Film ab!

Kleine Geschichtsstunde bei quotenmeter.de über die Flut der sogenannten „Vanity Plates“:

Bis einschließlich in die 1980er-Jahre war es eine absolute Rarität, dass ein Film mit mehr als einem Studiologo beginnt. Etwa bei den frühen «Star Wars»-Filmen, wo Lucasfilm die Produktion und Fox den Vertrieb übernahm. Die Produktionshäuser namhafter Produzenten, die sich am Projekt beteiligten, wurden üblicherweise aber erst am Ende des Films gezeigt – auch Steven Spielbergs Amblin Entertainment hatte sich bis zum letzten Augenblick einer Kinovorführung zu gedulden. Ein Produzentenduo wollte sich damit jedoch nicht zufrieden geben: Don Simpson und Jerry Bruckheimer, deren Filme in den 80ern für Paramount Pictures über eine Milliarde Dollar weltweit generierten.

Als 1990 Simpson/Bruckheimer und Paramount Pictures einen neuen Vertrag schlossen, forderten die Erfolgsproduzenten, dass sie ihr Studiologo direkt nach dem Paramount-Logo an den Anfang von «Tage des Donners» setzen dürfen. So sollte es auch geschehen – und obwohl das Rennfahrer-Actiondrama keinen Hit darstellte, setzte es einen Präzedenzfall, was andere namhafte Produzenten nicht ignorieren wollten.

Der protzige Bruckheimer, wer sonst… Der Artikel liefert noch ein paar weitere interessante Fakten.

Nimrod Reloaded

In der Horizont schreibt Alexander Rehm darüber, warum Marken eine Corporate Language brauchen. Er tut das sicherlich ganz uneigennützig – nicht um auf die Dienste des vom ihm gegründeten Corporate Language Instituts hinzuweisen.

Schon damals in Babel wollten die Leute einen Turm bis in den Himmel bauen, um ein deutliches Zeichen für ihre Fähigkeiten zu setzen. Und das haben sie nur nicht geschafft, weil sie nicht dieselbe Sprache gesprochen haben.

Das kann man schon nicht mehr Fehlauslegung nennen, das ist wahrlich eine Verbiegung mythologisch gesicherter Tatbestände. Nach meinem Wissensstand geht die Sage laut Bibel so: Die sprichwörtlich gewordene „babylonische Sprachverwirrung“ war nicht der Grund für das Scheitern des Projekts, sondern Gottes Strafe für dessen Durchführung. Denn was für die einen ein Zeichen menschlischer Fähigkeiten darstellt, ist für den anderen einfach nur blasphemische Hochmütigkeit.

Die Rückinterpretation auf das anmaßende Markenbilds des Herrn Rehm mag jeder selbst ziehen.

For Successful Advertising

The Drum mit einem Feature über die Marke Diesel und die Werbephilosophie ihres Gründers. Er sagt dabei viel Richtiges wie:

“You could really push push push with brand brand brand and product product product but that was never where I wanted to go. If you receive all this push, [the customer] becomes a victim. I wanted them to know they had intelligence and they can be free to think about what they like and prefer,” Rosso recalls.

Ich selbst habe in den 90ern mal eine Sonnenbrille dieser Marke besessen, ansonsten da aber die Finger von gelassen. Ich glaube, weil zu viele dieses Irokesenshirt hatten. Dabei hat mir die Werbung selbst meist sehr gefallen. Sie ist vielleicht mit ein Grund, wieso ich in dieser Branche gelandet bin. Aber nicht die Erklärung dafür, weshalb ich seit beinahe 15 Jahren ausschließlich Diesel-Jeans trage.

Dropshop

Ich weiß es ja auch nicht. Wie Marcus gesagt hat, ist die Bandbreite an Reaktionen auf dieses kleine Demo-Video von Dent Reality ziemlich groß. Nach Eigenaussage „is“ die Firma „building simple tools that make it easy for retailers to integrate incredible AR experiences into their own apps … Our simple-to-use web tools allow you to provide store layouts and product info, then customise the AR experience to suit your brand.“

Während die eine Hälfte der Replies – gerne verlinkt auf diese mittlerweile zwei Jahre alte Videoeskalation – das weitere Zumüllen einer gefühlten Öffentlichkeitsebene beklagt, bewundert die andere die praktible Umsetzung dieser als ungemein hilfreich empundenen Shop-Navi. Wieder andere nehmen die AR-Demo zum Anlaß, um den baldigen Tod des gesamten stationären Einzelhandels zu proklamieren, den auch solche technischen Spielereien nur bedingt zu verlangsamen in der Lage sein werden.1

Etikett lesen, Zusatzinfos geben, Weg weisen – alles okay. Brennpunkt ist Folgendes: Nachdem die App das Hühnerfleisch erkannt hat, empfiehlt sie eine dazu passende Soße. Bei all den verschiedenen Reaktionen und Rückfragen darauf fehlt mir allerdings eine entscheidende: Wer kauft so ein? Selbst, wenn man nicht den Hauch einer Ahnung vom Kochen hat oder seine Inspiration ausgerechnet vom Laden abhängig machen möchte: Ich kenne niemanden, der in einem Supermarkt geht, um dort einzig die Zutaten für das heutige Abendessen zu kaufen.

Wie gut die Regale auch sortiert sein mögen; ein Wochenendeinkauf auf diese Art würde bestimmt doppelt so lange dauern, weil man nur zwischen den verschiedenen Gängen herumrennen würde, statt entlang einer Idealroute alles nacheinander in den Korb zu werfen. Echt nützlich ist anders.

via GIPHY

Aber wer weiß, auf welche Art diese AR-Technik später mal Verwendung finden wird. Angezeigt bekommen werden wir es wohl nicht, geschweige denn voraussehen.

Anstelle eines Threads:

Ich vor ein paar Stunden so. Doch dann ist mir noch mehr zum Thema eingefallen. Der Reihe nach:

Zur Erinnerung: VICE, das sind die mit folgender Zeile im Title Tag ihrer Website: „Unbequemer Journalismus und Dokus zu allem, was wichtig ist auf der Welt.“ Mein erster Gedanke: Maggi gehört doch zum Nestlé-Konzern, die sind jetzt nicht so bekannt, eine besonders gute Presse zu haben. Auf vice.de ist die Suchfunktion nicht gerade ergiebig; ein Umweg über Google zeigt auf den ersten Blick jetzt nicht gerade superkritische Artikel über den Schweizer Nahrungsmittelriesen. Es scheint da eher um Zuckerreduzierung als Wasserprivatisierung zu gehen.

Was mir besonders gut gefällt: Über Startseitenteasern für Zusammenarbeiten wie Ich habe eine Woche auf Essengehen verzichtet und alles selbst gekocht prangt heute eine fette Banner Ad des Lieferdienstes Foodora. Das bleibt übrigens auch so, als nach meinem Tweet diese Native Ads nicht mehr „Partner Content“, sondern „Anzeige: präsentiert von …“ genannt werden. (Screenshot 1, Screenshot 2) Diese Partnerschaft ist wohl von längerfristiger Dauer. Zum Glück wird bei VICE strengstens zwischen redaktionellen und werblichen Inhalten getrennt.

Was man beim deutschsprachigen Ableger der VICE neben dieser Trennung noch gut kann: sich über Influencer lustig machen. Insbesondere die aufgesetzte Art, wie plump die beworbenen Produkte in Szene gesetzt werden. Das könnte dem achsoauthentischen Sprachrohr der Digital Native Advertisers nie passieren. Auch nicht hier in Bild 4.