neuburgbraunbier

No Bollocks

Der Copyranter Mark Duffy erklärt auf digiday.com/, warum die ganz große Idee alles andere als tot ist. Und zwar anhand der Werbekampagne von Newcastle Brown Ale.

And this Big Idea is working for two reasons: it’s entertaining as hell and just as important, it feels true to the brand. Many brands, even other beer brands, have tried this “authentic” approach. But right now, nobody is doing it better than Newcastle.

Nun kann man über Authentizität endlos diskutieren. Zwei Dinge dazu, die nicht unbedingt direkt etwas mit Werbung im engeren Sinne zu tun haben:

1. Dogma 95
Prima, daß man vow of chasity auch mit Reinheitsgebot übersetzen kann. Vor mittlerweile 20 Jahren haben sich Lars von Trier und ein paar andere Regisseure 10 Regeln gegeben, die dem Kino/Film seine Ursprunglichkeit zurückgeben sollten. Nur hatten sich in der Zwischenzeit die Sehgewohnheiten fundamental gewandelt: der Verzicht auf jegliche Special Effects wurde nicht als Unmittelbarkeit wahrgenommen, sondern einfach als störend.

2. Selbstreferentialität
So platt hatte McLuhan sich das mit “the medium is the message” sicher nicht vorgestellt. Wenn sonst nichts auf Facebook geht, was geht dann immer? Richtig, Zuckerberg ändert die AGBs. Auch nach neun Jahren kann man auf Twitter noch auf Resonanz hoffen, falls man höhnisch das Zwitscherbashing eines Unwissenden verlinkt oder auch nur die Begrenzung auf 140 Zeichen thematisiert. Und wenn ein neuer Dienst wie Ello das Licht der Weltschirme erblickt, dann werden dort erst einmal ausführlich Features besprochen, bevor an weiteren Content auch nur zu denken ist.

Einen Witz auf Kosten von Leuten machen, die den Spot ohne Ton sehen. Das gezeigte Bildmaterial für die eigene Punchline nutzen. Die Tatsache, daß Newcastle die geschalteten Medien zum Thema der Werbung selbst macht (nicht nur im TV, auch online/social), ist sicherlich ein Grund dafür, warum die Kampagne gerade bei bei multiplikanotorischen Kreativwirtschaftlern so beliebt ist. Aber sie ist sicher mehr als nur ein Insidergag.

Ich würde das auch nicht als Anti-Reklame bezeichnen. Warum auch? Weil die einzelnen Werbemaßnahmen den Konsumenten explizit darauf hinweisen, daß es sich bei ihnen um bezahlte Verbraucherhinweise handelt? »No Bollocks« ist eben echt ehrlich – oder tut zumindest besser als jede andere Marke so. Und ist damit zehnmal sympathischer und glaubwürdiger als jede Masche Mechanik à la “Unsere Werbung ist so billig, weil wir das Geld lieber in unsere Produkte/Services/whatever stecken.”

ein paar Zahlen

Die gute Nachricht: die alte Fanta-Flasche kommt zurück. Der Limo-Klassiker wird anläßlich seines Geburtstags neu aufgelegt. (buzzfeed.com/ meldet: Das Video ist offline.)

Die schlechte Nachricht: wie diese Meldung verpackt worden ist. “Vor 75 Jahren waren die Rohstoffe knapp”, behauptet das Video. Ein Ersatz musste her. Daß zu dieser Zeit bekanntlich Hitler bzw. Weltkrieg herrschte, wird in den Spot natürlich nicht erwähnt. Okay, geschenkt – ist ja Werbung.

Aber dann sagt der Sprecher doch tatsächlich, zur Feier der “Geburtsstunde” dieser “deutschen Ikone” bringe die Neuauflage “das Gefühl der guten, alten Zeit zurück”. Ähm, wie bitte? Und der Abbinder lautet dann wirklich: “Die neue Fanta Klassik – gut wie früher, nur heute.” Ich musste zweimal hinhören, denn beim ersten Mal hatte ich noch “Führer war alles besser” verstanden.

Update // Coca Cola Deutschland hat eine Pressemitteilung herausgegeben. Mißverständnis blabla, der Film werde überarbeitet.

Unschöne Geschichte

Diese Geschichtsvergessenheit färbt sogar auf den Mutterkonzern ab. Denn eigentlich fand ich den Spot zum 100. jährigen Jubiläum der Coke-Flasche gut. Daß er musikalisch ausgerechnet von Nenas Anti-Kriegssong untermalt wird, stößt mir jetzt unangenehm auf.

Na dann: Prost!

Was interessieren mich Deine patriotischen Seeadler von gestern?

American Football ist mir sowas von einerlei. Ich habe daher den Superbowl XLIX nicht gesehen und weiß auch nicht, welche Mannschaft gewonnen hat. Endlose Witzchen, entlegene Fakten etc. – das können die Sozialmedien. Aber ein amtliches Endergebnis wird in den seltensten Fällen getwittert.

Wofür das Internet allerdings gut ist (schließlich arbeite ich in der Werbung): sich einen halben Tag später die geschalteten Spots zum Spektakel anschauen zu können. Und mein Favorit ist tatsächlich T-Mobile.

Die agieren ja auf dem US-Markt verständlicherweise ein wenig anders als in Deutschland.

Obwohl mich der dritte TVC in der Reihe (Geier) doch sehr an das fonic-Lama erinnert; vielleicht noch mit einer Prise Skittles verfeinert.

Manchmal klappert’s

Und manchmal nicht. Das gehört zum Handwerk. Beispiel gefällig? Hier, Edeka/JvM haben ja in letzter Zeit einiges richtig gemacht: Kiffer, Supergeil, Kassenschlagermusik. Wobei die letzte Nummer schon nicht mehr ganz mein Fall gewesen ist; etwas zu gewollt, bißchen zu gestellt und ein ganzes Stück zu lang. Doch wenn man soviel Arbeit in eine Sache gesteckt hat, dann vertragen sich Stolz und Schere eben schwer. Letztendlich ist das Geschmackssache, ich bin ohnehin nicht so der Freund von Weihnachtskitsch.

Daß der neue Spot mit Scooters H.P. Baxxter sowas von drüber ist, steht aber wohl bei jedem außer Frage. // Andere Baustelle // Dann liest man diesen Artikel und denkt auf der Hälfte der Lesestrecke (also nach Anblick des ersten Videos): “Für diese Durchschnittsware mussten zwei renommierte Agenturen ein eigenes JointVenture Gründen?” Bis ich mir den zweiten Spots fürs Kino angesehen habe. Der ist wirklich so gut, daß ich mir die Wortspielclownerei mit ‘Lachnummer’ spare.

Ad of the Day: McDonald’s Refreshes ‘I’m Lovin’ It’ and Suddenly Feels a Lot Like Oreo | Adweek