Mach kleinen Scheiß

Julia Bönischs (SZ) „Blick auf den Journalismus“ offenbart eine depremierende Sicht auf die produzierende Seite des Nachrichtengeschäfts. Etwa:

Die Redaktionsleitung, die sich ausschließlich über Inhalte definiert, gehört zunehmend der Vergangenheit an. Stattdessen tritt eine neue Generation in die erste Reihe, die sich viel mehr als Manager und Produktchef definiert, die nicht mehr nur in Formaten und Texten, sondern in Workflows und Prozessen denkt.

Mann muß sich vor Augen führen, daß hier eine Karrieristin in einem „Medienmagazin“ schreibt. Für Bönisch scheint der Journalismus nur ein Weg nach oben zu sein; sie hätte statt der Verlags- auch jede Branche wählen können. Obwohl sie führungsqualitative Neoliberalismen wie „von gewohnten Hierarchien und linearen Top-Down-Strukturen verabschieden“ aneinanderreihert, fällt in ihrem langatmigen, unwuchtigen Text kein Präfix häufiger als „Chef-“ und die Headline lautet „Wir brauchen gute Manager an der Spitze von Redaktionen“. Und die Genderkarte wird nur gespielt, wenn es gerade hilft.

Leute, die Ahnung von Inhalten haben, stören da nur. Aber die wollen meist sowieso gar keine Karriere machen – weil man da trotz allem Machermantra da mehrheitlich verwaltet, nicht gestaltet.

Abonnierenschaden

Ich halte Paywalls für einen großen Segen, ihr Wert für die Menschheit ist nicht zu überschätzen. Diese ganze unsägliche Diskussion über Filterbubbles wäre ohne den Irrweg, einfach Gratis-Content ins Internet zu kippen, niemals geführt worden.

Ich sehne mich dem Tag entgegen, an dem man nicht mehr alles gesehen und gelesen haben muß. Früher hatte man die seiner PeerGroup und den eigenen Interessen nächstgelegene Tageszeitung abonniert, ab und an ein paar Magazine gekauft. Und als vernünftiger Mensch seinen Büchergeschmack gerade am Anti-Mainstream ausgerichtet. Soweit zu den Lesegewöhnlichkeiten.

Gucken war anders: Wenn etwas Interessantes im TV lief, dann war das auch früher schon Talk of the Town – so wie jetzt auch Serien. Kino ist da nicht mehr der Vorreiter, aber adressiert immer noch die große Masse. Insofern hinkt der Vergleich natürlich nicht nur etwas.

Das wollte ich nur kurz anmerken, bevor ich die Artikel in der NZZ lese „Paywalls: Schaden sie der Demokratie?“ Ich sehe es prinzipiell eigentlich nicht ein, daß ein wenig Distinktionsgewinn hier und etwas Elitebildung da gleich demokratiezersetzend sein sollen, aber nun gut…

Da schreit doch bei Opernsubventionen auch kaum einer nach. Aber Musik ist ja sowieso egal geworden.

It’s the örgsonomy, stupid!

Das sind zwei Seiten ein und derselben Medaille. Also hier bitte Kopf oder Zahl einfügen:

The Millennial home economy: Consumer homes into work spaces

Beim Trendbeobachter WGSN klingt das alles noch erträglich. Auch wenn man den Weichzeichner der Marketingbrille aus jedem Absatz herauslesen kann.

The sharing economy is going to innovate us into the Victorian Era

The Outline liefert dann sozusagen die harte Realität. Vielleicht sollte ich mal wieder in Hauptmanns Die Weber reinschauen.

dreiviertel

Demnächst Gaika-Konzert in Köln. Yay or nay? Ist ja noch etwas hin, am Wochenende jetzt erst einmal The Screenshots.

Nachdem es das insgesamt eher artsyfartsy komplette Visual Album When I Get Home (immer noch?) nur bei Apple Music zu sehen gibt, ist jetzt mit Binz das lockerste Teilstück als Einzelvideo draußen. Es ist auch eins der besten Lieder der Platte, die bei mir derzeit auf Heavy Rotation läuft.

In den YT-Shownotes unter dem Video ist Apple Music auch prominent gelistet, da ist mir klar geworden, daß die Streamingabteilung aus Cupertino zum Angriff übergeht.

Und kurz darauf lese ich, daß es das neue Billie-Eilish-Video von niemand Geringerem als Takashi Murakami(s Team animiert) ebenfalls nur bei Apple Music zu sehen gibt.


Habe mich vor knapp einem Jahr bereits gefragt, wie es entweder „Listen to XY on Spotify“ oder „Hear album XY on Apple Music“ auf die Musikplakate und Konzertankündigungen schaffen. Wenn nicht beide gleich groß abgedruckt sind, dann steckt da doch bestimmt auch so ein Subventionssystem hinter wie früher Intel bei den Printanzeigen von PC-Schmieden oder der Douglasrahmen bei Parfumwerbung für Beteiligung an den Mediaspendings.

(Wollen wir wetten, daß Samsung demnächst Spotify kauft?)