Was ein Horst

Ich glaube, ich bin vor über 20 Jahren das erste und einzige Mal in Bayern gewesen. Auf der Autofahrt in den Ungarnurlaub haben wir eine Nacht in München verbracht. Beim Rückweg zwei Wochen später sind wir die 1.300 km dann einfach durchgeprescht.

Ich mag keinen Skiurlaub. Ich mag kein Oktoberfest. Mich zieht absolut nichts in dieses rückständige, hinterwäldlerische bornierte, hirnverbrannte, gleichzeitig kleinkarierte und größenwahnsinnige Bundesland.

Trotzdem werde ich nach dem Tod Seehofers wohl noch ein letztes Mal nach Bayern fahren müssen, um auf sein Grab zu pissen.

Stadt, Land, Puls

Die Leute beschweren sich gerne darüber, dass Metropolen rund um den Globus mittlerweile alle gleich aussehen. Überall wird im selben Architekturstil gebaut. Und in den Innenstädten immer die gleichen Geschäftsketten – ein McDonald’s® neben einem H&M® neben einem Starbucks®. So weit, so klischeekritisch. Solange zwischen all den Allgemeinplätzen noch das eine oder andere Fleckchen für ein Distinktions-Instagram übrigbleibt, stört das den Städtetripper nur bedingt.

Skyline welcher Stadt?

Wenn er dann wieder zuhause ist, dann postet er nach den Urlaubsselfies ebenso gerne kleine Alltagsbeobachtungen mit Abbindern wie «only in New York» oder «dit is Berlin». Wobei es sich in 90 % der Fälle um banalurbanes Zeitgeschehen handelt, das genau so auch in jeder anderen Großstadt abläuft. Stell Dir vor, Hauptstadtbewohner, auch in Köln sieht man schräge Vögel in der Bahn, auch in München hat der Kellner mal einen schlagfertigen Spruch auf den Lippen.

Meine gar nicht so steile These: Leute, die so etwas schreiben, sind selbst erst vor einigen Jahren aus ihrem Provinzdorf zugezogen. Und alle, die später gekommen sind, sind schuld an der Gentrifizierung.

Cheers, Rudy

Letzte Woche doch sehr überrascht den erst vor Kurzem abonnierten New Yorker aufgeschlagen:

Es ist beinahe 19 Jahre her, da verbrachte ich viele Abende in und vor Rudy’s Bar. Weil der Laden nicht weit von meinem Hostel entfernt lag und für Manhattaner Verhältnisse sehr billig war. Und wenn ich diese Zeilen lese, dann hat sich am gastronomischen Konzept des Ladens auch nichts geändert.

Die Schweinsfigur, die man in der Onlineversion des Artikels sieht, stand übrigens auch damals schon vor der Tür.