Alle Artikel in der Kategorie “Auf Urlaub

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Pest of Selfie

Das Time Magazine hat ein Selfie-Ranking mit Weltkarte erstellt. Demnach ist laut rp-online.de/ Düsseldorf die Selfie-Hauptstadt Deutschlands. Das kommt davon, wenn @karstenloh nur noch Frankfurt-Bilder knipst und nicht mehr sich selbst.

Wie 9to5mac.com/ berichtet, hat Apple in seinem Appstore eine eigene Selfie-Kategorie eingerichtet. Das ist doch sicher was für die #1 dieser Bildergalerie.

Im australischen Sydney geht man derweil andere Vermarktungswege. So ist auf augsburger-allgemeine.de/ über ein Hotel zu lesen, in welchem man einmal umsonst nächtigen kann, wenn man mehr als 10.000 Instagram-Follower aufzuweisen hat. Was der Herberge allerdings ganz klar fehlt, ist ein Restaurant mit Spiegeln an jedem Tisch, damit man sein Essen als Teil eines Selfies photographieren kann.

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New York, New York

Ich war 1998 schon einmal in New York, das war etwa ein Jahr nach dem Abitur. Eigentlich war der Plan, sich ein bißchen mehr von den U.S.A. anzugucken. Aber in New York war eben immer was los jeden Tag, also bin ich da einfach nicht weggekommen. Es gab Abende, an denen mußte man sich zwischen einem Konzert der Beastie Boys und einem von Beck entscheiden. Ich habe die Reunion der Headhunters mit Herbie Hancock live on Stage miterlebt. Einen im wahrsten Sinne des Wortes wahnsinnigen Cornelius-Auftritt, bei dem jeder ein kleines Radio in die Hand gedrückt bekam. Man konnte sich selbst die Begleitinstrumentierung zusammenstellen, indem man die Radiosender wechselte - 1998.

Ich glaube, ich bin jede Straße Manhattans zu Fuß abgelaufen. Habe im paarundzwanzigsten Stockwerk irgendeines Hochhauses Bowling gespielt. Habe mir von Opis im Bryant Park mehrere Schachabfuhren eingehandelt, wie sie mir ein paar Jahre später ein französischer Landesjugendmeister nicht verpassen konnte. Habe mir am State Court in Brooklyn eine original amerikanische Gerichtsverhandlung angeschaut. Bin stundenlang durchs MoMA und das Metropolitan Museum gestreift und richtig angenervt gewesen, daß das Guggenheim während des ganzes Monats wegen Renovierung geschlossen war. Habe beim Wandern über die Brooklyn Bridge ein Picknick veranstaltet. Auf einem Basketballplatz in Harlem wenigstens nicht total dämlich ausgesehen. Ich habe am Union Square gegen die wieder eingeführte Todesstrafe demonstriert. Und mir auf der riesigen Leinwand am Times Square das damals entscheidende NBA-Final angeschaut - keiner der Schwarzen, die dort mit mir standen und für diesen Zweck ihre Touristenabzocke mit gefaketen Oakley-Sonnenbrillen unterbrachen, konnte die Chicago Bulls leiden: "I don't like 'em, man. But I hate, I fucking hate Utah Jazz."

New York City ist nicht die U.S.A., das ist mir genau da am diesem Abend klargeworden. Die Stadt hatte mich - ich kann das nicht anders sagen - in ihren Bann gezogen. Ich schaffte es noch nicht einmal nach Philadelphia oder Boston, geschweige denn Chicago, Las Vegas oder die Westküste. Ich blieb die gesamten vier Wochen in New York City.

Das ist jetzt mehr als 15 Jahre her. Damals stand das World Trade Center noch; ich war nicht oben, bin nur zwischen den Türmen durchgelaufen. Vom typischen Sehenswürdigkeitenprogramm habe ich nur das Empire State Building und die UNO mitgenommen. Wir hatten damals anderes zu tun: Es war Fußballweltmeisterschaft in Frankreich und dank der Zeitversetzung verschwendeten ich und meine Bekanntschaften aus dem Hostel an der 42nd Street nicht Abend für Abend in einer American Sports Bar, deren Besucher sich einen Scheiß für Soccer interessierten. Stattdessen schauten wir nach dem Frühstück auf den Spielplan und richteten unsere Erkundungen danach aus: Italien spielt? Fein, auf nach Little Italy. Irgendeine asiatische Mannschaft? Auf nach Chinatown. Wir haben Irlandspiele in einem Pub in Hell's Kitchen gesehen, südamerikanische Ballzaubereien in einer Bar in Little Brazil abgefeiert. Eine wirklich großartige Art, die vielfältigen Viertel dieser Weltstadt kennenzulernen. Und dann war es gerade einmal Mittag.

Ich hatte so. Ein. Glück. Wer kommt auf die Idee, keine sechs Wochen vor seinem 21. Geburtstag in den U.S.A. Urlaub machen zu wollen? Ich. Hätte nicht gedacht, daß die es mit der Altersbeschränkung für Alkohol derart pedantisch nehmen. Ich wäre echt aufgeschmissen gewesen, wenn die Amis bei Datumsangaben nicht Monat und Tag vertauschen würden. Aber so dachten die, ich hätte bereits am 07. April Geburtstag gehabt.

