Alle Artikel von “Hendrik Spree

ff
Kommentare 1

bewegtbildliche Darstellung

Paul Thomas Anderson hat Thomas Pynchon verfilmt. Das Buch habe ich verschlungen, auf den Streifen hier freue ich mich wie auf schon lange keinen mehr davor. Der Trailer:

Bestes Zitat von James Victore aus seiner Type Safari durch Brooklyn und Queens: “I’m always bashing Helvetica, except where I used it to design my book.”

Meiner Meinung nach ist Millenial Parents eine bessere Webserie als Mann|Frau. Und das liegt nicht daran, daß sie vom Setting her etwas mehr in meine gesetztere Lebenswirklichkeit passt. Die Playlist mit 17 Folgen plus eines Videos des Titelsongs:

Sehr sympathisch: Ivan Cash fragt wahllos Londoner Passanten nach dem letzten Photo in der Camera Roll ihres Handys. Das ganze ist als Serie angelegt. Hier die unvermeidliche NewYork-Folge, in der Video-Description finden sich die Links zu den Episoden aus anderen Städten.

Zum Schluß etwas Musik.

Kommentare 0

Highlights KW 39

Viele Journalisten berichten weniger über interessante Personen und Ereignisse, sondern schreiben lieber über sich selbst und was sie so alles erlebt haben. Die Leserschaft der Zeitungen schrumpft, die Zahl der Kolumnisten steigt. Die Kolumnisten erzählen, was sie im Fernsehen gesehen oder im Internet gefunden haben; sie schildern, welche Erfahrungen sie mit ihrem neuen Smartphone gemacht haben, was ihnen ihre halbwüchsigen Kindern zugemutet haben oder oder oder.

Das Persönliche ist politisch, das gab und gibt selbst dem banalsten Erlebten die Aura des Authentischen und die Weihe des Bedeutungsvollen. Doch so einfach ist es nicht. Wenn inzwischen die Journalistengeneration der Selfies glaubt, das Persönliche sei qua naturam politisch, auch wenn es nicht politisch gedacht und auf das Politische projiziert wird, ist das ein fataler Fehler. Zudem verwechseln die meisten Ich-Erzähler das Persönliche mit dem Privaten.

Das Ich im Journalismus: Im Zeitalter der Selbststilisierung – taz.de

Ich war mal auf einer Party, auf der ich interessierten, jedoch ahnungslosen hungrigen Menschen Hundefutter mit Zwiebeln und Pilzen in der Pfanne gebraten anbot, welches sie hastig verschlangen und mich anschließend verprügeln wollten, was sie sicher auch getan hätten, wenn nicht just in diesem Moment ein, dem Gastgeber unbekannter und uneingeladener Gast in dessen Mikrowelle den Hamster seines kleinen Bruders zum Platzen gebracht hatte. Ich bin dann nach Hause gegangen.

Ich überbug also weiterhin alles, wirklich alles, mit Käse und es dauerte nicht lange, da wagte ich mich an die Krönung aller überbackenene Gerichte heran: Ochsenschwanzsuppe mit Käse überbacken. Ich hatte das Gefühl angekommen zu sein. Endlich machte das Leben einen Sinn und die Brandblasen baumelten mir vom Gaumen, dass es nur so eine Freude war. Es war die schönste Zeit meines ganzen erbärmlichen Lebens.

Blogroyal » » Ich hab geträumt, ich wäre Ochsen- schwanzsuppe essen mit meinem Webmaster E. Smith

Wie politisch kann das Private sein, wenn man, bevor man zur Tat schreitet, erst aufräumen und dekorative Blumensträuße verteilen muss? Wenn die Wohnung, die mit Kindern und Partner bewohnt und als Arbeitsplatz genutzt wird, nichts von den Strapazen des Alltags erzählen darf, sondern nur die Fortsetzung des alten bürgerlichen Salons mit den Mitteln von Instagram ist?

Rollenbild ǀ Immer das gleiche Strickmuster — der Freitag

Clients don’t give a shit about typefaces. And if they do, they’ll ask.

13 Ways Designers Screw Up Client Presentations

Die Auskenner üben sich in Subtilität und in Verzicht. Und selbst wenn es gar kein Verzicht ist (weil man sich das eigene Auto zum Beispiel wirklich nicht leisten kann), soll es wenigstens wie Verzicht wirken. Solange Fleisch teuer war, hat die gut verdienende Schicht gerne viel davon gegessen. Als es immer billiger wurde und es sich auch die Unterschicht leisten konnte, wurde es immer uninteressanter für sie. Für mich ja auch. Esse ich “wenig Fleisch und dann nur bio”, weil es gut für mein Ego ist oder gut für die Welt? Man wird mir, sollte es Egoismus sein, das schwer nachweisen können. Hat es etwas mit Moral zu tun oder mit Statusdenken, dass ich lieber Fahrrad fahre als Auto?

