingtool, das man sich eben mal so in die corporate identity pinselt.

(Headline im Original von Goethe.)