Ich bin da allein hin, übern Teich. Habe mit jeder Menge Menschen Bekanntschaft geschlossen. Wäre sogar fast dageblieben, weil ein Franzose meinte, ich könnte wie er illegal in einem Restaurant jobben. Aber nein, ich bin zurück nach Deutschland, um die letzten beiden Monate Zivildienst abzureißen. Und weil das Internet damals weder den durchgeknallten koreanischen Piloten, noch den baseballverrückten japanischen Jurastudenten, noch die Australierin, deren Auto wir noch mit Gewinn verkauft haben, obwohl sie damit von L.A. nach NYC gefahren ist, noch mich interessierte, habe ich alle diese Leute nie wiedergesehen. Einzig der lispelnde holländische Hippie mit dem Lockenschopf hat mir später mal eine Postkarte aus Indien geschickt.

Jetzt fliege ich wieder nach über 15 Jahren wieder nach New York, weil meine Agentur da ein Büro aufmacht. Danke, Kunst und Kollegen!

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Electric Daisy Carnival

In Deutschland ist bzw. wird man als Fan elektronischer Musik ja ganz gut bedient. In jeder größeren Stadt gibt es Clubs, die von House bis Techno, von spät bis früh alles spielen, was den Tanzvergnügten Beine macht. Und wem das nicht reicht, für den schießen jeden Sommer immer mehr Festivals wie Pilze aus dem Boden - längst nicht mehr nur eine Domäne der Metall- und Gitarrenfraktion.

10.000e pillgern jedes Jahr irgendwo in die ostdeutsche Pampa, dafür bekommen sie beim Melt! allerdings auch ein stets erstklassiges Line-Up geboten, wobei sich der musikalische Fokus des Festivals mittlerweile von reiner Technotronik auf alle möglichen Spielarten alternativen Elektro-Rock-Punk-Geschrammels aufgefächert hat und halbwegs klar ins Popspektrum einzusortierende Bands wie The Streets und Konsorten die Headliner geben. Was sich mit der Zeit natürlich auch in den gesalzene Ticketpreisen widerspiegelt und wohl so manch hartgesottenem Technofan die Suppe verhagelt hat. Aber Rave geht sowieso anders, ne?

Das Electric Daisy in New York

Als auch nicht mehr so wirkliche Alternativoption bietet sich da an irgendeinem anderen Arsch der Welt seit langem das Fusion-Festival an. Das läuft trotz beinahe 100.000 Besuchern noch in der Kategorien Underdog, unkommerziell und links. Dafür geht es immerhin eine ganze Woche 24/7, die Ticketpreise liegen bei okayen 70 Euro und auf das Gelände kann man eigene Getränke und Vorrat mitnehmen. Böse Zungen behaupten, die Mucke sei dort vollkommen egal, Hauptsache druffdruffdruff, wohlgesonnenere Zeitgenossen erwähnen die Tatsache lobend, daß selbst bekannte DJs dort unter anderem Namen auftreten, weil es ja um Spirit und die Einstellung ginge.

Circus HalliGalli

In der heutigen Zeit vermutet man leider selbst hinter solch freundlichem Gebaren trotzdem eine clevere Marketingstrategie und so manch einer denkt sich mit Blick über den großen Teich: Wenn schon, dann richtig. Amerikanische Events wie zum Beispiel das iHeartradio oder der Electric Daisy Carnival lassen die hiesigen Bemühungen ziemlich dilettantisch aussehen. Auf dem EDC tummeln sich einmal im Jahr etwa Superstars wie David Guetta oder die Swedish House Mafia. Und das findet auch nicht in irgendeiner gottverlassenen Gegend statt, sondern in der ständigen Weltspektakelhauptstadt Las Vegas. Sage und schreibe 300.000 Besucher haben sich im Jahr 2011 den Spaß angetan. Der EDC geht zwei Tage lang und hat weit mehr als nur schnöde Beats auf Lager: Hier kommen Musik, Show, Kunst und alle möglichen anderen Entertainmentalitäten zusammen. Unzählige Aftershow-Partys in den umliegenden Partnerhotels und Casinoresorts machen den Überevent komplett. Ob zusätzliche Pokertuniere oder Pass zum Hotelpool - das Unterhaltungsangebot kennt keine Grenzen, jedes Jahr fällt den Veranstaltern etwas Neues ein. Feuerwerksshows, Stuntman-Vorführungen und Ableger-Festivals in anderen Städten der USA erweitern das Angebot. Wie man sieht.

Die Ticketpreise liegen - zumal bei einer transatlantischen Anreise - nahe bei einer Reise zum Mond, dafür bekommt der Besucher aber auch einiges mehr als ein versifftes Dixieklo geboten. Über die Festivalseite können verschiedene Pakete gebucht werden, falls man noch ein paar VIP-Annehmlichkeiten drauflegen will. Vom schön partytauglichen Wetter in der Wüste Nevadas will ich erst gar nicht reden.

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zuliebe

Solange einer nicht nur völlig subjektiven, sondern sogar komplett ausgedachten Studie zufolge 72% aller Bundesbürger beim Anblick eines solchen Hinweises nur an das Einsparpotenzial des Hotels im Zuge von Gewinnmaximierung denken, ist es noch ein weiter Weg bis zur ökologischen Bewußtseinsfindung in Deutschland. Der Rest ist Symbolpolitik.

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