Für mich ja auch. Esse ich “wenig Fleisch und dann nur bio”, weil es gut für mein Ego ist oder gut für die Welt? Man wird mir, sollte es Egoismus sein, das schwer nachweisen können. Hat es etwas mit Moral zu tun oder mit Statusdenken, dass ich lieber Fahrrad fahre als Auto?

Lebensstil: Die Besserbürger

Am Beispiel von Nicolàs Guagninis “Seven Reviews of Monkeys and Shit” und einer Genealogie des Skatologischen rekonstruiert Luis Camnitzer die Entwicklung und den Zusammenhang von Scheiße und Politik, mit einem Fokus auf Südamerika.

Dropping Sculpture By the Pound | Luis Camnitzer

kunst als gelebte rücksichtslosigkeit und selbstdarstellungszwang auf kosten anderer.

mögliche folgen von blog-professionalisierung: haltungsschäden und merkbefreiung – wirres.net

Kommentare 0

Das Naming

The Barry Whitesnakest Boy Alive oder wie die Band hieß, kann man ja als nichtberliner Normalsterblicher gar nicht kennen, weil die sich bereits nach dem dritten Konzert wieder auflösten. Wurde ihnen wohl alles zu viel, beim letzten Gig war die Besucherzahl annähernd dreistellig. Da lässt sich dann trefflich über Mainstream theoretisieren, kopfschüttelnd wohlgemerkt.

Rückblickend sagt es sich so einfach, daß Jamiroquai – großer Häuptling vom Stamme der Nineties – mit seiner Weissagung bezüglich einer Rückkehr der Weltallkuhhirten total daneben gelegen hat.

Kommentare 0

Highlights KW 38

This was the period, too, of Edward Snowden’s leaks, of Aaron Swartz’s suicide, of blockades against techie commuter buses in San Francisco. Google became one of the world’s leading lobbyists, and Jeff Bezos bought The Washington Post. Tech could no longer claim to be a post-political insurgency; it had become the empire. / Monks expose themselves to God through prayer; unMonks publish their activities on the Internet.

Can Monasteries Be a Model for Reclaiming Tech Culture for Good?

Man kann ja über Frauen sagen, was man will, aber praktisch sind sie. Jedenfalls dann, wenn man im Layout einer Zeitschrift arbeitet. Wenn man nämlich eine Titelseite zu irgendeinem Thema plant und keine Idee hat, dann nimmt man einfach eine Frau. Und wenn man keine Ahnung hat, was diese Frau anziehen könnte, dann nimmt man sie halt nackt.

Luft und Liebe: Dann nimmt man sie halt nackt Kolumne auf taz.de

So sehr hatte ich genug von all dem Wegwischen und unter den Teppich kehren, dass ich die gesamten Neunziger überhaupt nicht saubergemacht habe.

NACHT WERFEN

Nicht zuletzt sei die Methode extrem günstig, man brauche nur eine Flasche Gas und ein kleines Plastikzelt. “Es ist sogar billiger als die Kugeln für ein Erschießungskommando”, sagt Christian. Klären müsse man nur noch, ob der Verurteilte eine Maske, eine Tüte oder ein kleines Zelt über den Kopf gestülpt bekomme.

US-Politiker fordert Hinrichtungen mit Stickstoff – spon.de / Ich bin nun wahrlich kein Antiamerikanist, aber das ist zum Kotzen!

The choice between a carcinogenic and garbage-strewn Williamsburg that is still economically available to the working class or an environmentally sound and “green” North Brooklyn predicated on city subsidized luxury development and working class displacement is a specifically capitalist dichotomy, which has nothing to do with the artists and wannabes who, through no fault of their own, are the first to go once they’ve provided a wedge for developers.

Enough with the hipster-bashing, weil es ja doch nur Vorwände liefert, hinter denen es sich bequem verstecken läßt. Von wegen Nebeltatik und den echten Feind nicht sehen.

Ich mag Blogs. Ich lese sie gerne, ich gucke mir nackte Frauen lieber in Blogs als in Zeitungen an. Ich lese Geschichten über Videospiele lieber in Blogs. / Die Furcht vor dem leidsamen Tod des Journalismus, er verhindert das Leben von sehr vielen Menschen. Kinder werden nicht gezeugt, Pläne werden nicht geschmiedet, Ideen werden nicht entwickelt. Weil die Menschen Angst davor haben, dass das, was sie gelernt haben, zu einem Blog werden soll.

Wie es sich dieser Tage anfühlt, ein Journalist zu sein. – Man möchte fast ein “und es geschieht Dir recht” hinterherschicken.