Notes KW 27/15

Die Austerität steht als Doktrin fester denn je. Es ist egal, dass ihre Resultate vernichtend sind, dass ihre Sprache langsam sowjetisch klingt und dass niemand auch nur das geringste Vergnügen an ihr hat. Oder an Europa. Es ist die einzige Idee, die der Politik noch geblieben ist.

Die gefährlichste Idee Europas – tagesanzeiger.ch

Und natürlich werden Sie in der “Vogue” nie eine Kollektionskritik lesen. Wenn wir etwas nicht mögen, findet es bei uns gar nicht erst statt – egal, von wem das Teil stammt.

Jeder zitiert den Blogger-Diss aus dem Interview mit “Vogue”-Chefredakteurin Christiane Arp auf horizont./, dabei hat es weitaus interessantere Sätze.

If you tweet and no one hears it, do you make a sound?

Why Men Are Retweeted More Than Women – The Atlantic

brand eins, April 2015, S. 38, linke Spalte

Da liest sich natürlich sehr pfiffig, werte brand eins. Aber ich würde ja sagen, andersrum wird ein Schuh draus.

Notes KW 24/15

Notes sind die neuen Highlights. Deshalb hat sich auch der Titel dieser wöchentlichen Sammlung geändert. Mit dem vorigen war ich auch nie ganz zufrieden. Und vielleicht motiviert es mich ja dazu, zu jedem der zitierten Texte kurz meinen Senf dazuzugeben. Was ist mit den jetzt möglichen Kommentaren noch anstelle, muß ich gucken – vor allem, was die IFTTT-Channels jetzt so hergeben.

Ermutigend ist, dass geschlechtergerechte Berufsbezeichnungen das Selbstvertrauen, entsprechende Berufe zu ergreifen, steigern können. Weniger schön ist, dass geschlechtergerechte Berufsbezeichnungen die Bewertung des Berufs, also dessen Wichtigkeit oder die Höhe des Gehalts, negativ beeinflussen.

So zitert der Informationsdienst Wissenschaft die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychologie anläßlich einer Studie zu den Effekten gegenderter Sprache.

Since most prestige movies are made by middle-aged men about middle-aged men, actresses like Jennifer Lawrence have to age themselves up to grab those high-profile roles, a pattern that not only contributes to a continued dearth of leading men in their 20s but also indirectly takes parts away from actresses like Gyllenhaal.

Emma Stone, Jennifer Lawrence, and Scarlett Johansson Have an Older-Man Problem | Die Headline bricht den Sachverhalt unangenehm persönlich herunter, der Text behandelt den Jugendwahn in Bezug auf Schauspielerinnen allgemeiner.

In groteskerer Verblendung kann man gar nicht in so eine Sendung gehen. Meine Rolle war in Wahrheit natürlich die, die sonst in solchen Runden immer irgendein Wirtschaftsrechtsaußen von der FDP innehat: die des allgemeinen Arschlochs, das allen mit Appellen zur Eigenveranwortung auf den Wecker geht.

Wie ich mal bei Günther Jauch saß… | Peter Richter

Here’s how it works: once “Biology” has been researched and access to oil secured, any player can petition the world congress to enact the FIFA World Cup Resolution. Once passed, players can devote production (read: bribes) to the project like they would any other “wonder,” which is what the game calls massive projects periodically undertaken by the player. Whichever player contributes the most secures the opportunity to host the world cup. Their reward? Twenty gold in “corporate sponsorship,” a pittance by Civilization V’s mid-to-late game standards, and the ability to purchase (not build) “Migrant Workers,” who receive an extra move each turn that represents the extra hours they are forced to work with little legal recourse. As the mod’s creator writes, “[migrant workers] are the foundation on which your brand new stadiums rest—or at least their bodies will be.”

How a Civilization V mod makes corruption the least of FIFA’s Problems – Ganz großer Text, noch größerer Hack. Lohnt die Lektüre definitiv, auch wenn man kein Zocker ist.

ZU WÜNSCHEN

In wenigen Tagen feiert dieser Tweet Geburtstag, er ist mittlerweile sechs Jahre alt – in Internetzeit gerechnet eine halbe Ewigkeit.

Der Satz ist damals nicht nur zu Jubiläen gerne zitiert worden, wobei “von offizieller Seite” gerne der Kommafehler korrigiert worden ist. Er taucht mittlerweile um ein paar Ausrufezeichen erweitert als Signatur bei irgendwelchen PC-Forumsusern auf. Oder er steht in einer alphabetisch geordneten Sprüche-Sammlung zwischen “Ihgitt, du hast meinen Löffel abgeleckt.” – “Meinen Schwanz nimmst du in den Mund und bei sowas sagt du “ihgitt”?” und “Im Bett ist immer gutes Wetter.” Immerhin buchstäblich unverändert.

Und jetzt?

Wenn Sascha Lobo in seiner letzten Kolumne in Sachen Digitalpolitik zum Mittel der Publikumsbeschimpfung greifen muß, dann ist Verdrossenheit längst in Resignation umgeschlagen. Daß ihm dabei einiges durcheinandergerät, ist freilich dem Krautrübencharakter dieses Themenkomplexes geschuldet.

In Sachen Massenüberwachung (Bürgerrechte) und Vorratsdatenspeicherung (Innenpolitik) hat er sicher recht. Das hat sogar mich dazu gebracht, meine erste Frage auf abgeordnetenwatch.de/ zu stellen – die Prof. Dr. iur. Heribert Hirte (CDU) bis jetzt nicht beantwortet hat.

Bei anderen Aspekten wie etwa der Netzneutralität oder dem Breitbandausbau sehen ich allerdings die Wirtschaft viel stärker in der Pflicht. Mit dem Verweis auf den internetunternehmungslosen DAX deutet selbst Lobo in diese Richtung. Man kann nicht alles dem Wähler in die Schuhe schieben.

Tarifpreise schließlich sind – verglichen mit anderen Problemen – ein Verbraucherschutzthema aus der zweiten Reihe. Und wenn behauptet wird, »es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen Landflucht von Jugendlichen und langsamer Netzanbindung«, dann schießt das doch weit über das Ziel hinaus. Denn so sehr die Digitalisierung in vielen unserer Lebensbereiche immer größeren Raum einnimmt, soll sie sich mal nicht so aufspielen.

Von der Ehe für alle über die Situation der Hebammen bis zur beschämenden Flüchtlingspolitik.