Wenn einer sagt „Da bin ich ganz bei Dir“, dann fang‘ ich an zu rennen.

Ich habe keine Ahnung, ob Silvio Lorusso den Begriff „cognitariat“ selbst erfunden oder ihn von jemand anders übernommen hat. So oder so ist sein Essay What Design Can’t Do jedenfalls lesenswert. Daraus:

We must admit that design schools contribute to populating this creative underclass. So I think it makes sense to talk about design schools as precarity factories.

Kurzer Reminder, dass Du nicht „irgendwas mit Medien“ machst. Du gestaltest eine Printanzeige, mit der sich ein Atomkraftwerksbetreiber greenwasht. Du konziperst eine Microsite für ein Tochterunternehmen des Nestlé-Konzerns. Du textest eine Stellenausschreibung für einen Ingenieursjob in der Waffenindustrie. Du produzierst Branded Content, damit sich ein zuckerhaltiger, vor Palmöl triefender Brotauftrich noch geschmierter verkauft. Ich wiederhole:

Du machst nicht „irgendwas mit Medien“.

Merry Christmas

Die Londoner Dependance von Anomaly hat auch dieses Jahr wieder ein sehr unbeschauliches Weihnachtsvideo produziert.

Die letzten beiden waren ebenfalls schon mehr als ganz nett. (Okay, jetzt wisst Ihr, wie ich meine vorvorletzte Mittagspause dieses Jahr verbracht habe.)

Ich habe übrigens den Job gewechselt. Nach elf Monaten heißt es für mich seit Anfang Dezember wieder arbeitstäglich pendeln.

Ich wünsche Euch allen ein geruhsames Fest und einen spektakulären Rutsch.

Am Rande des Nervenzusammenbesuchs

Knoblauch kommt auf eine Werbeagentur zu und braucht einen Claim. Eine Strategie-Empfehlung von irgendeiner renommierten Consultingfirma hat er sich schon andrehen lassen, ihn als „verbesserten Lauch“ zu positionieren.

Also liefert die Agentur nach zwei internen Abstimmungen im ersten Wurf eine DIN-A4-Seite mit etwa zehn Claimvorschlägen wie „Knob – Lauch 2.0“, „Knob – der bessere Lauch“ und „Mehr Lauch geht nicht“.

Vor dem Kundenfeedback bin ich dann zum Glück aufgewacht.

Willkommen in Diver City, Einwohnerzahl 2

Was lese ich da? SinnerSchrader und Scholz & Friends schaffen Management-Jobs für Gender & Diversity. Da wird dann schon in Headline vom „Ende der Alphatiere“ fabuliert, der Artikel kommt natürlich supermotiviert daher, es wird wahnsinnig viel empowert, ist von Mentorinnen-Programmen, Gender-Workshops sowie Diversity-Taskforces die Rede und dann gehe ich auf die Websites der Agenturen, da sieht es dann so aus:

Screenshots aus dem Feigenblätterwald: oben SinnerSchrader, unten S&F. Oder auch: allein auf weitem Vorstandsetagenflur.

Ohne hier groß zu Spoilern: Wenn Sie auf der Website der freundlichen Scholzen auf die Namen klicken, kommen dahinter – wie bei den sinnierenden Schraders – natürlich 11 weiße Männer und 1 weiße Frau zum Vorschein.

Es stimmt ja: getan werden muß etwas, mehr als nur das. Zwei Pöstchen und jährliche Workshops werden da nicht reichen. Den propagierten Unternehmenskulturwandel (genauer: lediglich dessen Einleitung, siehe oben) in erster Linie als HR-Thema zu verstehen und diesen PR-technisch auszuschlachten, ist ebenfalls zu kurz gedacht. Aber alles andere würde wohl echtes Investment erfordern.

Now playing: Gangstarr