politisches Theater

Ich mag die Arbeiten von Rimini Protokoll ziemlich gerne. Da stört es mich nun Stefan Kaegis Text Ein Instrument der Nähe etwas. Theater heute nennt ihn eine “Utopie”, aber man kann ihn auch anders verstehen. Wahrscheinlich falsch.

“Theater kann schneller reagieren. … Dazu braucht es erstmal nicht noch mehr Infrastruktur, sondern weniger. … Eine kleine, flexible Institution. Ein paar Büros, Besprechungsräume und ein flexibel benützbarer Raum als Projektzentrale und Labor. Ein kleiner Stab von fest angestellten Produktionsleitern, Kommunikationsspezialisten, Dramaturgen und Vernetzern, dazu ein möglichst großer Topf an Projektmitteln, die flexibel einsetz- und portionierbar sind. … Als Wales vor fünf Jahren ein eigenes National Theatre gründete, baute sich die künstlerische Leitung kein Haus mit festen Plätzen, sondern heuerte einen minimalen Stab von zehn Festangestellten an, die jährlich zwölf Produktionen mit wechselnden Besetzungen in allen Gegenden des Landes realisierten.”

So wie ich diese Sätze hier aus dem Zusammenhang heraus zitiere, kommt Kaegis Vorstellung der Struktur/Arbeitsweise/Organisation hinter den Inhalten dem feuchten Traum eines jeden neoliberalen Kulturpolitikers wahrscheinlich docht recht nahe.

Aufgestanden mit dem falschesten aller Beine

Die Frau neben mir am Fenster möchte gerne raus, mehrere Minuten vor dem Halt am nächsten Bahnhof. Sie will das jetzt und sofort, denn da vorne, ein paar Reihen weiter, ist auch schon einer aufgestanden. Also erhebe ich mich mit einem hingemurmelten “Aber natürlich” von meinem Sitz und trete in den Gang. Und weil dort gruppendynamisch bedingt mittlerweile schon fast der halbe Waggon auf den Zugstopp wartet, gehe ich die drei Schritte weiter, um mich ans Ende der Gangschlange zu stellen.
Da keift mich plötzlich aus dem Nichts meine ehemalige Sitznachbarin von hinten an, was mir denn einfiele, sie nicht durchzulassen, wo sie doch vorhin so freundlich gefragt hätte.

Die ganze Welt, die ranzige Welt.

  • Du wohnst immer noch bei Deiner Mutter? Das geht gar nicht!
  • Ja, ich weiß.
  • Und Frank hat mir erzählt, daß Deine Mutter Dich neulich beim IKEA-Besuch im Småland abgegeben hat?
  • Das war noch nicht einmal das Schlimmste.
  • Was denn noch, Sebastian?
  • Sie hat mich die neuen Möbel für mein Kinderzimmer nicht mit aussuchen lassen.

dollars

Notes KW 27/15

Die Austerität steht als Doktrin fester denn je. Es ist egal, dass ihre Resultate vernichtend sind, dass ihre Sprache langsam sowjetisch klingt und dass niemand auch nur das geringste Vergnügen an ihr hat. Oder an Europa. Es ist die einzige Idee, die der Politik noch geblieben ist.

Die gefährlichste Idee Europas – tagesanzeiger.ch

Und natürlich werden Sie in der “Vogue” nie eine Kollektionskritik lesen. Wenn wir etwas nicht mögen, findet es bei uns gar nicht erst statt – egal, von wem das Teil stammt.

Jeder zitiert den Blogger-Diss aus dem Interview mit “Vogue”-Chefredakteurin Christiane Arp auf horizont./, dabei hat es weitaus interessantere Sätze.

If you tweet and no one hears it, do you make a sound?

Why Men Are Retweeted More Than Women – The Atlantic

brand eins, April 2015, S. 38, linke Spalte

Da liest sich natürlich sehr pfiffig, werte brand eins. Aber ich würde ja sagen, andersrum wird ein Schuh draus.